Erlebnisberichte

Hier finden sich Erfahrungsberichte unserer Teammitglieder von Veranstaltungen an denen sie teilgenommen haben.

Amstel Gold am 14.04.2012

altHALLZIG EXPRESS und Rennradliste reisten in diesem Jahr in Minimalbesetzung zum Frühjahrsklassiker Amstel Gold Race nach Valkenburg nahe dem Dreiländereck Niederlande-Belgien-Deutschland. Gefahren werden sollte die Tourversie, die in verschiedenen Streckenlängen von 65 bis 250 km angeboten wurde. Die heiß begehrten 12.000 Startplätze wurden in diesem Jahr erstmals nach vorheriger kostenpflichtiger Registrierung ausgelost. Wir hatten also richtig Glück...

Valkenburg als Start- und Zielort der Tourversie und Durchgangs- und Zielort des Amstel Gold Race empfing uns in einer Gelassenheit, die zunächst so gar nicht auf ein großes Radsportevent schließen ließ. Im Nachhinein war das aber nur die coole Professionalität mit der diese Stadt alljährlich dieses Radsportfest vorzubreiten und durchzuführen wusste.
Die Abholung der Startunterlagen zu der vorher übersandten Startnummer erfolgte in sehr gut organisierter und unaufgeregten Atmosphäre und so konnten wir ganz entspannt vor Ort ein erstes Amstel genießen und Räder und Radsportler schauen.

Danach erklommen wir zunächst über eine steile Treppe den Cauberg und genossen die Aussicht auf die schöne Stadt und ihre Castellreste und erkundeten die beste Position für eine Sicht auf das am Sonntag stattfindende Race. Direkt am Fuß des Caubergs fanden wir abends eine perfekte Kneipenmeile mit gutem Essen, Musik und wieder stundenlang Räder und Radsportler schauen. Wir waren im Paradies angekommen. Nachts um 2 öffnete der Himmel kurz seine Schleusen um die Strecke sauber zu spülen. Der Morgen wurde entsprechend dunstig eingeläutet.

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3 HALLZIGer beim Leipziger Wintermarathon

altEtwa zum Monatswechsel Oktober/November 2011 hörte ich vom 3. Wintermarathon im Clara Zetkin-Park in Leipzig. Dieser sollte am 21.01.2012 stattfinden. Dafür war ein Team mit 3 Läufern zu bilden, welche auf jeder Runde (8x5km und 1x2km) die Start/Zieldurchläufe und auch das Finish gemeinsam bestreiten müssen, ohne dass also das Team unterwegs auseinander bricht.

Das Training über den Winter sollte durch Laufen sowieso etwas Abwechslung erfahren, aber an einen Marathon dachte ich dabei nicht. Die bisherigen wenigen Läufe meines Lebens überschritten garantiert nie die 10-km-Marke und waren zudem ewig her. Und trotzdem arbeitete es in mir… mal bei den HALLZIGern nachfragen, ob jemand Lust auf so was hat!

3 Monate sind zur Vorbereitung nicht viel, aber es fand sich spontan ein Team zusammen, bestehend aus Uwe Hanke, Matthias Gelsdorf und mir (Andreas Kneisel). Matthias lies seine Zusage auch bestehen als er feststellte, dass man die ganze Strecke laufen muss und nicht, wie von ihm fälschlicherweise erst angenommen, die Strecke durch 3 Läufer a 14km geteilt wird ;-) So kam es zum ersten Trainingslauf. Uwe und ich verabredeten uns bei herrlichster Wintersonne und trockenen Bedingungen zu einer 16km (!) Runde, Muskelkater danach inklusive. Aber eigentlich lief es gut, sodass wenige Tage darauf ein weiterer Lauf von etwa 11km um und am dunklen Schladitzer See stattfand. Eines sonnigen Morgens liefen wir um diesen See zwei Runden und näherten uns damit der 20km-Marke. Uwe und Matthias nahmen zudem noch am Auewaldlauf teil. Anfang Dezember ging es einmal ans Eingemachte, wir wollten die Kilometerzahl weiter nach oben schieben und liefen zu dritt eine 33km-Strecke, welche Matthias und mir schon einige Schmerzen abforderte. Uwe mit New York Marathon - Erfahrung motivierte uns jedoch durch ausgesprochenes Lob für’s durchhalten.

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„I am an Iron Man!“

…diesen Satz wollte ich sagen und ich hab´s getan – am 10.07., in Zürich, um genau 17.24 Uhr und 8 Sekunden!!!

In 10:24:08 h erreichte ich Platz 204 in der Gesamtwertung und einen 37. Platz in der Altersklasse, bei über 2.200 Startern aus 66 Nationen.

Zuerst - für alle Fans von nackten Zahlen - die Einzelzeiten:

Schwimmen: 01:09:03 AK 69 Gesamt 423
Wechsel 1: 00:01:49
Rad: 05:28:41 AK 43 Gesamt 231
Wechsel 2: 00:01:57
Laufen: 03:42:35 AK 49 Gesamt 297

Mit meinem letzten Bericht am 24. März kündigte ich an regelmäßig ein Update zum „Projekt Iron Man“ zu schicken. Das ist mir leider nicht gelungen – das Training hat mich doch zu sehr in Beschlag genommen ;o).
Jetzt, nach 3 Wochen schaffe ich es endlich, ein paar Zeilen zu einer Erfahrung niederzuschreiben, die schwer in Worte zu fassen ist. Eine Erfahrung, die man einfach mal selber gemacht haben muss…
In den nachfolgenden Zeilen möchte ich in komprimierter Form ein paar Eindrücke und Daten auf meinem Weg zum Iron Man niederschreiben.

Wer den letzten Bericht gelesen hat kann sich sicherlich erinnern, dass ich bis Ende 2011 noch nie einen Halbmarathon oder Marathon gelaufen war, auch die 3.8 km, war ich nie zuvor in meinem Leben geschwommen. Nur über 180 km hatte ich schon einmal auf einer Radtour geknackt. Alle drei Disziplinen zusammen schon gar nicht. In meinem 3. Triathlon-Jahr wagte ich mich also bereits an die Königsdisziplin. Seit Januar hatte ich dafür in etwa die nachfolgenden Trainingsumfänge absolviert:
Schwimmen: 140 km = 5-6 km/Woche
Radfahren: 4700 km = 192 km/Woche
Laufen: 1.250 km = 48 km/Woche

Das war natürlich nicht immer einfach und verlangte oftmals äußerste Disziplin. Um Zeit zu sparen und um vom Tag etwas zu erleben trainierte ich häufig früh am Morgen oder auch bis spät in den Abend hinein (5.00 Uhr die früheste Einheit, 23.30 beendete ich die späteste Einheit). Die Regel war das nicht, jedoch manchmal nicht anders machbar, da einige Einheiten bis zu 5 Stunden dauerten (Radausfahrten, Koppeleinheiten).
Das Training umfasste von 8–22 Stunden pro Woche alles, was mir im Nachhinein betrachtet gar nicht so KRASS vorkommt. Am härtesten empfand ich die progressiven Läufe (z.B. 2 h GA 1 Rad, gefolgt von einen 2.30 h Lauf GA1 mit den letzten 50 min im GA 2 Tempo, circa 30 km), oder auch die 10 x 1.000 m in 3:45 min.

Die Schwimmeinheiten absolvierte ich überwiegend im Schwimmbad mit Anleitung durch einen Schwimmtrainer. Wo ich im letzten Jahr noch wie eine bleierne Ente schwamm, sah dass in diesem Jahr schon weitaus besser aus (Danke Holger!!!). Ab Juni ging es dann auch ins freie Gewässer, wo ich hin und wieder auch zwischen 3,5 und 4 km am Stück schwamm.

Die Radausfahrten waren sicherlich immer relativ lang, aber stets sehr schön und abwechslungsreich – so fuhr ich Beispielsweise 220 km von Leipzig auf den Inselsberg im Thüringer Wald, machte den Muldentalkreis unsicher oder stattete im Taunus dem Feldberg einen Besuch ab.

Laufen gehört sicherlich auch nicht zu meinen Stärken, aber auch hier habe ich ordentlich Fortschritte gemacht. Den halben Marathon hatte ich (Grimma-Wurzen) in circa 1:30 h geschafft, was wohlgemerkt mein erster Halbmarathon war (im April).Im Mai sollte die Generalprobe folgen, der Leipzig Marathon. Und hier gab es auch einen ersten herben Rückschlag, was auch mit leichten Zweifeln für den Finish beim IM begleitet war. Nach nicht mal 1 km hatte ich stechende Schmerzen an beiden Oberschenkeln, und dass bei einem Tempo was weit unter Trainingstempo lag. Vermutlich hatte ich mich nicht ausreichend erwärmt und zog mir einen Muskelfaserriss mit Einblutungen zu. Künftig werde ich immer gleich mit dem Laufen aufhören. Der Ehrgeiz trug mich jedoch bis km 21.1 km – dann bin ich ausgestiegen, was mir nicht besonders leicht fiel. Der Arzt sprach dann von mindestens 2 Wochen Pause, was mir natürlich überhaupt nicht gefiel. So belass ich mich im Internet und holte Rat bei aktiven Sportlern. 1 Tag später befand ich mich schon wieder im Schwimmbad und nutzte den Pullboy um die Beine zu entlasten. Auf´s Rad traute ich mich ebenso, jedoch nur mit Bandage. Das Laufen jedoch verschob ich auf die kommende Woche. Sicherlich im Nachhinein betrachtet relativ risikoreich, doch das pokern hatte sich gelohnt, nach 2 Wochen konnte ich das Tempo wieder erhöhen.

Somit musste ich meine Marathon Qualitäten zum IM in Zürich unter Beweis stellen, was schon ein wenig beunruhigendes Gefühl war, da ich bis auf einen Teammarathon im Januar(Finisher mit über 5 h) keinen weiteren Marathon gelaufen bin. Das Gefühl jenseits der 30 km konnte ich quasi auch im Training nicht simulieren.

Die Vorbereitung wurde durch verschieden Wettkämpfe begleitet, wo ich auch die nötige Tempohärte erlangte. Die Rennen (bis auf den Marathon Leipzig) bestätigten immer wieder, dass sich das Training auszahlte und gab mir Sicherheit. So konnte ich für meine Verhältnisse bei verschiedenen Radrennen (Velothon Berlin, Schleizer Dreieck, RTF´s, Neuseenclassics), Laufwettbewerben (Stadtranglistenläufe, Halbmarathon Grimma-Wurzen) und Triathlon Wettkämpfen (Silberstrom Triathlon OD, Moritzburger Schlosstriathlon HD) ganz gute Ergebnisse erzielen.
Die letzten 6 Wochen vor dem Wettkampf habe ich mich dann nochmals in Form einer Leistungsdiagnostik durchleuchten lassen. Aufgrund dieser Daten bekam ich noch einen persönlichen Trainingsplan, der für den nötigen Feinschliff sorgte. Speziell diese letzten Wochen vor dem Wettkampf haben dafür gesorgt, dass ich auf den Punkt fit für den Wettkampf war (Danke Ben!).

Nun aber zum eigentlichen Wettkampf – dem IM Switzerland!

Donnerstagabend reiste ich mit meinen treuesten Fans ;o) (Anne und meine Ellies – Danke!!!) nach Zürich. Komischerweise hatte ich im Hüftbeuger leichte Schmerzen, was noch durch Strom, Massagen und Wärmegel behandelt wurde. Beim Training hatte ich nichts bemerkt, es war urplötzlich da. Circa 3 Tage hatte ich diese Symptome, die aber bis Tag X einfach weg waren. Vermutlich war ich vor dem Wettkampf einfach so angespannt (und verspannt ;o), dass ich einfach alles ganz intensiv wahr genommen habe. An dieser Stelle auch ein Dank an die Phsyiotherapie Lindner (Sonja und Katja), die einige Blessuren erfolgreich behandelt haben und die steinernen Muskeln wieder weich und geschmeidig bekamen.
Während der Fahrt stopfte ich weiterhin Nudeln in mich rein. Carboloading war angesagt – die Kohlenhydratspeicher füllen!!!Da die Hotels utopische Preise verlangten haben wir auf einem idyllischen Zeltplatz in der Nähe von Zürich übernachtet. Am Freitag fuhren wir dann zum ersten Mal zum Wettkampfgelände (Landiwiese). Hier nahm ich an der Wettkampfbesprechung teil und informierte mich über das Reglement. Einige Dinge galt es zu beachten um nicht etwa eine gelbe oder gar rote Karte zu bekommen und somit für den Wettkampf disqualifiziert zu werden.
So langsam stieg natürlich auch die Aufregung. Viele Sportler waren bereits da und tummelten sich auf dem Gelände.

Heute galt es auch noch einmal kurz das Wettkampfgewässer auszutesten. So schwamm ich circa 30 min im Züricher See und es fühlte sich gut an. Endlich mal wieder Wasser wo man etwas sieht. Drei von den 8 teilnehmenden Japanern habe ich im Wasser getroffen ;o).
Am Abend gab’s natürlich weiterhin zahlreiche Kohlenhydrate...

Am Samstagmorgen, dann das Abschlusstraining, die Muskeln kurz antippen und das Material ein letztes Mal testen (35 min Rad, incl. 7 min WK-Tempo und 25 min Lauf incl. 5 min WK Tempo). Alles fühlte sich gut an und das Fahrrad konnte noch einem letzten Technikcheck verladen werden.
Beim Fahrrad-Check in war ich fast der Einzige mit einem einfachen Rennrad und Zeitfahraufssatz - die meisten Athleten traten mit den krassesten Zeitfahrmaschinen an. Ein Wahnsinn welche Gelder dort über den Platz geschoben wurden. Ob ich mit solch einem Rad noch ein paar Minuten rausholen könnte?
Nun war alles vorbereitet, noch einmal schlafen und es war soweit, kein Zurück mehr…

Am Abend wurden alle Sachen zusammengesucht und die Wettkampfnahrung zurecht gelegt. Leider schaffte ich es nicht zeitiger ins Bett als 23.00 Uhr und schon 4.15 Uhr klingelte der Wecker. Der Ernährungsplan sah Folgendes vor: vorm Start ein Riegel, während des Radfahrens alle 20 Minuten ein Gel und circa 4 l trinken, dazu zwei Riegel. Beim Laufen langsam auf Cola umsteigen um schnelle Energie zur Verfügung zu stellen. Gels je nach Bedarf weiter nachschieben. Soweit die Theorie…
Der Wecker klingelt 4:15 Uhr. Schnelle Katzenwäsche und ran an den Frühstückstisch. Es gab weiße Brötchen mit reichlich Honig und Marmelade. Bis zum Wettkampf trank ich weiter isotonische Getränke.

Eine Stunde vor dem Wettkampf begebe ich mich in die Wechselzone und bereite alles akribisch vor, gehe die Wechsel noch einmal im Kopf durch. Ich entschied mich für meine alten Radschuhe und gegen die Wettkampf Laufschuhe. Ich wollte hier kein Risiko eingehen, etwa ein Drücken verhindern und setzte auf mehr Dämpfung. Sicherlich hatte ich hier ein paar Sekunden eingebüßt, doch besser als mit irgendwelchen Blessuren zu kämpfen.
Das Melkfett an allen Reibepunkten durfte natürlich nicht fehlen. Die Verpflegungstasche war angebracht, die Radtaschen gefüllt. Alle Klamotten vorsorglich bereit gelegt. Ich hatte das Glück einer sehr übersichtlichen Zone mein Rad stehen zu haben. Bei 2200 Fahrrädern verliert man doch ab und zu den Überblick.

Dann ging’s auch schon rein in den Neoprenanzug. Vorher nochmal obligatorisch auf die Toilette, schnell ein Kussi abgeholt und mir über die Schulter spucken lassen. Dann ging’s auch schon zum Schwimmstart. Die Sonne war gerade aufgegangen, leichte Nebelschwaden bewegten sich über den See, eine aufregende Atmosphäre. Zunächst sprangen die Profis ins Wasser, die natürlich jede Menge Platz zum Schwimmen hatten.

Dann kommt der Massenstart. Ich platziere mich relativ mittig in der zweiten Reihe. Auf das „Gekloppe“ bei den ersten paar 100 Metern habe ich mich versucht einzustellen. Alle klatschen im Rhythmus in die Hände, bereit für die Königsdisziplin des Triathlons.
Dann fällt der Startschuss - es geht los. Auf den ersten 100 m muss ich gleich 2-mal meine Schwimmbrille wieder gerade rücken. Das Öfteren schwimmt mir jemand direkt auf die Beine, die bekomme ich kaum wieder hoch. Sicht nach vorne zur ersten Boje – Fehlanzeige. In meinen Rhythmus finde ich erst nach circa 1.000 m. Die gesamte Zeit bin ich quasi „blind“ geschwommen. Ich habe immer nur geschaut, dass jemand links und rechts neben mir war. Ob ich große Umwege geschwommen bin kann ich gar nicht sagen.

Circa bei der Hälfte der Strecke musste man circa 40 m über eine Insel laufen. Links und rechts ein wahnsinniger Fanauflauf. Auch meine Leute habe ich erspäht, ich wurde jedoch nicht erkannt, im Neo sieht eben doch jeder gleich aus ;o). Die zweite Runde lief dann viel besser, ich hatte Platz und konnte meinen Rhythmus abspulen. Bis an die Grenze ging ich nicht, immer hatte ich im Hinterkopf was mir noch bevor stand.
Bei 01:09:03 h steige ich aus dem Wasser. Eine Minute schneller als meine Zielzeit. Der Wechsel erfolgt problemlos und ich begebe mich auf die Radstrecke.

altBei den ersten 28 km, die überwiegend flach entlang des Ufers vom Züricher See verlaufen kann ich einige Radler einholen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bewegte sich bis dato bei circa 38 km/h. Acht gab ich vor allem auf die Abstände zum Vordermann um keine Karte zu kassieren. Es herrscht Windschattenverbot, 10 m vor und hinter einem Sportler muss Platz sein, der Überholvorgang in 30 Sekunden abgeschlossen sein.
Ab km 29 geht es die ersten Hügel hinauf. Dann der erste Schreck, 50 m vor mir kassiert ein Slowake die rote Karte (sofortige Disqualifikation). Er ist über die gestrichelte Linie bei dem Überhohlvorgang gefahren. Komischerweise wurde bei der Besprechung etwas von den durchgezogenen Linien gesagt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl würde man sich hier von den Wettkampfrichtern schon wünschen. Von nun an achtete ich noch akribischer auf die Regeln. So konnte man z.B. den produzierten Müll nur 50 m vor unter hinter den Verpflegungsposten entsorgen.

Die Nahrungsaufnahme funktionierte bisher nach Plan. Ich versuchte nicht zu überziehen und mich im Pulsbereich von 147 zu bewegen. Bis km 60 dachte ich mir, dass die 650 Höhenmeter nun rum sein sollten. Ich wurde vom Gegenteil belehrt. „The Beast“ stand mir noch bevor. Circa 3 km 12-14%, eine gefühlt nie aufhörende Rampe. Geschwindigkeiten von 13-15 km/h waren hier maximal möglich. Und das war nicht der letzte Anstieg. Weitere 5 km Anstieg, weniger Steil, aber stetig folgten keine 10 km später. Erst dann konnte man mit Geschwindigkeiten über 60km/h ins Tal rauschen.

In Zürich galt es dann noch den Heartbreak Hill zu überwinden. Circa 14% und eine Atmosphäre wie bei der Tour de France – durch einen Schlauch von Zuschauern wird man den Berg hochgetrieben.
An Der Bergkuppe, dann die Übergabe meiner persönlichen Verpflegung durch meine professionellen Helfer (Anne, Sonja und Ulli). Bei Puls jenseits der 150 leider die volle Flasche abgegeben und die leere am Rad behalten. Genügend Gels konnte ich hingegen greifen. Dann ging’s wieder hinunter und auf die zweite Runde.
Nun kristallisierten sich kleinere Grüppchen heraus, die sich immer wieder gegenseitig überholten und so das Tempo relativ hoch hielten. Ich achtete weiter akribisch darauf nicht zu überpacen um einen unnötigen Kräfteverlust zu erleiden. Die Berge versuchte ich wie eine Nähmachine hochzufahren und nicht aus dem Sattel zu gehen, kleine Gänge mit mehr Umdrehungen (a la Jan Ullrich Manier @ Bastschupp vielen Dank für den Tipp und die geile Radeinheit im Hausflur ;o).

Die zweite Runde am „Beast“ war schon sehr hart – doch man konnte es an den Gesichtern der anderen Athleten ablesen, diese Rampe fiel keinem wirklich leicht. Bei Kilometer 147 hatte ich einen ersten Krampf im vorderen Oberschenkelmuskel. In so einer Situation bist Du natürlich erst mal kurz geschockt. Aus dem nichts verkrampfen sich die Muskeln. Ich nahm kurz das Tempo raus und ging in den Wiegetritt, versuchte den Krampf kurz rauszudehnen. Dies gelang mir dann auch und ich konnte den Rhythmus wieder aufnehmen.
Kurz vorm Heartbreak Hill meldete sich dann der Krampf zurück, den ich aber erneut rausbekam. Eine Ursache dafür könnte gewesen sein, dass ich zu wenig getrunken habe. Nach 05:28:41 h erreiche ich den Wechselgarten, was in etwa einem 34er Schnitt entsprach. Eine wirklich anspruchsvolle Radstrecke. Ein höheres Tempo wäre vielleicht möglich gewesen, jedoch wäre das wahrscheinlich mit einem Einbruch auf der Laufstrecke verbunden gewesen.

Motiviert hat es mich auf der Radstrecke vor allem die Athleten mit Zeitfahrmachinen zu überholen. In der Disziplin „einfacher Rennradfahrer“ bin ich sicherlich unter den ersten gewesen ;o)
Der Wechsel verläuft reibungslos und ich kann mich auf die Laufstrecke begeben. Nun musste ich auch dringend auf die Toilette, hatte schon richtig Bachschmerzen. Die ersten beiden Möglichkeiten waren leider besetzt. Dann endlich ein Pissoir. Kopf angelehnt und 50 Sec laufen lassen, eine herrliche Pause!!! Und nun gings „entspannt“ weiter.
Den Ernährungsplan hielt ich dann schon nicht mehr so richtig ein. Nachdem ich auf dem Rad anscheint schon zu wenig getrunken hatte und das eine oder andere Gel vernachlässigt habe, verköstigte ich mich nun an den Verpflegungsständen. Aus sportlicher Sicht, hätte ich sicherlich den Ernährungsplan durchziehen müssen (Gels beim Laufen, Cola und Wasser).
Doch irgendwie bestand mein Kopf und Körper auf „Belohnungen“. So gab es an fast jedem Verpflegungsstand Orange, Aprikose, Cola, einen kalten Schwamm oder ein kleines Stück Banane. Das trieb mich dann immer wieder zum nächsten Verpflegungsstand, die ich alle zügig durchlaufen bin, ohne wirklich anzuhalten. Einige Läufer konnte ich einholen, aber auch ich wurde hier und da von einem stärkeren Läufer geschluckt. An die vorgegebenen Laufzeiten hielt ich mich nun nicht mehr. Auch hier sagte mein Kopf irgendwie „Lauf, so wie es Dir Spaß macht, tu nicht überpacen, Du willst das Ding finishen“. Eigentlich war ich froh als nach circa 20 km meine Uhr ausfiel, ich konnte mich ganz auf mein Gefühl konzentrieren. Es war wie eine Befreiung die Uhr und den Brustgurt an meine Betreuer abzugeben. Oft dachte ich während des Laufens an meine zurückgelegten Laufkilometer in den letzten 6 Monaten. Ich versuchte es nicht zuzulassen, das mein Körper bis km 30 „Bedenken“ anmeldet. Zu oft bin ich diese Distanz ohne Probleme gelaufen. Und doch war es bei circa 25 km soweit, dass ich so langsam an meine Grenzen stieß. Die Beine wollten mich nicht mehr schneller laufen lassen, aber irgendwie liefen sie trotzdem einfach weiter so vor sich hin. Eine Erfrischung brachte ein Gewitterregen. Als die Sonne dann wieder rauskam, hatte ich kurz mit der Wärme zu kämpfen. Der Streckverlauf war sehr verschlungen, was jedoch zuließ, dass ich meine Fans regelmäßig sah. Es ist super und sehr motivierend Deine Unterstützer an der Seitenlinie zu haben.

Kleinste Anstiege fühlten sich nun bereits irrsinnig anstrengend an (10 m Anstiege). Motivierend waren auch die Armbänder, die man für jede absolvierte Runde erhielt. Als ich mir das blaue Band für die letzte Runde überstreifte, glaubte ich fest daran, zu finishen.
Doch es war nicht so, dass ich nur durch pure Euphorie ins Ziel geflogen bin. Jeder Meter musste hart erkämpft werden und ich lief weiter von Verpflegungsstand zu Verpflegungsstand. Insgesamt hatte ich bis dato sicherlich fast 3 Liter Cola in mich eingeschüttet.
In der letzten Runde musste ich dann noch 2 mal anhalten um sich ankündigende Krämpfe in Waden und hinteren Oberschenkelmuskeln vorzubeugen – ich dehne also kurz durch. Selbst die letzten 2 km fielen mir schwer und erschienen mir wie 4 km. Ich denke an die absolvierten Trainingskilometer zurück und mir fällt eine Last von den Schultern als ich den Zielbereich sehe. Beim Einlaufen spüre ich nur noch Freude, meine Fans (auch Gurke und Franzi waren nun da) stehen an der Seitenlinie, ich sehe meine nicht zu träumen gewagte Zielzeit vor mir und fliege nun doch die letzten Meter ins Ziel.

Geschafft – „I am an Iron Man!“

Wie soll ich meine Gefühle beschreiben??? Ich versuche es gar nicht erst, fragt die Träne die mir über die Wange lief…
Werde ich noch einen Ironman machen??? Nächstes Jahr sicher nicht, Nachwuchs steht ins Haus! Das schließt aber nicht aus, dass mich das Fieber irgendwann noch einmal packt.

Viele Grüße
Faber

Vätternrundan 2011...

... oder: Der grauen Wolf in Schweden

Meine persönliche Vätternrundan-Geschichte begann im Frühsommer 2006.
Ich lümmelte auf dem Sofa herum und zappte mich teilnahmslos durch die Kanäle.
Beim MDR blieb ich hängen, die Landschaft kam mir bekannt vor, Schweden, ja genau, der Vättern. Aha, da sind welche, die fahren dort Fahrrad. Wie jetzt, die fahren rundherum? In einem Stück? Das ist aber weit! 300km? Insgesamt 17000 Leute? Unglaublich. Mein Interesse war geweckt, das musste ich ausprobieren. Aber allein wollte ich nicht, ich musste einen Begleiter finden, der verrückt war und dennoch zuverlässig. Mir fiel nur einer ein, mein alter Freund Mabo. Ich rief ihn sofort an und schilderte den Plan. Er googelte ein paar Tage herum und las alles Mögliche im Web, dann sagte er zu.

Wir meldeten uns an, trainierten zusammen und bereiteten uns darauf vor, mit unseren Trekkingrädern am Stück die 300km abzuspulen. Aus unserem Freundeskreis schlug uns die geballte Skepsis entgegen. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass es ganz und gar unmöglich sei, 300km am Stück zu radeln, insbesondere im Hinblick auf unsere Korpulenz und so weiter und so weiter …
Natürlich schafften wir die Strecke. Danach tranken wir ein Bierchen, gingen duschen und kehrten zurück an den Biertisch. Noch während des zweiten Bierchens riefen wir unsere Freunde Karin und Alwin, zwei begnadete Radler aus dem Frankenwald an. Diese hatten sich durch besondere Skepsis hervorgetan (das ist wohl den Streckenprofilen im Frankenwald geschuldet, mehr als 200km kann man sich dort einfach nicht vorstellen) und brannten nun darauf, ebenfalls die Vätternrundan zu fahren. Mein Freund Mabo schlug spontan das Jahr 2011 vor, alle waren einverstanden, so nahm die Geschichte ihren Lauf.

Zunächst stand der Erwerb eines Rennrades auf dem Plan. Kaum hatte ich dies erledigt, brach der Winter 2010/2011 über Deutschland herein und das Rennrad musste im Keller auf bessere Zeiten warten. Diese brachen im März 2011 an. Von nun an trainierte ich regelmäßig. Das anfänglich unsichere Gefühl auf dem neuen Gefährt wich bald einem gewissen Enthusiasmus. Nach ungefähr 500km konnte ich mir nichts anderes mehr vorstellen. Weiterhin trat ich auf Empfehlung meines alten Schulkameraden Matscher dem Hallzig-Express bei und machte bei der einen oder anderen RTF mit. So kamen bis Juni 2011 1900km Rennradkilometer zusammen, das dürfte als Training genügen.

Der Tag aller Tage rückt näher. Am frühen Morgen des 16. Juni beginnen Mabo und ich die Räder aufs Auto zu packen und den Wohnwagen zu bestücken. Gegen 8.00Uhr stoßen Karin und Alwin dazu, sie haben ein wichtiges Utensil (fränkisches Bier) im Gepäck. Wir packen auch deren Sachen ein, trinken noch einen Kaffee und fahren Richtung Rostock. Alles läuft wie ein Länderspiel, ganz entspannt erreichen wir die 15.00-Fähre nach Gedser. Von dort durchqueren wir Dänemark und kommen ca. 20.00Uhr in Helsingborg auf schwedischem Boden an. Ein Stück fahren wir noch, dann machen wir Quartier auf einem Campingplatz in Ljungby.

Nachts wird jeder von uns mehrmals wach. Regen trommelt auf das Wohnwagendach. Na Mahlzeit, wer soll denn bei solchem Wetter Rad fahren? Am Morgen ist der ganze Himmel grau und wolkenverhangen. Nicht gerade einladend, aber der Termin steht fest, heute Abend um 21.14Uhr sind wir dran, ob es nun regnet oder nicht.
Nach einem ordentlichen Frühstück geht die Reise weiter, 230km trennen uns noch von Motala. Kaum sitzen wir im Auto, fängt es wieder an zu regnen. Die Stimmung ist von dem Regen doch etwas gedrückt, da bringt Mabo den Spruch der Woche: „Ruhe und Besonnenheit sind in Schweden erste Bürgerpflicht. Wir müssen nur besonnen auf besseres Wetter warten, dann wird alles gut.“ Das ist natürlich totaler Blödsinn, doch Mabo soll am Ende rechtbehalten.

In Motala angekommen, richten wir uns auf dem Fußballplatz in Staffanstorp ein und fahren mit einer der kostenlosen Buslinien in die Innenstadt. Dort gibt’s die Startunterlagen und ein gewaltiges Shoppingzelt mit Radklamotten, Sportnahrung und Souvenirs. Danach lassen wir uns in einem der Straßenlokale eine Portion Pasta schmecken. Das Wetter ist inzwischen ganz manierlich. Unsere Hoffnung steigt. Am Nachmittag noch ein Nickerchen (Power-Napping), dann gibt’s ein Käffchen und ein wenig Gebäck.
Um 18.00Uhr zeigt der schwedische Himmel nochmal, was er kann. Es gibt einen Regenguss, mit dem man deutsche Abwassersysteme auf ihre Leistungsfähigkeit überprüfen könnte. Wir ziehen uns unter das Regendach vor dem Wohnwagen zurück, erinnern uns an die erste schwedische Bürgerpflicht und bereiten noch eine kleine Brotzeit vor. Um 19.00Uhr sieht der Himmel wieder aus wie neu, eben himmelblau. Geht doch! Die Brotzeit kann im Freien stattfinden.

Gegen 20.00 Uhr setzen wir uns auf die Räder und rollen Richtung Stadtzentrum. Überall finden Partys statt. Auf jedem Stück Wiese stehen Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile. Im Stadtzentrum ist alles auf den Beinen. Anscheinend macht jeder hier irgendwie mit bei der Vätternrundan 2011 mitzumachen, ob als Teilnehmer, Helfer, Partygast oder Gastgeber. Im Startbereich sieht man die verschiedensten Dinge. High-End-Carbonräder, Fixies, Mountainbikes vom Baumarkt und Hausfrauenräder mit Nabenschaltung und rehbraunen Ketten. Kaum zu glauben, dass alle dieselbe Radtour fahren wollen.

Pünktlich um 21.14 starten wir aus der mittleren der 3 Startboxen. Zwei Jungs vom ortsansässigen Motorradklub führen uns auf ihren fetten Harleys bis zum Ortsausgang. Dann zerstreut sich unsere Gruppe. Die Carbonsauser ziehen davon, die rehbraunen Ketten bleiben zurück. Die Sonne ist zwar noch draußen, hat aber keine Kraft mehr. Der Wind hat dafür jede Menge Kraft und kommt schräg von vorn (aus zwo Uhr wie der Panzerschütze sagt). Es ist kalt, aber glücklicherweise trocken. Überall sitzen Leute am Straßenrand und feuern die Fahrer an. Ein beinhartes Volk, diese Schweden, wir frieren beim Radfahren, und die sitzen hier und trinken kaltes Bier. Ein gut bezechter Schwede am Straßenrand bietet uns „Whisky to go“ an. Wir schlagen seine Offerte aus, der Weg ist noch weit.
Am ersten Depot in Hästholmen ist es fast dunkel. Wir trinken einen Kaffee und essen so ein Milchbrötchen. Der Geschmack der Milchbrötchen ist gewöhnungsbedürftig. 2007 gab es allerdings eine Sorte, die richtig eklig war. Um nicht auszukühlen, setzen wir uns wieder in Bewegung und strampeln gegen den Wind an. Irgendwann kommt eine Gruppe vorbei, an die wir uns dranhängen. So mogeln wir uns bis zum Depot Gränna durch. Dort stärken wir uns erneut. Danach wird die Strecke sehr hügelig. Der Gegenwind ist immer noch da. Die Temperaturanzeige am Tacho zeigt 10°, es fühlt sich aber eher an wie 3°. Ich gratuliere mir zu der Entscheidung, die Wintersachen anzuziehen. Der Gegenwind, die Hügel, die Kälte, all das saugt einem die Kraft aus dem Körper und es ist noch nicht mal ein Drittel der Strecke geschafft. Irgendwo bei Kilometer 100 bittet Karin um ein langsameres Marschtempo. Sie hat mehr gepowert, als gut für sie ist. Wir fahren an einer Bushaltestelle vorbei, in der ein Radler schläft. Sein teures Rad steht angelehnt am Bushäuschen, keiner wird es stehlen, das ist sicher bei der Vätternrundan. Träume süß und erkälte Dich nicht in Deinem dünnen Trikot. Die letzte Steigung vor dem Frühstück ist die Wand von Kaxholmen, ich hatte sie in schlimmer Erinnerung, aber heute ging es irgendwie ganz leicht. Oben begegnet uns ein Veteran mit einer goldenen Startnummer. Der Mann ist Deutscher und fährt seine 27. Vätternrundan. Wir sehen uns sein steinaltes Crescent-Rennrad mit Reibungsschaltung an und fragen ihn, ob er alle 27 Runden mit dem historischen Rad gedreht hätte. Nein sagt er, das hätte er erst nach seiner 2. Vätternrundan für 2000 Kronen (220€) gekauft, das wäre damals eine Stange Geld gewesen. Ich glaube, das Fahrrad war sein Geld wert. Der Mann wird reichlich 24 Stunden brauchen, um ins Ziel zu kommen, Chapeau Monsieur!

Nach unserer Begegnung mit einem Stück Geschichte dieser Radsportveranstaltung rollen wir bergab durch Husqvarna und Jönköping zum Frühstück. Es gibt glühenden Kartoffelbrei und Köttbullar (schwedische Fleischbällchen). Das Wichtigste ist, wir sind drinnen und es ist warm. Um den Geschmack der Speise aufzupeppen, haben wir unsere Wunderwaffe dabei, eine Tube Bautzener Senf. Wir besinnen uns auf die schwedische Ruhe und Besonnenheit und lassen die Pause etwas üppiger ausfallen. Endlich wird uns warm. Leider kommt nun das Sandmännchen mit aller Macht über uns, so gehen wir wieder nach draußen. Dort fällt mir ein vorbeifahrendes schneeweißes Bullitt auf, ich muss an Long Harry denken, dem wäre das Herz aufgegangen.

Endlich nach ca. 110km haben wir Rückenwind. Doch zuerst gibt es mal ein paar schöne Anstiege. Dann kommt irgendwann die Sonne raus, nicht das es gewärmt hätte, aber fürs Gemüt ist es super. Das Depot Fagerhult ist wenig einladend, wir trinken trotzdem jeder ein paar Kaffee um dem Sandmännchen beizukommen. Auf der Wiese sitzt einer, er hat sein Skelett irgendwie eingerastet und schläft in der Morgensonne. Weiter geht die Reise zum Depot Hjo. Dies ist ein malerischer Ort mir einem kleinem Hafen und einem Kurpark. Normalerweise ist hier himmlische Ruhe. Zur Vätternrundan steht der Ort in Flammen. Im Kurpark stehen Dixis und überall liegen Fahrräder herum. Es gibt Lasagne (lecker) und Salate, Knäckebrot und vieles mehr. Wir lassen uns am Hafen nieder und gönnen uns ein wenig Ruhe. Außerdem ist es jetzt so warm, dass ich mich von Winterhose und Jacke trennen kann. Nach ungefähr 1,5 Stunden Pause fahren wir weiter.

Weiter geht’s Richtung Norden. Die Sonne wärmt und wir freuen uns über unser Glück mit dem Wetter. Der Streckenabschnitt ist ein wenig hügelig, aber nicht besonders anspruchsvoll. Die ersten Zuschauer sitzen wieder am Straßenrand und feuern uns an. Das nächste Depot befindet sich an der Festung Karlsborg. Dort finden wir einen Weg, die Milchbrötchen zu essen, man muss sie in die ebenfalls angebotene heiße Blaubeersuppe ditschen, so sind sie Dinger lecker und jeder isst ein paar davon. Wir wollen gerade aufbrechen, da springt mich jemand von hinten an. Bluely und Bindi-Lindi haben uns eingeholt. Es kommt zu Verbrüderungsszenen und ich bin so überrascht, dass ich vergesse ein Foto zu machen (Bindi-Lindi hat welche gemacht). Sensationell, in so einer Hammelherde Clubkameraden zu treffen. Wir halten noch einen kleinen Schwatz ab, dann geht’s weiter. Am Ortsausgang Karlsborg kommen wir am Schild mit der Aufschrift 90km vorbei, ein innerer Parteitag, ab jetzt sind die Kilometerangaben zweistellig. 90km, sowas fahren wir doch sonst immer zum Spaß. Aber wir haben auch schon 210km in den Knochen, die Hälfte davon gegen den Wind, bei aller Besonnenheit und den doch sehr großzügigen Pausen ist der Körper trotzdem ganz schön ausgelaugt. Die Schulterpartie ist verspannt, das Gesäß will nicht mehr so richtig und die Oberschenkel sind knüppelhart. Wer aber zwei Drittel geschafft hat, der gibt nicht mehr auf. Das sagt die Vätternrundan-Statistik und wir reichen diese wichtige Information an unseren inneren Schweinehund und das Sandmännchen weiter.
Auch die knallharten Profis haben nach einer solchen Distanz anscheinend ihre Mühe. Akkurate Formationen in Teamtrikots überholen uns, nach ein paar Kilometern sehen wir sie am Weg sitzen und pausieren, nach 20 Minuten ziehen sie wieder an uns vorbei.
Im Depot Boviken halten wir uns nur kurz auf, Bluely und Bindi-Lindi holen uns erneut ein. Dann geht’s weiter zur Nordspitze des Vättern nach Hammarsundet. Auf dem Weg dahin kommen wir an einem Haus vorbei, deren Besitzer Schokobällchen für die Vätternrundan-Teilnehmer gemacht haben. Wir einfach fahren daran vorbei, 100m später schäme ich mich dafür. Falls ich mal wieder Vätternrundan fahre, werde ich dort anhalten und mindestens drei Schokobällchen essen.
Vor dem Depot Hammarsundet liegt die (relativ) neue Straßenbrücke. Von dort hat man einen tollen Ausblick auf den nördlichen Vättern. Man möchte mit dem Boot weiterreisen. Dann erreichen wir das Depot, im wirklichen Leben ein Auto-Rastplatz. Wir essen noch eine Kleinigkeit, irgendwie hängt einem der ganze süße Kram zum Halse heraus. Karin lässt sich die Schultern massieren, das kostet nichts und dauert 20 Minuten (Respekt). Bluely und Bindi-Lindi holen uns schon wieder ein, fahren aber schnell weiter. Wir machen eine größere Pause und begeben uns dann auf den letzten Streckenabschnitt.

Zunächst erwarten uns ein paar schöne Hügel. Wie zum Hohn stehen Sraßenschilder am Wegesrand mit falschen Entfernungsangaben nach Motala. Wir müssen doch noch ein paar Nebenstraßen durch den Wald langfahren, um die 300km vollzumachen. Diese Nebenstraßen sind nur ein paar Meter breit und deshalb gut gefüllt mit Radfahrern aller Coleur. Rennräder neuester Bauart, alte Stahlrenner, und die Fraktion mit dem Einkaufskörbchen teilen sich die Piste. Niemand drängelt, niemand meckert, alle wollen nur noch ins Ziel. Das Depot Medevi beachten wir kaum. Unser Bedarf an Milchbrötchen ist für dieses Jahr gedeckt. In Motala liegen unsere Bratwürste im Kühlschrank und dazu fränkisches Bier. Ungefähr bei Kilometer 285 beginnt es zu regnen, es ist kein schlimmer Regen, es sprüht nur so ein wenig, wir wissen, was der schwedische Himmel kann und machen uns nichts draus. Jetzt überholen uns in kurzem Abstand nacheinander 2 Formationen mit wirklichen Radfahrern. Trotz der Enge und der nassen Straße gibt es von hinten zwei drei kurze Schreie, dann zischen die Jungs in einheitlichen Trikots mit 40 oder mehr an uns vorbei. Die 2. Formation trägt grüne Trikots mit der Aufschrift Sub7, ich unterstelle mal, die fahren die 300km unter 7 Stunden. Das ist nichts, über was ich mir Gedanken machen möchte.

Endlich biegen wir wieder auf die Fernverkehrsstraße ein, Motala kommt in Sicht. Der Gegenwind vom vergangenen Abend ist lang vergessen. Wir sehen einen der Sub7-Jungs wieder. An einer Einengung ist er gestürzt, flucht und hält sich das Schlüsselbein. Sein Carbonrad liegt zerstückelt im Graben. Die Zuschauer helfen Ihm auf, er hat unser Mitgefühl für sein Missgeschick, nur 2km vor dem Ziel.
Im Zieleinlauf stehen die Zuschauer dicht gedrängt und feuern die einlaufenden Radfahrer an. Zeitnahme, Transponder abgeben, Zielfoto alles das geht ganz schnell. Wir gehen noch ein Stück weiter und treffen zu unserer Überraschung die Bluelys und Bindi-Lindi wieder. Auch sie haben einen sauberen Zieleinlauf hingelegt und waren ca. 3 Stunden schneller als wir.
Zunächst holen wir die Diplome ab, der Mann hinter dem Tresen schaut mich mitleidig an und sagt „nineteen and a half hours“. „Yes“, antworte ich ihm und das soll heißen „Bist Du jemals mitgefahren, Du Schreibtischtäter?“. Bluely und ich müssen nochmal zur Zederlundschule, dort liegen unsere abgegebenen Sachen, fein nach Startnummern sortiert. Oh meine Winterhose, ohne Dich wäre ich erfroren. Dann verabschieden wir uns, die Bluely-Truppe will am nächsten Tag beizeiten aufbrechen, wir machen noch einen auf Tourismus.

Der Abend wird noch sehr gesellig, wir erlaben uns an Bratwürsten und Bier und schaffen es, bis 22.00Uhr aufzubleiben, naja ein paarmal sind mir die Augen zugefallen. Dann schlafen wir wie tot. Am nächsten Tag regnet es wieder und wir ziehen weiter. Da man auf der Vätternrundan den See doch recht selten sieht, suchen wir uns einen Campingplatz mit Seeblick.

Am folgenden Tag setzen wir uns tatsächlich wieder auf die Räder und besichtigen Gränna (sehr schön) und die im Vättern befindliche Insel Visingsö (noch schöner, sieht aus wie eine riesige schwedische Kitschpostkarte). Dabei kommen 50km zusammen, alles ist gut, nur Gesäß und Schultern melden sich ein klein wenig zu Wort.
Dann steht auch für uns die Heimreise an, wir ergattern für die letzte Nacht einen herrlichen Stellplatz auf dem dänischen Rastplatz Farø, erreichen am folgenden Tag ganz entspannt die 9.00Uhr-Fähre in Gedser und fahren unter Beachtung der schwedischen Bürgerpflichten nach Hause.

Zu loben ist das Organisationsteam der Vätternrundan. Alles läuft wie am Schürchen, ohne dass auch nur die geringste Hektik entsteht. Alle haben Spaß an der Sache, jeder ist hilfsbereit. Nur manchmal wünscht man sich eine schöne fettige Rostbratwurst oder eine Fettbemme, naja man kann in Schweden keine typisch deutschen Nahrungsmittel erwarten. Die Schweden scheinen halt süße Milchbrötchen zu mögen.

Wir hatten für die Vätternrundan 2011 gemeinsame Ziele, diese waren:
- zu viert starten
- zu viert ankommen
- danach noch vier Freunde sein
diese Ziele wurden erreicht, eine Rekordzeit wollten wir nicht erreichen.

Für uns war es ein tolles Erlebnis, eine Nachahmung können wir ausdrücklich empfehlen.
Ich habe beim Hallzig Express noch keinen mitfahren sehen, dem ich die Vätternrundan nicht zutrauen würde … nur Mut Leute, die Anmeldung für 2012 startet im September.


AUPOE 2011 - Von Aue zur Insel Poel 21.05.2011

Als Erstes ein großes Lob an die Super Organisation!

altTreffen zur 3. Aupoe war Samstag 4.30 Uhr in Aue am Radhaus. Die Ortsansässigen hatten Ihr Gepäck für die Übernachtung schon vorher deponiert, welches mit dem 1. Bus schon zur Jugendherberge in Wismar gebracht wurde. Die persönlichen Sachen zum Wechseln für unterwegs wurden in den 2. und 3. Bus geladen, die die Tour als Küchen-, Transport- und Servicefahrzeug begleiteten. Die Flaschen wurden gefüllt, die Trikottaschen mit Kohlehydrate vollgestopft und letzte organisatorische Sachen geklärt.

Die harten Fakten sahen so aus:
Länge ca. 500km
Mitfahrer 14 Männer und 2 Frauen
Angestrebte Geschwindigkeit: 30-31km/h
Etappen 5x 100km mit 4 x 20-minütigen Pausen
Das persönliche Ziel hieß: „Ankommen!“

Punkt 5.00 Uhr ging die Tour mit der Eröffnung des Bürgermeisters von Aue los. Ca 10°C, trocken, kein Wind und heller wurde es auch langsam, sodass wir kein Licht am Rad brauchten. Am Anfang waren noch etliche Steigungen zu überwinden, weswegen von den 16 Radlern 3 erst mal im Auto blieben.

Die Tour führte dann über Lichtenstein, Waldenburg, am Flugplatz Nobitz vorbei nach Altmörbitz dann bis Frohburg die B95, von dort über Bad Lausig nach Pomßen, wo die erste Raststelle war. Bis dahin hatten wir einen Schnitt von 32 km/h. Die Verpflegung war absolut super. Es gab Wasser, verschiedene Säfte, Cola, Malzbier, Kaffee und Tee. Beim Essen sah es noch besser aus: von Kartoffelsuppe mit Wiener über Nudelsuppe, belegte Brote mit Käse, Wurst und Nutella bis hin zum Kuchen und Obst war alles da! Ab hier fuhr dann auch unser ältester Teilnehmer (Ü 60) mit.

altNach der geplanten 20-minütigen Pause ging es bei einsetzendem Nieselregen pünktlich weiter über Klinga und Machern. Nachdem wir bis Eilenburg alle durchgeweicht waren, hörte es auf zu regnen, was aber immer nur die ersten beiden genießen konnten, da keiner sozialverträgliche Schutzbleche am Rad hatte. Von dort ging es die B107 über Bad Düben, die immer trockener wurde, bis Oranienbaum. Irgendwo auf dieser Strecke verlor unser Ü 60 eine Schraube von der Spannrolle der Schaltung, weswegen er wieder in den Bus musste.

Von dort aus ging es zur Fähre nach Coswig, wo wir nach dem Übersetzen die 2. Rast einlegten. Hier wurde auch das Problem mit der fehlenden Schraube improvisierend gelöst. Nach der Pause fuhren dann auch unsere 2 Damen mit und das Feld war komplett. Nachdem wir mit vollem Magen die unmerkliche Steigung nach Coswig hinter uns hatten konnten wir den Schnitt schnell wieder auf 32 km/h bringen und rollten nun im Flachland bei bestem Fahrradwetter und leichtem Rück- und Seitenwind die B 107 bis Jerichow zum 3. Rastplatz mit einem 33er Schnitt. Allerdings brachen da immer wieder Fahrer hinten herraus und wir mussten vorne das Tempo rausnehmen.

Nachdem wir uns wieder die Bäuche gefüllt hatten zog es die ältere der beiden Damen vor, sich wieder in den Bus zurückzuziehen. Von dort ging es dann über Hafelberg zur B 5, die wir dann bis Ludwigslust fuhren. Da einige keinen oder defekte Tachos hatten, zog das Tempo öfters nach den Wechseln vorne an, was einige dann selbst im Windschatten an Ihre Leistungsgrenze brachte. An den Brückenüberquerungen bei Perleberg konnten dann 4 das Tempo nicht mehr halten. Die Nachzügler, die dort auch im Bus hätten weiterfahren können waren aber so verbohrt, dass sie unbedingt weiterfahren wollten.

An der 4. und letzten Rast kamen die 4 dann einzeln verspätet an. Durch den unbedingten Willen der langsameren Fahrer ließ sich die Tourleitung dazu überreden, die letzte Etappe in zwei Gruppen zu fahren. Die eine sollte den kürzesten Weg nach Poel nehmen und wir wollten noch die 500 voll machen. Wir sind dann vollgetankt zu neunt die letzte Etappe mit einem 33,5er Schnitt gefahren bis dann die Tour im wahrsten Sinne des Wortes „im Sande verlief“. (Nötige Streckenänderungen sind eben nicht geplant und werden vorher auch nicht abgefahren…) Eine Anwohnerin sagte uns, dass der Waldweg (Sand) nur 500 m lang wäre. Die Räder haben wir dann 3 km geschoben! Vorher sind wir noch durch Schwerin geradelt, um am Schloss vorbeizufahren, was gerade im herrlichsten Licht in der untergehenden Sonne stand. Die „Fahrsüchtigen“ wollten sich leider nicht mal die Zeit für ein Gruppenfoto mit diesem Supermotiv nehmen… (Im letzten Jahr war es beider Ortsdurchfahrt Schwerins schon stockdunkel gewesen.)
Hier am Schloss ist auch noch ein Fahrer trotz mehrfacher Warnungen auf den Schienen gestürzt. Passiert ist aber zum Glück nichts weiter.

Nach der Waldpassage nahmen wir dann, von Flugsauriern zerfressen wieder Fahrt auf. Bis zum Schweriner See ging es noch im Hellen. Ab da wurde es immer dunkler und die Straßen schlechter. Da einige keine vernünftige Beleuchtung für die gefahren Geschwindigkeiten hatten, waren wir hinten den Unebenheiten und Löchern gnadenlos ausgesetzt, was dazu führte, das man den Lenker nicht mehr zum Essen und Trinken loslassen konnte. Bis zum Schweriner See hab ich mich super gefühlt, ab da ging es bergab.

altDurstig und ausgelaugt half nur noch brachiale Gewalt um vorwärts zu kommen und den Tacho zu überreden, sich der 500 zu nähern, wogegen der sich zu wehren schien. Geschafft und glücklich erreichten wir gegen 22.30 Uhr das Ziel mit dem 2. Defekt der Tour. (Ein Durchschlag und das 20 Meter vor dem Ziel...)

Endlich ein Bier oder zwei…

Die 2. Gruppe kam 20 Minuten später an. Sie hatten 25 km weniger und waren noch platter als wir. Dann verluden wir die Räder. Ich war noch als Einziger in der Ostsee baden. Es zischte und es hat nicht gebrannt, was ich als ein gutes Zeichen deutete.

Dann fuhren wir mit den Bussen zurück nach Wismar in die Jugendherberge, die top war. Unsere Betten waren schon vom vorausfahrenden Begleitpersonal bezogen worden. Dort lehrte sich der Raum, wo wir noch gemeinsam die Ereignisse auswerteten schneller, als der Kasten Bier und die Kiste Sekt. Das Bier haben wir dann noch zu dritt geschafft, den Sekt nicht. Das vorzügliche Frühstück genossen wir dann bei herrlichstem Sonnenschein im Freisitz der Herberge, packten dann unsere Sachen und fuhren wieder nach Aue zurück.

Gesamtschnitt der Tour: 32,5 km/h
Durchschnittlicher Puls 134

Meinem Hintern geht es schon wieder besser, dafür hab ich jetzt Ballons in die Oberschenkel. Noch mehr zu schreiben hab ich jetzt keine Lust, der Bericht muss ja nicht so lang werden wie die Tour. Ich muss erst mal ein paar Stunden schlafen…