Erlebnisberichte

Hier finden sich Erfahrungsberichte unserer Teammitglieder von Veranstaltungen an denen sie teilgenommen haben.

LE Biketour 2011 oder Mal eben nach Berlin und zurück…

Am 02.09.2010 trug ich mich in die Anmeldeliste zur diesjährigen L.E. Biketour ein. War es richtig gewesen, dies zu tun? Egal, ist ja noch über ein halbes Jahr Zeit, dachte ich. Die Zeit verging, das Frühjahr nahte und ich konnte endlich die gemeinsamen Ausfahrten des Express genießen. Die Fahrt zum Bärenherz am 28.Mai und der anschließende „Flug“ zum Goitzsche Camp sollte die letzte Belastung eine Woche vor der Tour werden.

Nun war es soweit, der Samstag rückte näher und der Wetterbericht versprach ideale Voraussetzungen. Am Freitag wurde nochmals das Rad auf alle Funktion geprüft, die Reifen nach Schäden abgesucht und der Vorbau nach oben gedreht. Prima, alles in Ordnung! Ich bin dann noch schnell um 22.00 Uhr im Cinestar gewesen, damit ich am Samstag möglichst lange schlafen kann.

Samstags dann um 12.00Uhr raus aus dem Bett, frisch gemacht und eine riesen Portion Nudeln mit Hackfleischbällchen hinunter geschlungen. Die Anspannung macht sich langsam bemerkbar und die Hektik breit… Trinkflaschen werden gefüllt, der Rucksack gepackt und dann klingelt es auch schon. Freund und Teamkollege Sven ist erschienen! Jetzt schnell unsere Räder im Caddy verstaut und wie immer - wenn ich aufgeregt bin - der Gang zur Toilette.

altEndlich ging es los, wir fuhren zusammen mit Frauchen nach Leipzig und rückten an der Thomaskirche an, wo etliche Gleichgesinnte sich tummelten und den ein oder anderen Happen zu sich nahmen. Schnell gemeldet, die Startnummer am Rahmen befestigt und den Rucksack in einen größeren Plastiksack mit derselben Nummer gestopft und im Begleitfahrzeug verstaut. Da das Stadtfest in vollem Gange war, fiel wurde noch einer der „Fressstände“ geplündert und ein kleiner Snack verzehrt. Ein abschließender Sprint zur Toilette und schon stand auch ich abfahrbereit inmitten der ca. 100 anderen Radverrückten. Ein letztes „Bye-bye, bis morgen“ rief ich meiner Familie zu. Eine kurze Ansprache auf dem Stadtfest sollte den Besuchern vermitteln, dass es tatsächlich Leute gibt, die per Fahrrad mal eben eine Runde nach Berlin und zurück drehen.

Start! Alles rollte los, in 2er Reihe über rote Ampeln (gesichert von den Begleitmotorädern) quer durch die Stadt Richtung Völkerschlachtdenkmal zum Gruppenfoto. Das war schnell im Kasten und der Spruch „Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin“ lies uns endlich aufbrechen. Es ging über Eilenburg nach Torgau (Kilometer 60) wo belegte Brötchen, Cola, Wasser, Riegel, Bananen und das Gepäck bereitstanden. Schnell 2 Brötchen eingeworfen, die Trinkflaschen vollgemacht und wie alle anderen, die Lampen aktiviert. Immer wieder fragte ich mich: „Werden mir die Triggerpunkte am Knie und Hüfte Sorgen bereiten?“

Weiter ging es bei immer noch 25 Grad in das Dunkel hinein Richtung Dahme (Kilometer 111) wo der nächste Verpflegungsstopp war. 15 Minuten später rollte es wieder und die kleinen Zwicker am rechten Oberschenkel waren wie verschwunden.

Die nächsten Kilometer verliefen recht monoton, da Sven nicht neben mir fuhr und so leider nicht gequatscht werden konnte. Die Zeit wäre da schneller vergangen… Durch ab und an plötzlich auftauchendes Kopfsteinpflaster fuhr jeder wie er wollte und konnte und somit hatte man dann immer wieder jemanden Anderes neben sich. Man musste zu jeder Zeit mit voller Konzentration fahren und immer wenigstens eine Hand an der Bremse lassen. Mein Vordermann schien keine Folge von „Telegymnastik“ verpasst zu haben, so vertrieb auch ich mir die Zeit durch „Synchron Dehnen“ und lockerte mich regelmäßig.

altDie nächste Rast in Storkow (Kilometer 182) stand an, wo es gekochte Pellkartoffeln, Kaffee und Tee gab. Noch zwei Riegel und eine Banane hinterher und schon konnte es weitergehen. Die Fahrt ging weiter über ruhige Landstraßen, durch dichten Wald und durch verschlafene kleine Orte, deren Bewohner von ihren Grills weg neugierig an den Zaun rannten und uns verhalten zujubelten.

Allmählich fing es an zu dämmern und im Morgengrauen wurde in Wernsdorf (Kilometer 233) haltgemacht. Ich nutzte die Gunst der Stunde, griff meine extra eingepackte halbe Rolle Klopapier und verschwand mit einem Sprung ins grüne, dichte Unterholz. 23 Blatt und 3 Lagen später entstieg ich der Flora und Fauna sichtlich erleichtert.

Weiter ging es! Ab Berlin–Schöneweide machte die Motorradeskorte der Berliner Polizei alle kommenden Kreuzungen dicht. Unzähliges, meist junges Partyvolk, jubelte und klatschte uns zu. Sprüche wie „Um 5.00 Uhr fährt man doch kein Rad, da ist man besoffen!“ konnte man ebenfalls hören. Etliche Kreuzungen und Ecken später befuhren wir den Pariser Platz und das Brandenburger Tor (Kilometer 265).

Nach einem kurzen Aufstellen zum Gruppenfoto und anschließendem Klamottenwechsel ging es gegen 05.00 Uhr nun der hell strahlenden Sonne und somit der Heimat entgegen. Eigentlich sollte gegen 6.30 Uhr Rast in Märtensmühle (Kilometer 321) sein. Es wurde dann aber doch erst 7.15 Uhr… Mein Magen knurrte mittlerweile bedrohlich und so stürzte ich mich auf die endlich erreichte und reichlich gedeckte Tafel. Jetzt konnte ich mir sogar nach dem Brötchen noch Kuchen gönnen. Mit jedem Bissen mehr, wünschte ich mir einen größeren Verdauungstrackt…

15 Minuten später ging es von der Polizei eskortiert weiter in Richtung Dommitzsch (Kilometer 384) zur Überquerung der Elbe. Am anderen Ufer angekommen wurde das Rad ins Gras geworfen und mit Tunnelblick bzw. schnellen Schritten das Fährhaus geentert. Endlich wieder eine Toilette! Was für eine Wohltat! Fluchs frisch gemacht und die kurzen frischen HALLZIG-Sachen angezogen.

alt

Auf ging es dann, um die finalen Kilometer zu meistern. In Eilenburg zogen Sven und ich aus ca. 6er Reihe am Feld vorbei den kleinen Hubbel hoch. Gemurmel war zu hören… An der Spitze fuhren wir jetzt bis kurz vor Leipzig, wo wegen einer nicht zu frühen Ankunft auf dem Stadtfest noch mal kurz gestoppt wurde.

Quer fuhren wir dann durch die Stadt und trafen gegen 14.15 Uhr - von jubelnden Massen begrüßt - vor die Hauptbühne auf dem Markt (Kilometer 430) ein. Eine kurze Rede wurde gehalten und dann gönnten wir uns zu einem Bier etwas Gegrilltes. Wir hatten schon vor der Abfahrt beschlossen, die 500 Kilometer an diesem Tag „vollzumachen“ und nach der Tour noch nach Hause zu radeln.

Wie verabredet fuhr ein Arbeitskollege mit uns in Richtung Gossa. Dort angekommen (Kilometer 482) fehlten noch winzige 18 Kilometer! Kaum zu glauben, was man nach so einer Distanz dem Körper noch abverlangen kann. Diese 18 Kilometer „brannten“ wir über Krina, Schköna und Schmerz noch recht zügig ab. Sichtlich erleichtert beendeten wir mit hoch gelegten Beinen den Abend.




Kleines Fazit:
Jetzt, 4 Tage danach, ist der Muskelkater kaum noch wahrnehmbar. Getreu des Mottos „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören!“ war dies nach 2 beendeten und einer nach der Hälfte abgebrochenen LE Biketour die Letzte. Fragen zur Tour beantworte ich gern.

Euer Ronny

An English Man in New York, oder als ACLer allein unter HALLZIGern…

Die Betrachtung eines (noch?) Außenstehenden der Himmelfahrtstour 2011

Naja, so allein fühlt man sich ja nun wirklich nicht, wenn man mit dem HALLZIG EXPRESS unterwegs ist… Lange angekündigt, rückte es näher: Das Himmelfahrtskommando. Und mit dem Herannahen wurde das dazu gehörige Wetter immer interessanter. Einschlägige Seiten wurden öfter frequentiert und was nicht selbstverständlich ist: Die Verantwortlichen prognostizierten ideales Radsportwetter.

Die Anmeldungen schnellten in die Höhe und wenn alle ihr Kommen wahr machen, würde ein ansehnliches Feld zusammen kommen. Was sich ja dann auch so ereignete.

Vor der Tour ging es mir wie mancher Frau: Ich stand vor dem Schrank und fragte mich, was ich anziehe. Ziehe ich meine ACL-Kleidung an? Ich hätte kein Problem damit als blauer Punkt in der Schwarz-Weiß-Roten Trikotlandschaft der HALLZIGer aufzufallen.
Aber heute ist Himmelfahrt und es sollte eine gemütliche Ausfahrt werden. Also entschied ich mich für schwarz-weiß. Das ist etwas ziviler und kommt dem Hallzig-Outfit auch etwas näher. Dass mich selbst diese camäleonhafte, von Understatment strotzende Tikotkombination nicht vor massiven Abwerbungsversuchen schützen sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

altIn organisierten Fahrgemeinschaften begab wir uns nach Salzmünde, dem Startort der diesjährigen Tour. Und tatsächlich trudelten in der halben Stunde vor dem offiziellen Start alle Protagonisten ein. Begrüßung und Hallo, nebenbei mussten die fahrbaren Untersätze noch zu ihrem Zweck hergerichtet werden, eine Schraube hier und eine Einstellung dort, ja auch für Fahrräder gibt es vor dem Einsatz eine Maske…Kurz nach 10 Uhr, dem geplanten Start setzte sich das Feld aus 19 HALLZIGern, pardon 18 plus einem Gefühlten, in Bewegung und man verließ Salzmünde gleich mit einem Anstieg Richtung Polleben.

Eine gemütliche Ausfahrt zu Himmelfahrt sollte es werden. Aus diesem Grund schnallte ich mir mein Crossrad unter die Füße, mit Straßenreifen zwar, aber in Erwartung einer moderaten Belastung die bessere Alternative. Dass dies eine Fehlentscheidung war dämmerte mir alsbald. Der erste Anstieg wurde gleich sehr zügig genommen und das Feld zerriss, na prima dachte ich, das kann ja was werden, es ist also wie immer, wenn mehrere (Kerle) unterwegs sind. Aber, oben angekommen, sah ich, wie die Ungestümen ihren Verfolgern auflauerten, sprich warteten und das Feld wieder zusammen führten. Da der Berg gleich am Anfang war formierte sich das Feld eben etwas später.

In organisierten Zweierreihen fuhren wir nun Richtung Nordost nach Polleben. Dass aus dieser Richtung der Wind kam ist nur eine kurze Bemerkung wert. Es ist der Himmelfahrtstag, aber irgendwie ist er auch ein Tag der Radfahrer, da er die zugelassene Promillegrenze zum Führen eines Fahrzeuges etwas nach oben setzt. Auf Grund dessen ist die Anzahl der anzutreffenden Fahrradfahrer an diesem Tag etwas höher und irgendwie schlossen auch die Autofahrer am heutigen Tag mit uns ihren Frieden. Unser großes Feld war nur schwer zu überholen, es wurde viel Rücksicht genommen und auch angehupt wurden wir nicht. Einen Vergleich mit den heiligen Kühen in Indien halte ich indes trotzdem für übertrieben…

Neben den vielen Dörfern, die es zu durchfahren galt, war Klostermansfeld das einzige mir einigermaßen bekannte. Was sollte ich denn machen, diese Gegend zu erradeln fällt nicht in das tägliche Portfolio eines Leipzigers. Störmthal und Oelzschau müssen andere googeln, bei uns gehören sie zum Wortschatz. Aber das Wort HALLZIG setzt sich ja aus zwei Städtenamen zusammen: Halle und Leipzig. Ist dieser Begriff doch schon seit einiger Zeit Symbol für eine einzigartige Verbindung von Radsportlern aus diesen beiden Städten und ihrer Umgebung. Die Sportfreunde aus dem Sachsen-Anhaltinischen hatten ganze Arbeit geleistet um uns ihre Heimat näher zu bringen, was ihnen hiermit auch gelungen ist.

Über Leimbach ging es nach Saurasen, als plötzlich am Ortschild alle anhielten. Was ist nun los, fragte ich mich, aber die Lösung erschloss sich mir sogleich. Ein Gruppenfoto mit dem Ortsschild im Hintergrund sollte gemacht werden. Was auch geschah. Dass wir für das Motiv die halbe Straße blockierten, hat keinen gejuckt, auch die Autofahrer nicht, irgendwie war heute ein besonderer Tag.

altRammelburg und Friesdorf waren die nächsten Ortsdurchfahrten und irgendwie machte sich die Sehnsucht nach dem Mittagessen bemerkbar. Hatte ich nur wenig gefrühstückt und beim Losfahren meine Unterwegsverpflegung im Auto vergessen.

In Wippra sollte die Einkehr sein und gut gelaunt nahmen wir auf dem Freisitz der Gaststätte Platz. 19 Leute wollen neben anderen Gästen auch versorgt sein. Die Wartezeit aufs Essen kam manchem sicher etwas lang vor, was bei einer leichten Unterzuckerung übrigens immer so ist. Der Anspruch sinkt mit der Dringlichkeit. Die Menge des Essens war auf homöopathische Dosen begrenzt, bei gleich bleibendem Preis natürlich. Wir wollten heute fröhlich sein, aber hier kam mancher an Grenzen. Der Wirt mit seiner reziproken Einstellung zum Service sorgte dafür, dass wir beim Aussuchen des nächsten Ziels Kreativität zeigen werden. Wir waren nicht nur im Tal der Gastronomie, sondern auch in einem topografischen Tal gelandet. Dort mussten wir wieder raus. Die nächsten 5 km hieß es: Anstieg. Jeder fuhr unterschiedlich schnell am Limit (Irgendwie gehört die Belastung ja auch dazu) und oben wurde wieder gewartet, aber nicht nur bis der letzte oben ist, um dann sogleich weiter zu fahren und er dann keine Pause hat. Nein, auch die letzten bekamen ihre Zeit zu verschnaufen…


Es folgten Grillenberg (kannte ich noch von der Grupettotour 2007; die Betreiberin war so ähnlich wie der Wirt in Wippra) und Gonna. Eine sehr freie Interpretation der vorgeplanten Strecke (Abkürzung) ließ uns über Annarode und Siebigerode nach Helbra gelangen. Die Lutherstadt Eisleben, Unterißdorf, sowie Wormsleben waren die letzten Stationen vor dem Süßen See. Ihn rechts flankierend fuhren wir immer wieder lustigen Menschen begegnend, auf schmalen Pfaden Richtung Seeburg. Die Menschen feuerten uns gelegentlich mit „Täve, Täve“- Rufen an. Der lange Arm der alten Zeit, aber deswegen machen wir das Ganze ja…

altSeeburg deswegen, weil wir dort noch einen zweiten gastronomischen Stopp geplant hatten. Wir wollten noch in eine Eisdiele einkehren: Erstens stand es bei den meisten auf der Appetitsskala ganz oben und zweitens mussten wir die kulinarische Demütigung vom Mittag wieder vergessen machen. Ob der der vielen Leute am Straßenrand, der Süße See ist ein erstklassiges Ausflugsziel an solchen Tagen wie heute, hatte ich so meine Befürchtungen ob sich dieser Zustand nicht in der Eisoase fortsetzen würde. Was er auch tat. Ohne anzuhalten setzten wir die Fahrt fort. „In Salzmünde gibt es auch ein kleines Eiscafè“ motivierte ich die Mannschaft und mit der Fatamorgana einer Eistüte im Kopf bewältigten wir dann auch den letzten längeren Anstieg der Tour.

Die für diesen Tag geplanten 100 km waren zu diesem Zeitpunkt schon heillos überschritten, was keinen aber wirklich gestört hat, denn wer länger fährt hat länger Spaß. Was nicht nur das Credo an diesem Tag war, sondern auch im virtuell Kleingedruckten der Satzung der HALLZIGer steht.

Das Eiscafè in Salzmünde wurde regelrecht gestürmt (siehe Bild), kühlte es doch die von Temperament und Sonne erhitzten Gemüter.


Auf dem Parkplatz folgte nun das obligatorische Abschlussfoto mit dem Rückbau der Fahrräder in kofferraumtaugliche Formen. Die im Anschluss folgenden dramatischen Abschiedsszenen werden hier nicht näher beschrieben.

Grüße Ralf

„Pain is temporary, glory is forever!“

altAnfang 2009 hatte ich mich aufgrund von Verletzungssorgien und den ständigen Punktspielen an Wochenenden dazu durchgerungen, mit dem Fußballspielen aufzuhören. Ich wollte gern flexibler sein, trotzdem aber eine Sportart finden, bei der ich fit bleibe und die eine größere Herausforderung darstellt. Das Fitnessstudio war mir zu eintönig, darum entschied ich mich für ein wenig mehr Dynamik. So landete ich beim Triathlonsport, denn hier lassen sich sogar drei Sportarten miteinander kombinieren und es ist abwechslungsreich.

Seit Jahr 2009 bin ich nun dabei. Ich absolvierte bis dato vier olympischen Distanzen in Grimma und Leipzig (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen), jeweils mit einer aktiven Vorbereitungszeit von circa 3 Monaten. Dabei konnte ich mich von 2009 auf 2010 um 9 Minuten von 2:32 h auf 2:23 h verbessern.

Im September des letzten Jahres fragte ich mich dann, ob ich im kommenden Jahr vielleicht mal eine Halbdistanz versuchen sollte. Doch da ich von Natur aus nicht sehr geduldig bin, entschied ich mich gleich an eine IRONMAN-Distanz zu wagen.

Zu meinem Erschrecken stellte ich fest, dass der IRONMAN Frankfurt kurz nach Öffnen der Einschreibung bereits ausgebucht war! Also noch ein Jahr warten???

Ich suchte nach anderen Veranstaltungen und wurde in der Schweiz fündig. Der „IRONMAN Switzerland“ hatte noch freie Startplätze zu vergeben. Später sollte ich auch erfahren, warum. Nicht, dass die IM-Distanz so schon hart genug ist, hier kommen auch auf der Radstrecke ordentlich Höhenmeter hinzu.

Die Anmeldung stand also – 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und ein anschließender Marathon von 42,2 km – die Königsdisziplin des Ausdauersports.

Oft wurden mir die folgenden Fragen gestellt:

"Bist Du schon einmal 3,8 km geschwommen?" – "Nein!"

"Bist Du schon einmal 180 km Rad gefahren?" "Ja, auf einer Radreise mit Vollgepäck nach Santiago de Compostella!"

"Bist Du schon einmal einen Marathon gelaufen?" – "Nein, sogar noch nicht mal einen Halbmarathon!"

Warum mache ich das? Weil mir der Triathlonsport sehr viel Spaß macht, mir die Dynamik und das Adrenalin im Wettkampf einen kleinen Kick geben. Die IRONMAN-Distanz möchte ich machen um eine Grenzerfahrung zu erleben – ich möchte spüren wie es sich anfühlt nach über 11 Stunden über die Ziellinie zu laufen. Ganz banal gesagt aber auch: Das ist etwas, was man einmal in seinem Leben gemacht haben muss. Ich möchte einmal sagen können: „Ich bin ein IRONMAN!“ Also getreu dem Motto „Pain is temporary, glory is forever!“.

Die eigentliche Vorbereitung begann mit dem Sportscheck-Lauf im Oktober 2010 – ein 10 km Lauf durch die Leipziger Innenstadt. Mit Ach und Krach lief ich eine Zeit von 43 Minuten und 22 Sekunden.

Im Anschluss an diese Veranstaltung habe ich mich viel auf das Laufen konzentriert, um im Januar zu testen, ob meine Knie von der Belastung her überhaupt einen Marathon schaffen können. Beim Leipziger Wintermarathon im Januar dieses Jahres (Teammarathon) konnte ich meine Bedenken streichen, denn der 1. Marathon meines Lebens war ohne Schmerzen geschafft.

altSeit Oktober des letzten Jahres habe ich folgendes Trainingsprogramm absolviert:

Laufen: 1305 km

Rad fahren: 1123 Km

Schwimmen: 54 Km

Beim IRONMAN-Plan orientiere ich mich ein wenig an den Empfehlungen von Hermann Aschwer (Buch: „Triathlon Training“), was zahlreiche Tipps für die Trainingsgestaltung, Ernährungstipps (das fällt mir besonders schwer…, dafür esse ich viel zu gern) und viele andere interessante Dinge darstellt.

Als erstes Ziel für den "Tag X" habe ich mir gesetzt anzukommen. Die Steigerung davon könnte sein, dies unter 12 Stunden zu schaffen, was sicherlich schon ein großer Erfolg für mich wäre. Zum Vergleich: im letzten Jahr erreichten die Profis das Ziel nach circa 8:40 h, eine Qualifikation für Hawaii bewegt sich bei circa 9:15 h.

Da diese Qualifikation wohl bei Weitem nicht machbar ist, konzentriere ich mich eben aufs Ankommen. Um weiter vorne zu landen, habe ich wohl mindestens 15 Jahre zu spät mit dem Triathlon angefangen...! Und das ist auch gut so!

So orientiere ich mich also an einem 11 Stunden Plan, um das oben genannte Ziel zu erreichen (nach 12 Stunden anzukommen). Denn oftmals lassen sich leider die Pläne auch aus beruflicher Sicht nicht immer exakt einhalten.

Die Empfehlung zur Bewältigung eines IRONMAN sagt:

Um in 11 Stunden zu finishen, ist das folgende Pensum in den letzten 26 Wochen (6 Monaten) erforderlich:

Schwimmen: 140 km = 5-6 km/Woche (derzeit 37 km)

Radfahren: 4700 km = 192 km/Woche (derzeit 840 km)

Laufen: 1.250 km = 48 km/Woche (derzeit 469 km)

Soweit bin ich im Soll. Aber mit dem Radfahren muss ich jetzt so langsam loslegen, da liegt noch so Einiges an Kilometern vor mir. Ich hoffe aber auf viele schöne Ausfahrten mit den HALLZIGern!

Bis zum IRONMAN werde ich verschiedene Wettkämpfe (keine 100%) zur Trainingsvorbereitung nutzen. Geplant sind einzelne Radrennen, RTF und freie Touren, ein Halbmarathon, ein Marathon, 1-2 olympische Distanzen und ein Halb-IRONMAN.

Soweit erstmal die Theorie! Fürs Erste sollten die paar Daten reichen. Nun muss ich mich wieder meinem Training widmen, was wirklich manchmal Überwindung kostet. Aber hey, wer hat gesagt, dass das "Unternehmen IRONMAN" einfach wird...?

Euer IronFaber

Unser Ausflug in die Unterwelt - HALLZIG meets Hades

Heute nun sollte es soweit sein! Nach einem reichlichen Monat Terminfindung und allgemeiner Planung sollte Uhles Vorschlag in die Tat umgesetzt werden. Unser Ausflug zum “Radfahren unter Tage” im Erlebnisbergwerk Sondershausen stand auf dem Plan.

Samstagmorgen ging es los - am verdammt frühen Samstagmorgen. Nachdem sich die drei Fahrgemeinschaften gebildet hatten und es alle - überpünktlich - zum vereinbarten Treff geschafft hatten (wo unser Oli die hungrigen Reisenden mit leckeren Brötchen versorgt hat) stand der Weiterfahrt nach Thüringen nichts mehr im Wege.

Nach knapp eineinhalbstündiger Reise kamen wir am ehemaligen Salzbergwerk in Sondershausen an. Nach Zahlung des fälligen Obolusses hieß es umziehen und fertigmachen zur Einfahrt in den Schacht. Wohl jedem von uns gingen die mahnenden Worte einiger anderer durch den Kopf: verdammt bergig, staubig ohne Ende, viel zu warm, trockene Luft.... Sollten diese Mahner am Ende doch Recht behalten?

altSo standen nun elf, mit Fahrradhelmen und Trinkflaschen bewaffnete Wagemutige vor einer klapprigen, salzverkrusteten Schiebetür hinter welcher es ca. 700 Meter senkrecht in die Tiefe gehen soltel und warteten auf den Förderkorb. Als wir uns alle zusammen in die Kabine - wenn wir den Förderkorb so nennen wollen - gedrückt hatten und auf diese Art und Weise vollkommen neue zwischenmenschliche Beziehungen geknüpft wurden, schloss sich auch schon eine schwarze Gummifaltttür vor uns und es folgte eine tiefe, finstere Schwärze. Nach kurzen Versuchen etwas zu erkennen, kamen die Ersten von uns auf den glorreichen Gedanken, mit Hilfe der mitgebrachten Lampen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Und nach drei rumpelnden, mit viel Spass und Gelächter verkürzten Minuten, öffnete sich der Vorhang wieder und wir befanden uns in besagten 670 Metern Tiefe.

Nach einer kurzen Einführung ("Der Jeep vorn gibt das Tempo vor und der Pritschenwagen hinten sammelt die auf, die herausgeplatzt sind!") und der Übergabe der aufgereihten sauberen, topgewartet Leih-MTB´s ging es auf den abenteuerlichen Ritt durch Hades Reich.

Der führende Jeep gab das Tempo vor und elf, das Dunkel durchbrechende Lichtpunkte folgen ihm. Während der ersten noch flachen oder nur leicht welligen Kilometer (oder waren es doch nur Meter?) hatten wir Gelegenheit, uns mit den teilweise doch recht hakeligen Schaltungen und dem ungewohnten Untergrund vertraut zu machen. Die Mahner hatten Recht gehabt: Ja es war warm! Ja es war verdammt staubig! Und ja, es war verdammt glatt! Aber zur Umkehr war es zu spät und ausserdem wird mitgenommen, was bezahlt ist. Plötzlich beschleunigte der Jeep mit aufheulendem Motor und verschwand hinter einer Kurve. Als unsere Lichtkegel die Finsternis hinter der Kurve erreichten, tauchte vor uns das erste Hindernis in Form eines doch recht kernigen Anstiegs, dessen Ende sich im Schwarzen verlor, vor uns auf. Vom Führungsfahrzeug war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen...

Was folgte, war das Kratzen und Rutschen der Ketten beim Versuch, das passende Blatt zu finden. Ein Vorhaben, welches durch die perfekt eingestellten Schaltwerke nicht in jedem Fall zu 100% unterstützt wurde. Mit einem Male verstummten auch die Gespräche und das Lachen. Für die nächsten Minuten bildeten verzweifelte Versuche die Kette noch weiter nach links zu drücken und tiefe Atemübungen der Fahrer die einzige Geräuschkulisse. Nach einigen Kurven stand auch der wartente Jeep wieder vor uns und der lächelnde Fahrer beruhigte uns mit den Worten, dass das ein eher harmloser Anstieg gewesen sei. Schnell wurde uns beim Warten auf das doch schon recht langezogene Teilnehmerfeld klar, daß ein Wochenendspaziergang doch etwas Anderes ist. Langsam tauchten alle Fahrer aus dem Dunkel auf. Naja, fast alle. Aus den elf Lichtpunkten waren plötzlich zehn geworden und der Besenwagen hatte seinen ersten Mitfahrer - dem noch weitere folgen sollten - gefunden. Angesichts des Streckenprofils und der äußerst ungewohnten Bedingungen wurde - zumindest dieses Mal - auf Sticheleien verzichtet.

Die uns nun erwartenden Kilometer durch den Salzstock waren ein ständiges Auf und Ab, welche immer nach dem selben Muster abliefen: zügiges Fahren auf flachen Stücken, vorsichtiges Bremsen in der Abfahrt und immer wieder knackige Anstiege. Dennoch sollte keine Langeweile aufkommen und trotz des reichlich eingeatmeten Salzstaubs war immer wieder lautes Lachen zu hören. Jetzt galt es nur noch, einen 1,5 Kilometer langen 17%igen Anstieg zu bewältigen, bevor uns eine recht rasante Abfahrt an den Startpunkt und somit auch das Ziel unserer Tour zurückführte.

Nun wartete noch ein ganz besonderer Erlebnisleckerbissen. Nach kurzer, waghalsiger Fahrt auf der Pritsche eines Transporters standen wir vor einer durch die Salzwand getriebenen Rutsche. Dort bekamen wir jeder zwei “Arschleder” ausgehändigt und kurz deren Handhabung erklärt. Dann ging es auch schon, gefühlt senkrecht, durch eine schwarze Röhre in die Tiefe. Dieser Nervenkitzel stellte dann auch schon das letzte Abenteuer unserer tapferen Gruppe unter Tage dar.

Anschließend machten wir noch einen schönen Rundgang und lauschten interessiert den Erläuterungen eines "Kumpels". Dann hieß es wieder nach Übertage aufzufahren, die salzigen Klamotten auszuziehen und fix zu duschen. Nach kurzer Autofahrt ins “Zentrum” von Sonderhausen und einem gemütlichen Getränk und einer Kleinigkeit zu Essen, hieß es nun Abschied nehmen und die Heimfahrt anzutreten.

So ging ein rundum gelungener Ausflug zu Ende.

26,2 Meilen voller Euphorie

altAm 7. November war es endlich soweit, unser Traum wurde endlich wahr.

Wir waren in New York und warteten darauf, zur Startlinie gehen zu können. Aber vorher wurde unsere Geduld nochmal auf die Probe gestellt. Wir mussten bei Eiseskälte erst einmal 3 Stunden warten, aber Petrus meinte es gut mit uns und schickte die Sonne über Staten Island und ganz New York.

10:40 Uhr wurden wir mit dem Startschuß und dem Lied "New York, New York" auf die Strecke geschickt.
Als erstes ging es über die Verrazano Narrows Brigde mit einer fantastischen Aussicht (wir hatten das Glück oben laufen zu können). Darüber hinweg in Brooklyn angekommen, waren bereits die ersten zwei Meilen geschafft, ohne das Gefühl zu spüren, bereits 3 Kilometer in den Beinen zu haben, das sollte sich aber zum Ende der Strecke hin etwas ändern. In Brooklyn wurden wir mit Live Rockmusik und jubelnden Zuschauern begrüßt. So dass wir auf den nächsten Meilen von der Begeisterung getragen wurden.

Die Beigeisterung der Zuschauer hat uns die gesamte Strecke begleitet, so etwas haben wir noch nie erlebt.
Als nächstes kamen wir durch Queens und der Lauf lief noch sehr locker. Aber um nach Manhattan zu gelangen mussten wir über die Queensboro Brigde, hier spürten wir zum ersten Mal unsere Beine, hatten aber da auch schon 25 Kilometer in diesen, was sich dann geringfügig auf das Tempo auswirkte.
Jetzt ging auf der First Ave. zwischen Wolkenkratzern unendlich weit auf und ab und über noch eine Brücke bis in die Bronx, 20 Meilen sind geschafft. Um auf die Fifth Ave. zu gelangen, ist noch eine Brücke zu überwinden, die wir jetzt mit jedem Meter in unseren Beinen spürten. Aber es ging ja nicht nur bergauf zur Brücke, sondern auch wieder bergab und so konnten wir uns den Schwung für die nächsten Meilen holen.

Die Fifth Ave. hinter uns gelassen kamen wir in den Central Park, wo die Massen an jubelnden Zuschauern noch einmal zunahmen und wir stellenweise nur eine enge Gasse zum laufen hatten. Aber die vielen begeisterten Menschen haben die Schmerzen in den Beinen vergessen lassen und uns über den Columbus Circle zum Ziel getragen.
Dort angekommen innerer und äusserer Jubel, nicht nur das Ziel sondern auch die heimliche erträumte Zeit erreicht.

Es war der bewegendste Lauf unseres Lebens.