Erlebnisberichte

Hier finden sich Erfahrungsberichte unserer Teammitglieder von Veranstaltungen an denen sie teilgenommen haben.

Der Meister hinterm Deister

Vorab: Eine tolle Runde. Schnelle Passagen und (für meinen Fall) auch fordernde Anstiege. Irgendwo zwischen der großen NSC-Runde und der kleinen Schleiz-Runde angesiedelt. Der Start mitten in Hannover sowie die Zielankunft bietet natürlich auch seinen speziellen Reiz. Darüber hinaus waren in einigen Ortschaften sehr viele Mitbürger zum Jubeln und Anfeuern auf der Straße.

Bedingt durch die gute Versorgung und des Umzuges des Hauses Floeri ging ich mit einem kleinen Handicap an den Start, welches sich gerne zu meinem etwas schlechten Trainings-Zustand gesellte.

Aber nun zum Rennen:
Leider ein wenig spät am Start-Block eintreffend konnte ich die gute Gelegenheit nutzen, einem durch das Starterfeld fahrenden Krankenwagen zu folgen, um an die Position zu gelangen, wo ich eigentlich hin wollte. Also so ungefähr bei den ersten 50. Nach ca. 20 Minuten ging es dann auch los. Da ich ja ein absoluter Klick-Pedalen-Profi bin, rauschte die zuvor eroberte Position rechts und links in Form von Mitstreitern flugs wieder an mir vorbei. Nach gefühlten 30 Sekunden hatte ich meine Beine jedoch am Sportgerät befestigt und konnte die eilige Hatz an Hannovers Stadtgrenzen aufnehmen. Teilweise hatte man das Gefühl, dass da schon der Endspurt angesetzt wurde. 45 km/h war die absolute Untergrenze.
Irgendwann setzte eine gewisse Beruhigung ein und mit normaler Renngeschwindigkeit kurbelte sich ein dichtes Feld durch das Vorland von Hannover. Schätzungsweise nach 30 km fingen die vorne fahrenden Teams ihre taktischen Spielchen an, was zur Folge hatte, dass das große folgende Feld teilweise übel eingebremst wurde. In dieser Phase flogen rechts von mir gleich ein paar ziemlich heftig ab, ansonsten gab es jedoch nur ordentliche Bremsspuren auf dem Asphalt.

Zu dieser Zeit war schon der erste „Hügel“ erklommen, was jedoch nicht zu einer Teilung des Feldes geführt hat.
So plätscherte das Feld weiter durch die Gegend. Die vor mir fahrende Spitze war meistens mit einem Abstand von 100 Metern noch gut im Blickfeld. Jedoch waren da noch sehr viele Radler dazwischen. Ich wollte doch ein wenig weiter vorne fahren. Es gab nur so gut wie keine Gelegenheit, in dieser Phase des Rennens Boden gut zu machen. Das Feld breitete sich über die komplette Straßenbreite aus. Keine Ahnung, was man in so einer Situation macht. Ich nutzte einfach die Gelegenheit, als alle links fuhren um nicht im Wind zu stehen. Im Unterlenker hängend spurtete ich rechts im Wind an einem guten Teil des Feldes vorbei und sortierte mich dann wieder ein (wahrscheinlich unter den ersten 50-100).
Nun hatte ich meine Position, die ich gerne bis 15-20 km vor dem Ziel halten wollte. Aber leider kam es anders. Irgendwo, ich schätze km 65 – 70, kam es in diesem Feld ein paar Meter vor mir zu einem üblen Crash mit mindestens 10 Radlern, der die komplette Straße blockierte. Es war (für mein Empfinden) wirklich eine Katastrophe. Ich versuche generell, Risiken klein zu halten und fahre mit einem relativ großen Abstand. Das hat zur Folge, dass dauernd irgendwelche anderen Radler in diese Lücke stoßen, aber auch die Möglichkeit besteht, bei solch einer Komplett-Sperrung noch irgendwie reagieren zu können. Bei mir gelang das mit einem Hopser auf den Gehweg. Diesem 50 Meter folgend war ich wieder auf der Strecke und es konnte weiter gehen. Jedoch war das erste Feld da schon uneinholbar weg.

Eigentlich war hier mein Rennen bereits vorbei, da sich zu dem Abstand kleine lustige Krämpfe gesellten…
Nun erfolgten neue Sortierungen. Ich bin dann irgendwie von einer Gruppe aufgesaugt worden, die leider nur ca. 34 – 36 km/h fahren wollte oder konnte. Allerdings kann ich nicht meckern, ich durfte in dieser Gruppe hinten fahren. Aufgrund von übelsten Krämpfen in den Waden und Oberschenkeln hatte ich in den folgenden Renn-Minuten schon Angst, überhaupt noch ins Ziel geraten zu können. Irgendwie hat es dann ja doch noch geklappt. Schätzungsweise 10 Kilometer vor dem Ziel wurde unsere kleine 10er-Gruppe von einer folgenden Groß-Gruppe eingeholt.
Mir war es recht, ich wollte mit diesen Krampf-Beinen nur noch irgendwie ins Ziel. Den Fight um Platz 50 oder ähnlich bin ich dann auch nicht mehr gegangen. Ich wollte nur noch ankommen, um dann möglichst schnell diese ekelhaften Krämpfe los zu werden. Für Platz 113 hat es dann erfreulicherweise noch gereicht, AK Platz 48. Schnitt 38,01 km/h.

Fazit: Tolles Rennen, hätte mit ordentlicher Vorbereitung und mehr Enthaltsamkeit am Vorabend durchaus zu einem besseren Ergebnis geführt. Aber so war es auch schön. Ich komme wieder…

Einmal "Schinderei de Luxe"...

... oder "die Wahrheit liegt am Berg"

So! Da standen wir nun morgens um halb 7.00 Uhr - fünf HALLZIGer inmitten einer bunten Zweiradmeute in der Innenstadt von Bruck. Großartig nervös war eigentlich keiner von uns, war doch die Anfahrt aus dem Sachsenland angenehm, das Wetter in absoluter Hochform und die Stimmung dieses Event´s verströmte eher Gelassenheit als angespanntes Wetteifern. Ein wenig anders wurde mir trotzdem, als 2 Minuten vor dem Start AC/DC´s "Hells Bells" aus den Boxen tönt, dann schließlich der Startschuss fällt, bevor die echten Glocken von Bruck ertönen...

Nun ja, das Feld setzte sich langsam in Bewegung. Kurz den Engpass unter der Eisenbahnbrücke hindurch und schon waren wir auf der Großglockner Hochalpenstrasse. Noch waren wir eng beisammen - gelöste, grinsende Gesichter wo man nur hinsah und ein allseits bekanntes Surren zog durch das Tal in Richtung der schneebedeckten Gipfel...

Mittlerweile blieb das Auge und der Kopf immer seltener an dieser herrlichen Gegend kleben und wir fanden zurück zum Thema - die 1.690 Höhenmeter vor uns. Also kurz eine Tempoverschärfung verrichtet solange es noch geht und ich hing mich an Marko. Irgendwann wechselten wir und ich hab auch gar keine Ahnung mehr, wann Oli sich eigentlich aus unser Gruppe löste und dem Affen Zucker gab. Auf jeden Fall sollte ich ihn erst einmal eine Weile nicht mehr sehen. Der Tachometer zeigte in etwa 10 km, als sich langsam erste Höhenmeter bemerkbar machten und man sich das letzte Mal für die nächsten 17 km gelassen aus dem Sattel schwingen konnte. Noch ein paar kurze ebene Passagen und die ersten Steigungen kratzten an der zweistelligen Prozentmarke.

Mittlerweile vermisste ich Marko, als noch einzigen Kontakt zu unserem Team und überhaupt war es plötzlich ziemlich still geworden im Peloton. Kein Smalltalk lockerte das Feld mehr auf und man hörte nunmehr lediglich Kettengleiten, hier und da das fauchen einer grobstolligen MTB-Bereifung und deutlich verstärkte Lungenarbeit, in die ich mich brav mit einstimmte. Da ich nun mehr oder weniger allein für mich unterwegs war und die Steigung jetzt eine kontinuierliche Form annahm, begann ich, meinen Rhythmus zu finden. Ich fühlte mich gut bei eher moderaten Pulsfrequenzen und kam gut im Feld voran - auch als der zu leistende Kraftaufwand zunahm und die Kette mittlerweile die linke Endstellung auf der Kassette einnahm. "Alles im grünen Bereich!", dachte ich mir und plötzlich hatte ich auch Oli wieder im Sichtbereich. Hatte er sich noch in der Ebene einen recht ordentlichen Vorsprung erarbeitet - ich hatte bei dieser Aktion leider den Anschluss verloren - war doch der Plan, dass Oli das Team auf den ersten Kilometer feste anzieht, so dass wir nur noch rechtzeitig bremsen mussten, um nicht in die Zuschauer hinter dem Ziel zu rasen...

Nachdem ich mich an Oli vorbei und im Feld weiter nach vorne schieben konnte, passierte es: womöglich unterschätzte ich einen Steigungsanstieg - oder ich ging diesen doch zu hart an? - auf jeden Fall hatte ich plötzlich dieses unangenehme Gefühl, als seien meine Oberschenkel aus Holz. Die kommenden 5 km waren nun Kilometer des Schmerzes (roter Bereich), von Rhythmus konnte keine Rede mehr sein und mein Gangschalter griff auch beim x-ten Versuch hochzuschalten ins Leere. Auch das ständige Schauen nach dem Ritzelpaket brachte keine neuen Erkenntnisse bzw Aussichten auf eine adäquate Kadenz. Was hätte ich in dieser Situation nicht alles für eine Dreifach gegeben und das Schlimmste an der Sache war: die Serpentinen lagen noch vor mir...

Jetzt suchte ich auf den immer spärlicher werdenden Flachstücken nach Regeneration und drückte mich auf den Steilstücken mehr nach oben als das ich kurbelte. Somit war es ab hier für mich eher ein Aufstieg als eine Auffahrt. An dieser Stelle danke ich noch vielmals denjenigen, die mir zum Umstieg auf eine 27er Kassette bei meiner Standardkurbel geraten haben. Mit meiner 25er wäre ich gestorben...

Mitterweilen verlor ich zunehmend Plätze, auch Oli war wieder an mir vorbei. So begann ich mich in die Serpentinen einzuarbeiten: in der Kehre so gut wie nur möglich hochfrequent die Muskeln locker treten und am Kehrenausgang noch ein Schluck aus der Flasche, da das hölzerne Gefühl in den Zustand eines bekannten Nachtisches übergegangen ist und ich im Trinken meinen gesamten Kohlehydratvorrat gebunkert hatte. Gaaaaanz langsam erholte ich mich (gelber Bereich) und Oli wurde in ca. 50 Metern Entfernung zum Fixpunkt, den ich auch ganz gut halten konnte.

Ca. 5 km vor dem Ziel betrieb ich noch kurz spontanes Gewichtstuning, indem ich meine überflüssige zweite Wasserflasche ins hohe Gras warf, um mich allem Überflüssigen zu entledigen. Die immer wieder neu auftauchenden Serpentinen über mir, ließen mich langsam an meinem Ankommen zweifeln und auch die immer dünner werdende Luft war nicht gerade zuträglich. Somit unterließ ich es nach oben zu schauen und konzentrierte mich auf ein effektives Treten und Kraftreserven auszuquetschen.

Und irgendwann hörte ich die Stimme des Moderators aus den Boxen in der Zielankunft! Dies beflügelte mich auf wundersame Weise und in den letzten zwei Kehren baute sich in mir eine Euphorie auf, die mich die Schmerzen vergessen und die Beine kräftiger werden ließ. Im Ziel angekommen entlud sich dieses Gefühl in einem Gemisch von absoluter Erschöpfung und konzentrierter Glückshormonausschüttung, was ich bis dahin noch nicht kannte. (Und ich muss gestehen, dass ich viel Mühe hatte, damit umzugehen...) Nach dem Absteigen und ein paarmal kräftigem Durchatmen empfing mich auch schon Oli, der 2 min vor mir ins Ziel ist und dem es scheinbar ähnlich erging. Die nächsten Minuten verbrachte ich irgendwie in Trance, gerade noch solange, um die Zielankunft vom Rest der HALLZIGer bewusst wahrzunehmen und das gemeinsame Glücksgefühl zu teilen. Und dann noch dieser Blick vom Fuschertörl bei absolutem Kaiserwetter! Aber das erspar ich mir jetzt...

Abfahrt: Nachdem die Räder kurzerhand zum Wäscheständer umfunktioniert wurden und wir nach dem Abtrocknen und Bildverewigungsorgien auf der Abfahrt waren, fiel mir noch meine Trinkflasche ein, die ja eingesammelt werden wollte. Dies teilte ich bei Tempo 50 auch sogleich Oli mit, als plötzlich ein Alptraum wahr wurde... Peng, zerfetzte es den Latexschlauch in meinem Vorderad. Sofort war das rechte Felgenhorn freigelegt und der Mantel hielt sich schlackernd auf dem Rest der Felge. Während Oli mich schon mit Kinn und Extremitäten beim Bremsvorgang sah, konnte ich mich doch recht kontrolliert über eine größere Entfernung als üblich in den Stand begeben. Glück gehabt, dass ich keine Kurve vor mir hatte und sich grad nicht all zu viele hinter mir auf der Abfahrt befanden... Der Radler, dem das Gleiche kurz vor mir passierte, hatte nicht ganz soviel Glück und wurde im Liegen ins Tal befördert. Den Rest bewältigte ich in Etappen, da sich in meinem Hinterrad noch ein weiterer Kandidat für einen Platzer bei Überhitzung befand.

Fazit: Ziel erreicht - heil und gesund angekommen!

Das heimliche Ziel wurde - wenn auch nur knapp - auch erreicht: eine Zeit unter zwei Stunden und somit im nächsten Jahr ein Start aus Gruppe 2. Meine Messlatte liegt mit der diesjährig gefahrenen Zeit von 1:59h schon recht hoch und da ich die Übersetzungssache nicht ändern möchte, wird hier wohl ein besseres Bergtraining nötig als dieses Jahr mit ca. 6000 hm...

Danke an das gesamte Team des HALLZIG Express für dieses unvergessliche Erlebnis! Meine Teilnahme am nächsten Glocknerkönig ist jetzt schon sicher!

Mein erster Triathlon

Aller guten Dinge sind 3 oder: Mein erster Sprint-Triathlon

2009 scheint das Jahr zu sein, in dem ich auf Biegen und Brechen mehr als 36 Jahre versäumte sportliche Erlebnisse nachhole: zuerst der Halbmarathon im Mai, dann die Neuseen Classics vor knapp drei Wochen und gestern eben mal ein Triathlon.

Zugegeben, es handelte sich nur um die Sprintdistanz und somit nur um 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Rad und 5 Kilometer Laufen. Und trotzdem…

Der Anstifter für die Teilnahme - mal wieder muss mein alter Klassenkamerad Gerhard herhalten - hatte vor anderthalb Wochen gesundheitliche Bedenken geäußert und sich ganze zwei Tage vor dem Wettkampf an die Ostsee verabschiedet, um sich von einem Muskelfaserriss in der linken Wade und einer Sehnenscheidenentzündung in der rechten Schulter auszukurieren. Mit anderen Worten: Er glänzte durch Abwesenheit!

War ich vor dem Halbmarathon etwas unsicher und nervös und vor den Neuseen Classics nur nervös, fühlte ich mich gestern bis zum Start wie vor einer äußerst schlecht vorbereiteten Abschlussprüfung. Ihr wisst schon, eine von denen, die eure Zukunft entscheiden… oder anders ausgedrückt: Ich war ein reines Nervenbündel.

Ich konnte zum Glück eine Woche vor diesem “Event” Daniel, den Papa der besten Freundin meiner Tochter, für die Teilnahme begeistern und war entsprechend froh, mich nicht gänzlich ohne Beistand in dieses aberwitzige Vorhaben zu stürzen. Ein Triathlon mit fast 37 Jahren? Größenwahnsinnig! Und wann war ich eigentlich das letzte Mal Schwimmen? Muss wohl im Oktober letzten Jahres gewesen sein. Das waren – gemäß dem Sprichwort “Wer viel übt, kann nichts!“ – ganze zwei Bahnen gewesen, auf denen „Old Gerhard“ meine Technik begutachtet hatte. Seine Einschätzung war ebenso kurz wie vernichtend: “Na, da musst Du aber noch fleißig üben!”

Tipps und Tricks für die Teilnahme, besonders für die Wechselzone, hatte ich genügend und gut aufbereitet im Internet gefunden. Entsprechend hatte ich alle notwendigen Utensilien sortiert in meiner Tasche und mein treuer zweirädriger Gefährte war startklar. Dies war also meine geringste Sorge. Ich hatte schlichtweg keine Ahnung, wie mein Körper auf nacheinander zu absolvierende 3 x 100% regieren würde…

Daniel holte mich und meine Große gegen neun Uhr morgens ab und brachte seine Frau und seine Tochter mit, die sich unbedingt den Wettkampf anschauen wollten. Über Bad Düben, Schköna und Gräfenhainichen ging die Fahrt ganz gemütlich nach Bergwitz.

Auf einer riesigen Wiese am See, die als Parkplatz umfunktioniert worden war, konnten wir einen guten Platz ziemlich weit vorn ergattern. Die Abholung der Startunterlagen lief schnell und problemlos. Hilflos war ich nur ein bisschen, als ein Mitglied des Orga-Teams mit einem fetten schwarzem Folienstift vor mir stand und mich abwartend ansah. Erst als er mit dem Stift auf meinen Oberarm deutete und “Darf ich?” fragte, rutschte bei mir der Groschen. Schnell krempelte ich den Ärmel hoch und machte noch schnell die frisch rasierte Wade frei. Nach zehn Sekunden prangte eine große “48” auf beiden Körperteilen.

In dieser Art lecker “tätowiert” schlenderten wir in Richtung Wechselzone und kamen erstmals in den „Genuss“, echten Athleten bei der Arbeit zuzusehen. Die Teilnehmer der Landesmeisterschaft und Landesliga im Sprint-Triathlon sowie die Teilnehmer am Staffeltriathlon waren eben gestartet. Auf dem See zogen die Schwimmer mit konstantem und für mich unglaublichem Speed durch die Wellen. Deren Bewegungen waren fließend und schön anzusehen: aus dem Wasser, den kurzen Steilhang hinauf und noch im vollem Lauf die Neoprenanzüge öffnend.

Als das Hauptfeld durch war und nur noch mit „Versprengten“ gerechnet werde musste, suchten wir uns einen für uns guten Platz in der Wechselzone und fanden diesen auch. Schnell waren die Räder aufgehangen und die Sachen sorgfältig platziert. Zum Glück deckten Daniel und ich alles ab, denn der Blick in den Himmel verhieß nichts Gutes. Von Westen zogen dunkle Wolken heran und der stetig blasende Wind sorgte für genug Wellen auf dem See. So regnete es kurze Zeit später ziemlich heftig und sorgte für entsprechende Stimmung unter den Startern.

Bei der Einweisung der Jedermänner 15 Minuten vor dem Start, es hatte mittlerweile wieder aufgehört zu regnen, traf ich dann noch Thomas, einen ehemaligen Schulkameraden aus Delitzsch. Auch er nahm zum ersten Mal an einem Triathlon teil.

Die Einweisung war kurz und die wichtigsten Dinge schnell erklärt. Das Neoprenverbot sei aufgrund der Wassertemperatur aufgehoben. (Konnte uns schnuppe sein, wir hatten ja gar keinen solchen Anzug.) Gestartet würde im Wasser in zwei Wellen. Die Teilnehmer mit den schwarzen Nummern Welle 1 um 12.30 Uhr, die mit den roten Nummern Welle 2 fünf Minuten später. Es gelte Windschattenverbot beim Radfahren und es würden bei Missachtung rigoros Strafzeiten vergeben oder sogar disqualifiziert. (Waren wir etwa Lutscher? Ts, ts, ts). Von den restlichen Erklärungen bekam ich nicht mehr all zu viel mit…

Mit Witzen und dummen Sprüchen versuchten wir uns auf dem gemeinsamen Weg von der Wechselzone zum Start abzulenken. Das klappte nur leidlich…

Daniel war aufgrund seiner Nachmeldung in die „2. Welle“ sortiert worden. Pfhh, den hätte ich nach dem Start im Wasser eh nicht mehr gesehen, sondern erst wieder im Ziel. Der letzte gemeinsame Lauf mit ihm rief noch jetzt Erinnerungen an zwei Tage elendigen Muskelkaters in mir wach…

Draußen auf dem bleigrauen Wasser des Sees dümpelten die drei Tonnen vor sich hin, die es zu umschwimmen galt. Und jetzt wurde mir schlagartig bewusst, dass ich noch nie eine solche Strecke am Stück im freien Wasser geschwommen war. Im Schwimmbad, jaaa, da! Aber hier? Der Wind hatte gerade mal wieder ein kleinen bisschen zugelegt als ich mich mit dem neben mir stehenden Thomas von fünf rückwärts zählen hörte.

Was dann genau passierte und wie ich ins Wasser kam weiß ich nicht mehr so genau. Der Untergrund, das fiel mir aber noch auf, war mir kleinen und großen Kieseln durchsetzt und es war fast eine Wohltat, endlich die Füße vom Boden zu nehmen.

Schwimm!

Ich begann zu kraulen und es klappte ganze fünf Sekunden recht gut…, bis ich zum ersten Mal den Kopf nach links drehte, um Luft zu holen. Platsch! Da klatschte eine Welle ins Gesicht und statt Luft hatte ich nur Wasser im Mund. Zum Glück verschluckte ich mich nicht, spukte das Wasser aus und jappste einmal ein und aus. Was hatte Gerhard mir noch auf den Weg gegeben? „Wenn Du Panik bekommst oder denkst, es klappt nichts mehr, dann wechsle den Schwimmstil!“ Gut, da versuchte ich es mit dem guten alten Brustschwimmen. Nun bekam ich zwar etwas besser Luft, sah aber voller Panik, dass die erste Tonne noch ewig weit weg war und sich das Feld vor mir schon abgesetzt hatte. „Schwimm zu und komm bloß nicht als Letzter aus dem Wasser!“, sagte das Teufelchen. „Schwimm ruhig und gleichmäßig. Die Zeit ist egal, der Spaßfaktor zählt!“ sagte das Engelchen. Aus einer Mischung von beiden paddelte ich weiter. Ich schaffte es tatsächlich, an der ersten und zweiten Tonne nicht als Letzter vorbei zu schwimmen. Nach der dritten und letzten Tonne ging es dann irgendwie kurz mal drunter und drüber. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich wurde von den ersten Schwimmern der 2. Welle „überschwommen“. Ich registrierte noch, dass ich plötzlich unter Wasser war und ich einen Fuß ins Kreuz bekam. „Aua!“ konnte ich nicht rufen, nur nach Luft schnappen, als ich wieder oben war. Klar, was hatte ich auch die Stirn, hier so herum zu dümpeln.

Noch zehn Meter bis zum Ufer und der unmittelbar folgende Steilhang, den man (ich!) noch hinauf zur Wechselzone musste, lauerte schon.

Kurz bevor sich den Wellen des malerischen Bergwitzsees am nicht allzu feinen Sandstrand brachen, spürte ich endlich groben Kies unter den Fußsohlen. Taumelig verließ ich das Wasser und kämpfte mich den sandigen Hang hinauf. Mein benebeltes Unterbewusstsein registrierte noch die anfeuernden Rufe aus zwei mir gut bekannten Kinderkehlen: „Papa! Papa! Papa!“

Auf dem Rad oder „Wie man seinen Tacho loswird“

Mit etwas wackligen Beinen rannte ich in die Wechselzone und zu meinen Sachen. Das Shirt überzuziehen stellte sich als erste Gemeinheit heraus. Wer mal versucht hat, über einen nassen Leib ein hautenges Kunstfasergewebe im Rekordtempo überzuziehen, weiß, wovon ich rede. Das bekam ich dann mit einem Gewusel von sich windenden Händen und Armen auch hin. Die Triathlonhose ging da schon schneller drüber. Nur noch kurz mal mit dem Handtuch über die Füße, Socken an, in die Radschuhe rein und Helm auf! Das einhändige Schieben des Rades beim schnellen Laufen ging sehr gut. Bis mir auffiel, dass ich ohne Startnummer war. Mist! Die lag mit dem extra dafür angeschafften Startnummernband noch unter den Laufschuhen. Schnell stellte ich das Rad an die äußere Begrenzung der Wechselzone, an der einige Zuschauer standen und hastete zurück. Das Umschnallen im Laufen ging gut, Rad schnappen, Transponder an die Magnetwand halten, noch 10 Meter gelaufen und ab auf die 20 Kilometer lange Radstrecke!

Jetzt auf dem Rad und somit auf mir gut bekannten Gefilden unterwegs fühlte ich mich wieder wohl. Ein prüfender Blick auf den Tacho ging ins Leere. Weg! Geklaut! So eine Gemeinheit! Die Trauer über meinen verlorenen treuen, wenn auch sehr preiswerten, Begleiter währte nur kurz. Kurven auf dem noch feuchten Kopsteinpflaster in Bergwitz verlangten wieder etwas Konzentration. Die Strecke über Selbitz zum Wendepunkt nach Schleesen ist nicht sehr anspruchsvoll und die zu überquerende Brücke empfinde ich sogar als kleine Abwechslung. So gelingt es mir sogar, einen guten Teil der vor mir aus dem Wasser Gekommenen wieder zu überholen. Ich bin schon auf dem Rückweg nach Bergwitz, als mir Daniel mit seinem Mountainbike und einem breiten Grinsen entgegen kommt. Er strampelt ganz schön kraftvoll und konstant, hat aber leider gegen die Triathlonräder und Zeitfahraufsätze kaum eine Chance. Fünf Kilometer vor Bergwitz überholte ich noch Thomas, der ebenfalls auf einem Mountainbike unterwegs ist. Er trieb mich noch von hinten an und ich rief über die Schulter zurück, dass wir uns gleich beim Laufen sehen würden.

Der Rest und kleine Nachlese

Noch auf der Zielgeraden „donnerte“ ich an drei bereits bremsenden Fahrern vorbei, klickte aus und sprang vom Rad. Da ich zum Glück keine großen Pedalplatten unter den Schuhen hatte, konnte ich noch an ein paar weiteren Teilnehmern auf dem Weg zur Wechselzone vorbeihasten. Rad am Sattel aufgehangen, Helm ab und Wechseln der Schuhe. Und schon ging es auf die zwei Runden der insgesamt 5 Kilometer langen Strecke. Das Laufen klappte erstaunlich gut und ich fand meinen Rhythmus schnell. Zweimal kam mir unterwegs Daniel entgegen, der Handschlag dabei war obligatorisch. Ich freute mich dabei jedes Mal diebisch, dass ich bisher durchgehalten hatte.

Der Zieleinlauf war dann, von den links und rechts stehenden Zuschauern mal abgesehen, recht unspektakulär. Ich war nur froh, endlich da zu sein. Thomas schien es ähnlich zu gehen, wir lagen uns kurz in den Armen und werteten das eben Geschaffte aus. Kurze Zeit später kam auch Daniel ins Ziel. Er sah es alles etwas gelassener und meinte nur lapidar mit einem Grinsen: „Ja, hat Spaß gemacht.“

Und das hat es auch – im Nachhinein. Die Wertungslisten hingen bald darauf aus und etwas ungläubig las ich meinen Namen hinter dem 83. Platz. Bei 164 gefinishten Teilnehmern also – mal wieder – Mittelfeld. Das Dümpeln beim Schwimmen (00:15:59) konnte ich beim Radfahren (00:36:45) und Laufen (00:24:08) wieder etwas wettmachen. Die Gesamtzeit meines ersten Volkstriathlons finde ich mit 01:16:52 fantastisch.

Ob ich mir das nochmal antun werde? Ich denke schon…


Neuseen Classics 2009...

alt

...oder „Blut ist der Saft, der Wunder schafft“

Wie schreibt man über ein Ereignis, dass so ganz anders war, als alle Radsportveranstaltungen vorher. Und welches einen auch, ist man mitgefahren, ein klein bisschen verändert… Und wo beginnen? Tja, am Besten am Anfang.

Die Entscheidung, die Neuseen Classics mitzufahren, hatte ich bereits im letzten Jahr getroffen. Und das noch vor meiner ersten Teilnahme an einer RTF…

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Mein erster Halbmarathon


Des Einen Leid...
Da war sie also, die Teilnahme am ersten Halbmarathon über 21,1 km rund um den Goitzschesee bei Bitterfeld.
Ja, manchmal kann ein leichtsinnig gegebenes Versprechen im Winter für ein erfrischendes Erlebnis im Frühling sorgen. Und manchmal gibt es auch ein böses Erwachen...

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