Erlebnisberichte

An English Man in New York, oder als ACLer allein unter HALLZIGern…

Die Betrachtung eines (noch?) Außenstehenden der Himmelfahrtstour 2011

Naja, so allein fühlt man sich ja nun wirklich nicht, wenn man mit dem HALLZIG EXPRESS unterwegs ist… Lange angekündigt, rückte es näher: Das Himmelfahrtskommando. Und mit dem Herannahen wurde das dazu gehörige Wetter immer interessanter. Einschlägige Seiten wurden öfter frequentiert und was nicht selbstverständlich ist: Die Verantwortlichen prognostizierten ideales Radsportwetter.

Die Anmeldungen schnellten in die Höhe und wenn alle ihr Kommen wahr machen, würde ein ansehnliches Feld zusammen kommen. Was sich ja dann auch so ereignete.

Vor der Tour ging es mir wie mancher Frau: Ich stand vor dem Schrank und fragte mich, was ich anziehe. Ziehe ich meine ACL-Kleidung an? Ich hätte kein Problem damit als blauer Punkt in der Schwarz-Weiß-Roten Trikotlandschaft der HALLZIGer aufzufallen.
Aber heute ist Himmelfahrt und es sollte eine gemütliche Ausfahrt werden. Also entschied ich mich für schwarz-weiß. Das ist etwas ziviler und kommt dem Hallzig-Outfit auch etwas näher. Dass mich selbst diese camäleonhafte, von Understatment strotzende Tikotkombination nicht vor massiven Abwerbungsversuchen schützen sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

altIn organisierten Fahrgemeinschaften begab wir uns nach Salzmünde, dem Startort der diesjährigen Tour. Und tatsächlich trudelten in der halben Stunde vor dem offiziellen Start alle Protagonisten ein. Begrüßung und Hallo, nebenbei mussten die fahrbaren Untersätze noch zu ihrem Zweck hergerichtet werden, eine Schraube hier und eine Einstellung dort, ja auch für Fahrräder gibt es vor dem Einsatz eine Maske…Kurz nach 10 Uhr, dem geplanten Start setzte sich das Feld aus 19 HALLZIGern, pardon 18 plus einem Gefühlten, in Bewegung und man verließ Salzmünde gleich mit einem Anstieg Richtung Polleben.

Eine gemütliche Ausfahrt zu Himmelfahrt sollte es werden. Aus diesem Grund schnallte ich mir mein Crossrad unter die Füße, mit Straßenreifen zwar, aber in Erwartung einer moderaten Belastung die bessere Alternative. Dass dies eine Fehlentscheidung war dämmerte mir alsbald. Der erste Anstieg wurde gleich sehr zügig genommen und das Feld zerriss, na prima dachte ich, das kann ja was werden, es ist also wie immer, wenn mehrere (Kerle) unterwegs sind. Aber, oben angekommen, sah ich, wie die Ungestümen ihren Verfolgern auflauerten, sprich warteten und das Feld wieder zusammen führten. Da der Berg gleich am Anfang war formierte sich das Feld eben etwas später.

In organisierten Zweierreihen fuhren wir nun Richtung Nordost nach Polleben. Dass aus dieser Richtung der Wind kam ist nur eine kurze Bemerkung wert. Es ist der Himmelfahrtstag, aber irgendwie ist er auch ein Tag der Radfahrer, da er die zugelassene Promillegrenze zum Führen eines Fahrzeuges etwas nach oben setzt. Auf Grund dessen ist die Anzahl der anzutreffenden Fahrradfahrer an diesem Tag etwas höher und irgendwie schlossen auch die Autofahrer am heutigen Tag mit uns ihren Frieden. Unser großes Feld war nur schwer zu überholen, es wurde viel Rücksicht genommen und auch angehupt wurden wir nicht. Einen Vergleich mit den heiligen Kühen in Indien halte ich indes trotzdem für übertrieben…

Neben den vielen Dörfern, die es zu durchfahren galt, war Klostermansfeld das einzige mir einigermaßen bekannte. Was sollte ich denn machen, diese Gegend zu erradeln fällt nicht in das tägliche Portfolio eines Leipzigers. Störmthal und Oelzschau müssen andere googeln, bei uns gehören sie zum Wortschatz. Aber das Wort HALLZIG setzt sich ja aus zwei Städtenamen zusammen: Halle und Leipzig. Ist dieser Begriff doch schon seit einiger Zeit Symbol für eine einzigartige Verbindung von Radsportlern aus diesen beiden Städten und ihrer Umgebung. Die Sportfreunde aus dem Sachsen-Anhaltinischen hatten ganze Arbeit geleistet um uns ihre Heimat näher zu bringen, was ihnen hiermit auch gelungen ist.

Über Leimbach ging es nach Saurasen, als plötzlich am Ortschild alle anhielten. Was ist nun los, fragte ich mich, aber die Lösung erschloss sich mir sogleich. Ein Gruppenfoto mit dem Ortsschild im Hintergrund sollte gemacht werden. Was auch geschah. Dass wir für das Motiv die halbe Straße blockierten, hat keinen gejuckt, auch die Autofahrer nicht, irgendwie war heute ein besonderer Tag.

altRammelburg und Friesdorf waren die nächsten Ortsdurchfahrten und irgendwie machte sich die Sehnsucht nach dem Mittagessen bemerkbar. Hatte ich nur wenig gefrühstückt und beim Losfahren meine Unterwegsverpflegung im Auto vergessen.

In Wippra sollte die Einkehr sein und gut gelaunt nahmen wir auf dem Freisitz der Gaststätte Platz. 19 Leute wollen neben anderen Gästen auch versorgt sein. Die Wartezeit aufs Essen kam manchem sicher etwas lang vor, was bei einer leichten Unterzuckerung übrigens immer so ist. Der Anspruch sinkt mit der Dringlichkeit. Die Menge des Essens war auf homöopathische Dosen begrenzt, bei gleich bleibendem Preis natürlich. Wir wollten heute fröhlich sein, aber hier kam mancher an Grenzen. Der Wirt mit seiner reziproken Einstellung zum Service sorgte dafür, dass wir beim Aussuchen des nächsten Ziels Kreativität zeigen werden. Wir waren nicht nur im Tal der Gastronomie, sondern auch in einem topografischen Tal gelandet. Dort mussten wir wieder raus. Die nächsten 5 km hieß es: Anstieg. Jeder fuhr unterschiedlich schnell am Limit (Irgendwie gehört die Belastung ja auch dazu) und oben wurde wieder gewartet, aber nicht nur bis der letzte oben ist, um dann sogleich weiter zu fahren und er dann keine Pause hat. Nein, auch die letzten bekamen ihre Zeit zu verschnaufen…


Es folgten Grillenberg (kannte ich noch von der Grupettotour 2007; die Betreiberin war so ähnlich wie der Wirt in Wippra) und Gonna. Eine sehr freie Interpretation der vorgeplanten Strecke (Abkürzung) ließ uns über Annarode und Siebigerode nach Helbra gelangen. Die Lutherstadt Eisleben, Unterißdorf, sowie Wormsleben waren die letzten Stationen vor dem Süßen See. Ihn rechts flankierend fuhren wir immer wieder lustigen Menschen begegnend, auf schmalen Pfaden Richtung Seeburg. Die Menschen feuerten uns gelegentlich mit „Täve, Täve“- Rufen an. Der lange Arm der alten Zeit, aber deswegen machen wir das Ganze ja…

altSeeburg deswegen, weil wir dort noch einen zweiten gastronomischen Stopp geplant hatten. Wir wollten noch in eine Eisdiele einkehren: Erstens stand es bei den meisten auf der Appetitsskala ganz oben und zweitens mussten wir die kulinarische Demütigung vom Mittag wieder vergessen machen. Ob der der vielen Leute am Straßenrand, der Süße See ist ein erstklassiges Ausflugsziel an solchen Tagen wie heute, hatte ich so meine Befürchtungen ob sich dieser Zustand nicht in der Eisoase fortsetzen würde. Was er auch tat. Ohne anzuhalten setzten wir die Fahrt fort. „In Salzmünde gibt es auch ein kleines Eiscafè“ motivierte ich die Mannschaft und mit der Fatamorgana einer Eistüte im Kopf bewältigten wir dann auch den letzten längeren Anstieg der Tour.

Die für diesen Tag geplanten 100 km waren zu diesem Zeitpunkt schon heillos überschritten, was keinen aber wirklich gestört hat, denn wer länger fährt hat länger Spaß. Was nicht nur das Credo an diesem Tag war, sondern auch im virtuell Kleingedruckten der Satzung der HALLZIGer steht.

Das Eiscafè in Salzmünde wurde regelrecht gestürmt (siehe Bild), kühlte es doch die von Temperament und Sonne erhitzten Gemüter.


Auf dem Parkplatz folgte nun das obligatorische Abschlussfoto mit dem Rückbau der Fahrräder in kofferraumtaugliche Formen. Die im Anschluss folgenden dramatischen Abschiedsszenen werden hier nicht näher beschrieben.

Grüße Ralf