Erlebnisberichte

LE Biketour 2011 oder Mal eben nach Berlin und zurück…

Am 02.09.2010 trug ich mich in die Anmeldeliste zur diesjährigen L.E. Biketour ein. War es richtig gewesen, dies zu tun? Egal, ist ja noch über ein halbes Jahr Zeit, dachte ich. Die Zeit verging, das Frühjahr nahte und ich konnte endlich die gemeinsamen Ausfahrten des Express genießen. Die Fahrt zum Bärenherz am 28.Mai und der anschließende „Flug“ zum Goitzsche Camp sollte die letzte Belastung eine Woche vor der Tour werden.

Nun war es soweit, der Samstag rückte näher und der Wetterbericht versprach ideale Voraussetzungen. Am Freitag wurde nochmals das Rad auf alle Funktion geprüft, die Reifen nach Schäden abgesucht und der Vorbau nach oben gedreht. Prima, alles in Ordnung! Ich bin dann noch schnell um 22.00 Uhr im Cinestar gewesen, damit ich am Samstag möglichst lange schlafen kann.

Samstags dann um 12.00Uhr raus aus dem Bett, frisch gemacht und eine riesen Portion Nudeln mit Hackfleischbällchen hinunter geschlungen. Die Anspannung macht sich langsam bemerkbar und die Hektik breit… Trinkflaschen werden gefüllt, der Rucksack gepackt und dann klingelt es auch schon. Freund und Teamkollege Sven ist erschienen! Jetzt schnell unsere Räder im Caddy verstaut und wie immer - wenn ich aufgeregt bin - der Gang zur Toilette.

altEndlich ging es los, wir fuhren zusammen mit Frauchen nach Leipzig und rückten an der Thomaskirche an, wo etliche Gleichgesinnte sich tummelten und den ein oder anderen Happen zu sich nahmen. Schnell gemeldet, die Startnummer am Rahmen befestigt und den Rucksack in einen größeren Plastiksack mit derselben Nummer gestopft und im Begleitfahrzeug verstaut. Da das Stadtfest in vollem Gange war, fiel wurde noch einer der „Fressstände“ geplündert und ein kleiner Snack verzehrt. Ein abschließender Sprint zur Toilette und schon stand auch ich abfahrbereit inmitten der ca. 100 anderen Radverrückten. Ein letztes „Bye-bye, bis morgen“ rief ich meiner Familie zu. Eine kurze Ansprache auf dem Stadtfest sollte den Besuchern vermitteln, dass es tatsächlich Leute gibt, die per Fahrrad mal eben eine Runde nach Berlin und zurück drehen.

Start! Alles rollte los, in 2er Reihe über rote Ampeln (gesichert von den Begleitmotorädern) quer durch die Stadt Richtung Völkerschlachtdenkmal zum Gruppenfoto. Das war schnell im Kasten und der Spruch „Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin“ lies uns endlich aufbrechen. Es ging über Eilenburg nach Torgau (Kilometer 60) wo belegte Brötchen, Cola, Wasser, Riegel, Bananen und das Gepäck bereitstanden. Schnell 2 Brötchen eingeworfen, die Trinkflaschen vollgemacht und wie alle anderen, die Lampen aktiviert. Immer wieder fragte ich mich: „Werden mir die Triggerpunkte am Knie und Hüfte Sorgen bereiten?“

Weiter ging es bei immer noch 25 Grad in das Dunkel hinein Richtung Dahme (Kilometer 111) wo der nächste Verpflegungsstopp war. 15 Minuten später rollte es wieder und die kleinen Zwicker am rechten Oberschenkel waren wie verschwunden.

Die nächsten Kilometer verliefen recht monoton, da Sven nicht neben mir fuhr und so leider nicht gequatscht werden konnte. Die Zeit wäre da schneller vergangen… Durch ab und an plötzlich auftauchendes Kopfsteinpflaster fuhr jeder wie er wollte und konnte und somit hatte man dann immer wieder jemanden Anderes neben sich. Man musste zu jeder Zeit mit voller Konzentration fahren und immer wenigstens eine Hand an der Bremse lassen. Mein Vordermann schien keine Folge von „Telegymnastik“ verpasst zu haben, so vertrieb auch ich mir die Zeit durch „Synchron Dehnen“ und lockerte mich regelmäßig.

altDie nächste Rast in Storkow (Kilometer 182) stand an, wo es gekochte Pellkartoffeln, Kaffee und Tee gab. Noch zwei Riegel und eine Banane hinterher und schon konnte es weitergehen. Die Fahrt ging weiter über ruhige Landstraßen, durch dichten Wald und durch verschlafene kleine Orte, deren Bewohner von ihren Grills weg neugierig an den Zaun rannten und uns verhalten zujubelten.

Allmählich fing es an zu dämmern und im Morgengrauen wurde in Wernsdorf (Kilometer 233) haltgemacht. Ich nutzte die Gunst der Stunde, griff meine extra eingepackte halbe Rolle Klopapier und verschwand mit einem Sprung ins grüne, dichte Unterholz. 23 Blatt und 3 Lagen später entstieg ich der Flora und Fauna sichtlich erleichtert.

Weiter ging es! Ab Berlin–Schöneweide machte die Motorradeskorte der Berliner Polizei alle kommenden Kreuzungen dicht. Unzähliges, meist junges Partyvolk, jubelte und klatschte uns zu. Sprüche wie „Um 5.00 Uhr fährt man doch kein Rad, da ist man besoffen!“ konnte man ebenfalls hören. Etliche Kreuzungen und Ecken später befuhren wir den Pariser Platz und das Brandenburger Tor (Kilometer 265).

Nach einem kurzen Aufstellen zum Gruppenfoto und anschließendem Klamottenwechsel ging es gegen 05.00 Uhr nun der hell strahlenden Sonne und somit der Heimat entgegen. Eigentlich sollte gegen 6.30 Uhr Rast in Märtensmühle (Kilometer 321) sein. Es wurde dann aber doch erst 7.15 Uhr… Mein Magen knurrte mittlerweile bedrohlich und so stürzte ich mich auf die endlich erreichte und reichlich gedeckte Tafel. Jetzt konnte ich mir sogar nach dem Brötchen noch Kuchen gönnen. Mit jedem Bissen mehr, wünschte ich mir einen größeren Verdauungstrackt…

15 Minuten später ging es von der Polizei eskortiert weiter in Richtung Dommitzsch (Kilometer 384) zur Überquerung der Elbe. Am anderen Ufer angekommen wurde das Rad ins Gras geworfen und mit Tunnelblick bzw. schnellen Schritten das Fährhaus geentert. Endlich wieder eine Toilette! Was für eine Wohltat! Fluchs frisch gemacht und die kurzen frischen HALLZIG-Sachen angezogen.

alt

Auf ging es dann, um die finalen Kilometer zu meistern. In Eilenburg zogen Sven und ich aus ca. 6er Reihe am Feld vorbei den kleinen Hubbel hoch. Gemurmel war zu hören… An der Spitze fuhren wir jetzt bis kurz vor Leipzig, wo wegen einer nicht zu frühen Ankunft auf dem Stadtfest noch mal kurz gestoppt wurde.

Quer fuhren wir dann durch die Stadt und trafen gegen 14.15 Uhr - von jubelnden Massen begrüßt - vor die Hauptbühne auf dem Markt (Kilometer 430) ein. Eine kurze Rede wurde gehalten und dann gönnten wir uns zu einem Bier etwas Gegrilltes. Wir hatten schon vor der Abfahrt beschlossen, die 500 Kilometer an diesem Tag „vollzumachen“ und nach der Tour noch nach Hause zu radeln.

Wie verabredet fuhr ein Arbeitskollege mit uns in Richtung Gossa. Dort angekommen (Kilometer 482) fehlten noch winzige 18 Kilometer! Kaum zu glauben, was man nach so einer Distanz dem Körper noch abverlangen kann. Diese 18 Kilometer „brannten“ wir über Krina, Schköna und Schmerz noch recht zügig ab. Sichtlich erleichtert beendeten wir mit hoch gelegten Beinen den Abend.




Kleines Fazit:
Jetzt, 4 Tage danach, ist der Muskelkater kaum noch wahrnehmbar. Getreu des Mottos „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören!“ war dies nach 2 beendeten und einer nach der Hälfte abgebrochenen LE Biketour die Letzte. Fragen zur Tour beantworte ich gern.

Euer Ronny