Erlebnisberichte

„I am an Iron Man!“

…diesen Satz wollte ich sagen und ich hab´s getan – am 10.07., in Zürich, um genau 17.24 Uhr und 8 Sekunden!!!

In 10:24:08 h erreichte ich Platz 204 in der Gesamtwertung und einen 37. Platz in der Altersklasse, bei über 2.200 Startern aus 66 Nationen.

Zuerst - für alle Fans von nackten Zahlen - die Einzelzeiten:

Schwimmen: 01:09:03 AK 69 Gesamt 423
Wechsel 1: 00:01:49
Rad: 05:28:41 AK 43 Gesamt 231
Wechsel 2: 00:01:57
Laufen: 03:42:35 AK 49 Gesamt 297

Mit meinem letzten Bericht am 24. März kündigte ich an regelmäßig ein Update zum „Projekt Iron Man“ zu schicken. Das ist mir leider nicht gelungen – das Training hat mich doch zu sehr in Beschlag genommen ;o).
Jetzt, nach 3 Wochen schaffe ich es endlich, ein paar Zeilen zu einer Erfahrung niederzuschreiben, die schwer in Worte zu fassen ist. Eine Erfahrung, die man einfach mal selber gemacht haben muss…
In den nachfolgenden Zeilen möchte ich in komprimierter Form ein paar Eindrücke und Daten auf meinem Weg zum Iron Man niederschreiben.

Wer den letzten Bericht gelesen hat kann sich sicherlich erinnern, dass ich bis Ende 2011 noch nie einen Halbmarathon oder Marathon gelaufen war, auch die 3.8 km, war ich nie zuvor in meinem Leben geschwommen. Nur über 180 km hatte ich schon einmal auf einer Radtour geknackt. Alle drei Disziplinen zusammen schon gar nicht. In meinem 3. Triathlon-Jahr wagte ich mich also bereits an die Königsdisziplin. Seit Januar hatte ich dafür in etwa die nachfolgenden Trainingsumfänge absolviert:
Schwimmen: 140 km = 5-6 km/Woche
Radfahren: 4700 km = 192 km/Woche
Laufen: 1.250 km = 48 km/Woche

Das war natürlich nicht immer einfach und verlangte oftmals äußerste Disziplin. Um Zeit zu sparen und um vom Tag etwas zu erleben trainierte ich häufig früh am Morgen oder auch bis spät in den Abend hinein (5.00 Uhr die früheste Einheit, 23.30 beendete ich die späteste Einheit). Die Regel war das nicht, jedoch manchmal nicht anders machbar, da einige Einheiten bis zu 5 Stunden dauerten (Radausfahrten, Koppeleinheiten).
Das Training umfasste von 8–22 Stunden pro Woche alles, was mir im Nachhinein betrachtet gar nicht so KRASS vorkommt. Am härtesten empfand ich die progressiven Läufe (z.B. 2 h GA 1 Rad, gefolgt von einen 2.30 h Lauf GA1 mit den letzten 50 min im GA 2 Tempo, circa 30 km), oder auch die 10 x 1.000 m in 3:45 min.

Die Schwimmeinheiten absolvierte ich überwiegend im Schwimmbad mit Anleitung durch einen Schwimmtrainer. Wo ich im letzten Jahr noch wie eine bleierne Ente schwamm, sah dass in diesem Jahr schon weitaus besser aus (Danke Holger!!!). Ab Juni ging es dann auch ins freie Gewässer, wo ich hin und wieder auch zwischen 3,5 und 4 km am Stück schwamm.

Die Radausfahrten waren sicherlich immer relativ lang, aber stets sehr schön und abwechslungsreich – so fuhr ich Beispielsweise 220 km von Leipzig auf den Inselsberg im Thüringer Wald, machte den Muldentalkreis unsicher oder stattete im Taunus dem Feldberg einen Besuch ab.

Laufen gehört sicherlich auch nicht zu meinen Stärken, aber auch hier habe ich ordentlich Fortschritte gemacht. Den halben Marathon hatte ich (Grimma-Wurzen) in circa 1:30 h geschafft, was wohlgemerkt mein erster Halbmarathon war (im April).Im Mai sollte die Generalprobe folgen, der Leipzig Marathon. Und hier gab es auch einen ersten herben Rückschlag, was auch mit leichten Zweifeln für den Finish beim IM begleitet war. Nach nicht mal 1 km hatte ich stechende Schmerzen an beiden Oberschenkeln, und dass bei einem Tempo was weit unter Trainingstempo lag. Vermutlich hatte ich mich nicht ausreichend erwärmt und zog mir einen Muskelfaserriss mit Einblutungen zu. Künftig werde ich immer gleich mit dem Laufen aufhören. Der Ehrgeiz trug mich jedoch bis km 21.1 km – dann bin ich ausgestiegen, was mir nicht besonders leicht fiel. Der Arzt sprach dann von mindestens 2 Wochen Pause, was mir natürlich überhaupt nicht gefiel. So belass ich mich im Internet und holte Rat bei aktiven Sportlern. 1 Tag später befand ich mich schon wieder im Schwimmbad und nutzte den Pullboy um die Beine zu entlasten. Auf´s Rad traute ich mich ebenso, jedoch nur mit Bandage. Das Laufen jedoch verschob ich auf die kommende Woche. Sicherlich im Nachhinein betrachtet relativ risikoreich, doch das pokern hatte sich gelohnt, nach 2 Wochen konnte ich das Tempo wieder erhöhen.

Somit musste ich meine Marathon Qualitäten zum IM in Zürich unter Beweis stellen, was schon ein wenig beunruhigendes Gefühl war, da ich bis auf einen Teammarathon im Januar(Finisher mit über 5 h) keinen weiteren Marathon gelaufen bin. Das Gefühl jenseits der 30 km konnte ich quasi auch im Training nicht simulieren.

Die Vorbereitung wurde durch verschieden Wettkämpfe begleitet, wo ich auch die nötige Tempohärte erlangte. Die Rennen (bis auf den Marathon Leipzig) bestätigten immer wieder, dass sich das Training auszahlte und gab mir Sicherheit. So konnte ich für meine Verhältnisse bei verschiedenen Radrennen (Velothon Berlin, Schleizer Dreieck, RTF´s, Neuseenclassics), Laufwettbewerben (Stadtranglistenläufe, Halbmarathon Grimma-Wurzen) und Triathlon Wettkämpfen (Silberstrom Triathlon OD, Moritzburger Schlosstriathlon HD) ganz gute Ergebnisse erzielen.
Die letzten 6 Wochen vor dem Wettkampf habe ich mich dann nochmals in Form einer Leistungsdiagnostik durchleuchten lassen. Aufgrund dieser Daten bekam ich noch einen persönlichen Trainingsplan, der für den nötigen Feinschliff sorgte. Speziell diese letzten Wochen vor dem Wettkampf haben dafür gesorgt, dass ich auf den Punkt fit für den Wettkampf war (Danke Ben!).

Nun aber zum eigentlichen Wettkampf – dem IM Switzerland!

Donnerstagabend reiste ich mit meinen treuesten Fans ;o) (Anne und meine Ellies – Danke!!!) nach Zürich. Komischerweise hatte ich im Hüftbeuger leichte Schmerzen, was noch durch Strom, Massagen und Wärmegel behandelt wurde. Beim Training hatte ich nichts bemerkt, es war urplötzlich da. Circa 3 Tage hatte ich diese Symptome, die aber bis Tag X einfach weg waren. Vermutlich war ich vor dem Wettkampf einfach so angespannt (und verspannt ;o), dass ich einfach alles ganz intensiv wahr genommen habe. An dieser Stelle auch ein Dank an die Phsyiotherapie Lindner (Sonja und Katja), die einige Blessuren erfolgreich behandelt haben und die steinernen Muskeln wieder weich und geschmeidig bekamen.
Während der Fahrt stopfte ich weiterhin Nudeln in mich rein. Carboloading war angesagt – die Kohlenhydratspeicher füllen!!!Da die Hotels utopische Preise verlangten haben wir auf einem idyllischen Zeltplatz in der Nähe von Zürich übernachtet. Am Freitag fuhren wir dann zum ersten Mal zum Wettkampfgelände (Landiwiese). Hier nahm ich an der Wettkampfbesprechung teil und informierte mich über das Reglement. Einige Dinge galt es zu beachten um nicht etwa eine gelbe oder gar rote Karte zu bekommen und somit für den Wettkampf disqualifiziert zu werden.
So langsam stieg natürlich auch die Aufregung. Viele Sportler waren bereits da und tummelten sich auf dem Gelände.

Heute galt es auch noch einmal kurz das Wettkampfgewässer auszutesten. So schwamm ich circa 30 min im Züricher See und es fühlte sich gut an. Endlich mal wieder Wasser wo man etwas sieht. Drei von den 8 teilnehmenden Japanern habe ich im Wasser getroffen ;o).
Am Abend gab’s natürlich weiterhin zahlreiche Kohlenhydrate...

Am Samstagmorgen, dann das Abschlusstraining, die Muskeln kurz antippen und das Material ein letztes Mal testen (35 min Rad, incl. 7 min WK-Tempo und 25 min Lauf incl. 5 min WK Tempo). Alles fühlte sich gut an und das Fahrrad konnte noch einem letzten Technikcheck verladen werden.
Beim Fahrrad-Check in war ich fast der Einzige mit einem einfachen Rennrad und Zeitfahraufssatz - die meisten Athleten traten mit den krassesten Zeitfahrmaschinen an. Ein Wahnsinn welche Gelder dort über den Platz geschoben wurden. Ob ich mit solch einem Rad noch ein paar Minuten rausholen könnte?
Nun war alles vorbereitet, noch einmal schlafen und es war soweit, kein Zurück mehr…

Am Abend wurden alle Sachen zusammengesucht und die Wettkampfnahrung zurecht gelegt. Leider schaffte ich es nicht zeitiger ins Bett als 23.00 Uhr und schon 4.15 Uhr klingelte der Wecker. Der Ernährungsplan sah Folgendes vor: vorm Start ein Riegel, während des Radfahrens alle 20 Minuten ein Gel und circa 4 l trinken, dazu zwei Riegel. Beim Laufen langsam auf Cola umsteigen um schnelle Energie zur Verfügung zu stellen. Gels je nach Bedarf weiter nachschieben. Soweit die Theorie…
Der Wecker klingelt 4:15 Uhr. Schnelle Katzenwäsche und ran an den Frühstückstisch. Es gab weiße Brötchen mit reichlich Honig und Marmelade. Bis zum Wettkampf trank ich weiter isotonische Getränke.

Eine Stunde vor dem Wettkampf begebe ich mich in die Wechselzone und bereite alles akribisch vor, gehe die Wechsel noch einmal im Kopf durch. Ich entschied mich für meine alten Radschuhe und gegen die Wettkampf Laufschuhe. Ich wollte hier kein Risiko eingehen, etwa ein Drücken verhindern und setzte auf mehr Dämpfung. Sicherlich hatte ich hier ein paar Sekunden eingebüßt, doch besser als mit irgendwelchen Blessuren zu kämpfen.
Das Melkfett an allen Reibepunkten durfte natürlich nicht fehlen. Die Verpflegungstasche war angebracht, die Radtaschen gefüllt. Alle Klamotten vorsorglich bereit gelegt. Ich hatte das Glück einer sehr übersichtlichen Zone mein Rad stehen zu haben. Bei 2200 Fahrrädern verliert man doch ab und zu den Überblick.

Dann ging’s auch schon rein in den Neoprenanzug. Vorher nochmal obligatorisch auf die Toilette, schnell ein Kussi abgeholt und mir über die Schulter spucken lassen. Dann ging’s auch schon zum Schwimmstart. Die Sonne war gerade aufgegangen, leichte Nebelschwaden bewegten sich über den See, eine aufregende Atmosphäre. Zunächst sprangen die Profis ins Wasser, die natürlich jede Menge Platz zum Schwimmen hatten.

Dann kommt der Massenstart. Ich platziere mich relativ mittig in der zweiten Reihe. Auf das „Gekloppe“ bei den ersten paar 100 Metern habe ich mich versucht einzustellen. Alle klatschen im Rhythmus in die Hände, bereit für die Königsdisziplin des Triathlons.
Dann fällt der Startschuss - es geht los. Auf den ersten 100 m muss ich gleich 2-mal meine Schwimmbrille wieder gerade rücken. Das Öfteren schwimmt mir jemand direkt auf die Beine, die bekomme ich kaum wieder hoch. Sicht nach vorne zur ersten Boje – Fehlanzeige. In meinen Rhythmus finde ich erst nach circa 1.000 m. Die gesamte Zeit bin ich quasi „blind“ geschwommen. Ich habe immer nur geschaut, dass jemand links und rechts neben mir war. Ob ich große Umwege geschwommen bin kann ich gar nicht sagen.

Circa bei der Hälfte der Strecke musste man circa 40 m über eine Insel laufen. Links und rechts ein wahnsinniger Fanauflauf. Auch meine Leute habe ich erspäht, ich wurde jedoch nicht erkannt, im Neo sieht eben doch jeder gleich aus ;o). Die zweite Runde lief dann viel besser, ich hatte Platz und konnte meinen Rhythmus abspulen. Bis an die Grenze ging ich nicht, immer hatte ich im Hinterkopf was mir noch bevor stand.
Bei 01:09:03 h steige ich aus dem Wasser. Eine Minute schneller als meine Zielzeit. Der Wechsel erfolgt problemlos und ich begebe mich auf die Radstrecke.

altBei den ersten 28 km, die überwiegend flach entlang des Ufers vom Züricher See verlaufen kann ich einige Radler einholen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bewegte sich bis dato bei circa 38 km/h. Acht gab ich vor allem auf die Abstände zum Vordermann um keine Karte zu kassieren. Es herrscht Windschattenverbot, 10 m vor und hinter einem Sportler muss Platz sein, der Überholvorgang in 30 Sekunden abgeschlossen sein.
Ab km 29 geht es die ersten Hügel hinauf. Dann der erste Schreck, 50 m vor mir kassiert ein Slowake die rote Karte (sofortige Disqualifikation). Er ist über die gestrichelte Linie bei dem Überhohlvorgang gefahren. Komischerweise wurde bei der Besprechung etwas von den durchgezogenen Linien gesagt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl würde man sich hier von den Wettkampfrichtern schon wünschen. Von nun an achtete ich noch akribischer auf die Regeln. So konnte man z.B. den produzierten Müll nur 50 m vor unter hinter den Verpflegungsposten entsorgen.

Die Nahrungsaufnahme funktionierte bisher nach Plan. Ich versuchte nicht zu überziehen und mich im Pulsbereich von 147 zu bewegen. Bis km 60 dachte ich mir, dass die 650 Höhenmeter nun rum sein sollten. Ich wurde vom Gegenteil belehrt. „The Beast“ stand mir noch bevor. Circa 3 km 12-14%, eine gefühlt nie aufhörende Rampe. Geschwindigkeiten von 13-15 km/h waren hier maximal möglich. Und das war nicht der letzte Anstieg. Weitere 5 km Anstieg, weniger Steil, aber stetig folgten keine 10 km später. Erst dann konnte man mit Geschwindigkeiten über 60km/h ins Tal rauschen.

In Zürich galt es dann noch den Heartbreak Hill zu überwinden. Circa 14% und eine Atmosphäre wie bei der Tour de France – durch einen Schlauch von Zuschauern wird man den Berg hochgetrieben.
An Der Bergkuppe, dann die Übergabe meiner persönlichen Verpflegung durch meine professionellen Helfer (Anne, Sonja und Ulli). Bei Puls jenseits der 150 leider die volle Flasche abgegeben und die leere am Rad behalten. Genügend Gels konnte ich hingegen greifen. Dann ging’s wieder hinunter und auf die zweite Runde.
Nun kristallisierten sich kleinere Grüppchen heraus, die sich immer wieder gegenseitig überholten und so das Tempo relativ hoch hielten. Ich achtete weiter akribisch darauf nicht zu überpacen um einen unnötigen Kräfteverlust zu erleiden. Die Berge versuchte ich wie eine Nähmachine hochzufahren und nicht aus dem Sattel zu gehen, kleine Gänge mit mehr Umdrehungen (a la Jan Ullrich Manier @ Bastschupp vielen Dank für den Tipp und die geile Radeinheit im Hausflur ;o).

Die zweite Runde am „Beast“ war schon sehr hart – doch man konnte es an den Gesichtern der anderen Athleten ablesen, diese Rampe fiel keinem wirklich leicht. Bei Kilometer 147 hatte ich einen ersten Krampf im vorderen Oberschenkelmuskel. In so einer Situation bist Du natürlich erst mal kurz geschockt. Aus dem nichts verkrampfen sich die Muskeln. Ich nahm kurz das Tempo raus und ging in den Wiegetritt, versuchte den Krampf kurz rauszudehnen. Dies gelang mir dann auch und ich konnte den Rhythmus wieder aufnehmen.
Kurz vorm Heartbreak Hill meldete sich dann der Krampf zurück, den ich aber erneut rausbekam. Eine Ursache dafür könnte gewesen sein, dass ich zu wenig getrunken habe. Nach 05:28:41 h erreiche ich den Wechselgarten, was in etwa einem 34er Schnitt entsprach. Eine wirklich anspruchsvolle Radstrecke. Ein höheres Tempo wäre vielleicht möglich gewesen, jedoch wäre das wahrscheinlich mit einem Einbruch auf der Laufstrecke verbunden gewesen.

Motiviert hat es mich auf der Radstrecke vor allem die Athleten mit Zeitfahrmachinen zu überholen. In der Disziplin „einfacher Rennradfahrer“ bin ich sicherlich unter den ersten gewesen ;o)
Der Wechsel verläuft reibungslos und ich kann mich auf die Laufstrecke begeben. Nun musste ich auch dringend auf die Toilette, hatte schon richtig Bachschmerzen. Die ersten beiden Möglichkeiten waren leider besetzt. Dann endlich ein Pissoir. Kopf angelehnt und 50 Sec laufen lassen, eine herrliche Pause!!! Und nun gings „entspannt“ weiter.
Den Ernährungsplan hielt ich dann schon nicht mehr so richtig ein. Nachdem ich auf dem Rad anscheint schon zu wenig getrunken hatte und das eine oder andere Gel vernachlässigt habe, verköstigte ich mich nun an den Verpflegungsständen. Aus sportlicher Sicht, hätte ich sicherlich den Ernährungsplan durchziehen müssen (Gels beim Laufen, Cola und Wasser).
Doch irgendwie bestand mein Kopf und Körper auf „Belohnungen“. So gab es an fast jedem Verpflegungsstand Orange, Aprikose, Cola, einen kalten Schwamm oder ein kleines Stück Banane. Das trieb mich dann immer wieder zum nächsten Verpflegungsstand, die ich alle zügig durchlaufen bin, ohne wirklich anzuhalten. Einige Läufer konnte ich einholen, aber auch ich wurde hier und da von einem stärkeren Läufer geschluckt. An die vorgegebenen Laufzeiten hielt ich mich nun nicht mehr. Auch hier sagte mein Kopf irgendwie „Lauf, so wie es Dir Spaß macht, tu nicht überpacen, Du willst das Ding finishen“. Eigentlich war ich froh als nach circa 20 km meine Uhr ausfiel, ich konnte mich ganz auf mein Gefühl konzentrieren. Es war wie eine Befreiung die Uhr und den Brustgurt an meine Betreuer abzugeben. Oft dachte ich während des Laufens an meine zurückgelegten Laufkilometer in den letzten 6 Monaten. Ich versuchte es nicht zuzulassen, das mein Körper bis km 30 „Bedenken“ anmeldet. Zu oft bin ich diese Distanz ohne Probleme gelaufen. Und doch war es bei circa 25 km soweit, dass ich so langsam an meine Grenzen stieß. Die Beine wollten mich nicht mehr schneller laufen lassen, aber irgendwie liefen sie trotzdem einfach weiter so vor sich hin. Eine Erfrischung brachte ein Gewitterregen. Als die Sonne dann wieder rauskam, hatte ich kurz mit der Wärme zu kämpfen. Der Streckverlauf war sehr verschlungen, was jedoch zuließ, dass ich meine Fans regelmäßig sah. Es ist super und sehr motivierend Deine Unterstützer an der Seitenlinie zu haben.

Kleinste Anstiege fühlten sich nun bereits irrsinnig anstrengend an (10 m Anstiege). Motivierend waren auch die Armbänder, die man für jede absolvierte Runde erhielt. Als ich mir das blaue Band für die letzte Runde überstreifte, glaubte ich fest daran, zu finishen.
Doch es war nicht so, dass ich nur durch pure Euphorie ins Ziel geflogen bin. Jeder Meter musste hart erkämpft werden und ich lief weiter von Verpflegungsstand zu Verpflegungsstand. Insgesamt hatte ich bis dato sicherlich fast 3 Liter Cola in mich eingeschüttet.
In der letzten Runde musste ich dann noch 2 mal anhalten um sich ankündigende Krämpfe in Waden und hinteren Oberschenkelmuskeln vorzubeugen – ich dehne also kurz durch. Selbst die letzten 2 km fielen mir schwer und erschienen mir wie 4 km. Ich denke an die absolvierten Trainingskilometer zurück und mir fällt eine Last von den Schultern als ich den Zielbereich sehe. Beim Einlaufen spüre ich nur noch Freude, meine Fans (auch Gurke und Franzi waren nun da) stehen an der Seitenlinie, ich sehe meine nicht zu träumen gewagte Zielzeit vor mir und fliege nun doch die letzten Meter ins Ziel.

Geschafft – „I am an Iron Man!“

Wie soll ich meine Gefühle beschreiben??? Ich versuche es gar nicht erst, fragt die Träne die mir über die Wange lief…
Werde ich noch einen Ironman machen??? Nächstes Jahr sicher nicht, Nachwuchs steht ins Haus! Das schließt aber nicht aus, dass mich das Fieber irgendwann noch einmal packt.

Viele Grüße
Faber