Erlebnisberichte

3 HALLZIGer beim Leipziger Wintermarathon

altEtwa zum Monatswechsel Oktober/November 2011 hörte ich vom 3. Wintermarathon im Clara Zetkin-Park in Leipzig. Dieser sollte am 21.01.2012 stattfinden. Dafür war ein Team mit 3 Läufern zu bilden, welche auf jeder Runde (8x5km und 1x2km) die Start/Zieldurchläufe und auch das Finish gemeinsam bestreiten müssen, ohne dass also das Team unterwegs auseinander bricht.

Das Training über den Winter sollte durch Laufen sowieso etwas Abwechslung erfahren, aber an einen Marathon dachte ich dabei nicht. Die bisherigen wenigen Läufe meines Lebens überschritten garantiert nie die 10-km-Marke und waren zudem ewig her. Und trotzdem arbeitete es in mir… mal bei den HALLZIGern nachfragen, ob jemand Lust auf so was hat!

3 Monate sind zur Vorbereitung nicht viel, aber es fand sich spontan ein Team zusammen, bestehend aus Uwe Hanke, Matthias Gelsdorf und mir (Andreas Kneisel). Matthias lies seine Zusage auch bestehen als er feststellte, dass man die ganze Strecke laufen muss und nicht, wie von ihm fälschlicherweise erst angenommen, die Strecke durch 3 Läufer a 14km geteilt wird ;-) So kam es zum ersten Trainingslauf. Uwe und ich verabredeten uns bei herrlichster Wintersonne und trockenen Bedingungen zu einer 16km (!) Runde, Muskelkater danach inklusive. Aber eigentlich lief es gut, sodass wenige Tage darauf ein weiterer Lauf von etwa 11km um und am dunklen Schladitzer See stattfand. Eines sonnigen Morgens liefen wir um diesen See zwei Runden und näherten uns damit der 20km-Marke. Uwe und Matthias nahmen zudem noch am Auewaldlauf teil. Anfang Dezember ging es einmal ans Eingemachte, wir wollten die Kilometerzahl weiter nach oben schieben und liefen zu dritt eine 33km-Strecke, welche Matthias und mir schon einige Schmerzen abforderte. Uwe mit New York Marathon - Erfahrung motivierte uns jedoch durch ausgesprochenes Lob für’s durchhalten.

So rückte der Termin des Marathons näher und Anfang Januar raffte mich eine Erkältung nieder, welche jegliches Training stoppte. Matthias und Uwe absolvierten noch einen Trainingslauf, wegen widriger Wetterbedingungen jedoch als verkürzte 2-Stunden-Variante. Für mich reichte es eine Woche vor dem Termin lediglich noch zu einem lockeren 10- km-Läufchen.

Der Termin war ran und wir fanden uns pünktlich an der Startnummernausgabe im Clara Zetkin-Park ein. Während Uwe mit dem Auto anreiste, legten Matthias und ich die etwa 10km-Hinfahrt mit dem Fahrrad zurück, wofür dieser mich jedoch erst als „beknackt“ abstempelte. Zum warmwerden stellte es sich aber als optimal heraus.

altDie Wartezeit auf den Start wurde verkürzt, indem noch mal diskutiert wurde, welches die richtige Kleidung sei und auch der obligatorische mehrfache Gang zur Toilette durfte nicht fehlen. Als Ziel stand definitiv ankommen auf dem Plan.

Als 11:00 Uhr der Startschuss fiel, fing es wie auf Bestellung an zu schneien. Unter der weißen Flockenpracht setzten sich die etwa 250 Teilnehmer in Bewegung. Die ersten beiden Runden vergingen wie im Flug, wir stellten plaudernd fest, dass wir sehr gut in der Zeit liegen und ließen sogar die erste Verpflegung links liegen. Der Schnee dagegen blieb nicht liegen, weichte jedoch die teils nicht asphaltierte Strecke zunehmend auf.

Schon in der dritten Runde wurden wir das Erste mal von den Führenden überrundet. Mittlerweile nahmen wir auch die reichlich angebotene Verpflegung im Start/Zieldurchlauf dankend an.
Während Matthias im Tempo in jeder Runde immer an der gleichen Stelle einige Meter vorn raus lief, passte sich Uwe meinem Tempo an und erkundigte sich auch immer fürsorglich nach unserem Befinden. Bisher lief alles gut und es tauchten zu unserer Freude einige Vereinskollegen an der Strecke auf, um uns mental zu unterstützen und Fotos zu schießen.

Ab Runde 5 (km25) bekam ich spürbar Schmerzen in den Knöchelgelenken, diese verflüchtigten sich jedoch wieder und wanderten scheinbar hoch in die Kniegelenke, wo sie sich festsetzten. Matthias empfand ähnlich, aber wir liefen unter Uwes Zuspruch immer weiter. In Gedanken zählte ich schon die Runden rückwärts. Als wir noch drei Runden zu laufen hatten, hörten wir über die Lautsprecheranlage schon Gratulationen und Glückwünsche für die ersten Finisher. Wahnsinn.
Runde 7 und 8 wurden wir von Petra, Uwes Frau, begleitet. Diese sorgte damit noch mal für dringend notwendige Motivation zum Durchhalten, die Gespräche untereinander waren zu diesem Zeitpunkt komplett verstummt. Jeder hing seinen Gedanken nach. Ab und an wurden wir überholt, vielleicht auch überrundet, egal. Weiter, weiter. Retten von Runde zu Runde. Schmerzende Knie, lahme Oberschenkel… nicht dran denken.

altDer letzte Durchlauf nach Runde 8 bedeutete, dass es jetzt zur kleinen 2-km-Runde geht, welche den Lauf beendet. Matthias und ich waren so fertig, dass selbst dass Gefälle der Straße nach rechts und links Probleme bereitete. Als das Ziel in Sichtweite kam, waren wir plötzlich für die letzten 300 Meter noch zu einem Spurt in der Lage. Dieser musste auch sein, sonst hätte uns das Team, welches hinter uns lief, noch überholt und uns damit das Zielfoto versaut. Glücklich umarmten wir uns und gratulierten uns gegenseitig zum erfolgreichen Abschluss, unsere Zeit belief sich auf 4h und 47min.

Nochmals schleppten wir uns zu den Verpflegungsständen, um die restlos leeren Speicher gierig etwas zu reloaden. Schlagartig wurden die Beine schwer, Oberschenkel, Knie und Knöchel so gut wie unbeweglich. Die zwei Stufen vor dem AOK-Gebäude wurden fast zum unüberwindlichen Hindernis. Behindertengerecht ist anders!

Die nächste Hürde war das Aufsteigen aufs Fahrrad, dies geschah unter lautem Stöhnen und die ersten Kurbelumdrehungen stachen kräftig in den Oberschenkeln. Jedoch stellte sich im Verlauf heraus, dass sich durch das Radfahren die Beine recht gut lockern ließen. Auto fahren hätte ich sicher nicht können. Zu Hause angekommen rief die heiße Wanne und ein(ige) Hefeweizen zur Entspannung. Ich glaube, in diesem Moment raffte ich erst, was wir heute geschafft hatten.

Danke an Uwe, Matthias, Petra und den HALLZIGern an der Strecke. Danke auch an meine Frau, welche mich viel zu oft für Training, Sport und Spaß entbehren musste!