Erlebnisberichte

Amstel Gold am 14.04.2012

altHALLZIG EXPRESS und Rennradliste reisten in diesem Jahr in Minimalbesetzung zum Frühjahrsklassiker Amstel Gold Race nach Valkenburg nahe dem Dreiländereck Niederlande-Belgien-Deutschland. Gefahren werden sollte die Tourversie, die in verschiedenen Streckenlängen von 65 bis 250 km angeboten wurde. Die heiß begehrten 12.000 Startplätze wurden in diesem Jahr erstmals nach vorheriger kostenpflichtiger Registrierung ausgelost. Wir hatten also richtig Glück...

Valkenburg als Start- und Zielort der Tourversie und Durchgangs- und Zielort des Amstel Gold Race empfing uns in einer Gelassenheit, die zunächst so gar nicht auf ein großes Radsportevent schließen ließ. Im Nachhinein war das aber nur die coole Professionalität mit der diese Stadt alljährlich dieses Radsportfest vorzubreiten und durchzuführen wusste.
Die Abholung der Startunterlagen zu der vorher übersandten Startnummer erfolgte in sehr gut organisierter und unaufgeregten Atmosphäre und so konnten wir ganz entspannt vor Ort ein erstes Amstel genießen und Räder und Radsportler schauen.

Danach erklommen wir zunächst über eine steile Treppe den Cauberg und genossen die Aussicht auf die schöne Stadt und ihre Castellreste und erkundeten die beste Position für eine Sicht auf das am Sonntag stattfindende Race. Direkt am Fuß des Caubergs fanden wir abends eine perfekte Kneipenmeile mit gutem Essen, Musik und wieder stundenlang Räder und Radsportler schauen. Wir waren im Paradies angekommen. Nachts um 2 öffnete der Himmel kurz seine Schleusen um die Strecke sauber zu spülen. Der Morgen wurde entsprechend dunstig eingeläutet.

Für alle Strecken gab es großzügige Startzeitfenster, die wohl aus Erfahrung der Vorjahre auch umfassend genutzt wurden. Für die 250km-Runde war das Startfenster bereits ab 6:30 Uhr geöffnet, allerdings war es mir da gerade noch etwas zu dunkel. Kurz vor 7 trudelte ich am Start ein und war überrascht, dass hier noch ein ausgiebiges Frühstück geboten wurde. Nun konnte es also zusammen mit kleineren Grüppchen auf die Runde gehen. Der Morgen war noch frisch, die Muskeln noch etwas kühl, aber nach wenigen Kilometern kam der erste Anstieg und mit der Körpertemperatur stieg die Vorfreude auf diesen Tag und ließ die Beine immer schneller rotieren.

altDie Strecken setzten sich ja nach Länge aus verschiedenen Schleifen zusammen, die sehr ordentlich durch Farbtafeln ausgeschildert waren. Die ersten 90km bis zur ersten Durchfahrt durch Valkenburg wurden nur vereinzelt durch kleinere Anstiege eingebremst, so dass ein Schnitt von über 30 gut zu fahren war. Die absolvierten Höhenmeter betrugen hier insgesamt knapp um 900. Auffällig war bereits auf dieser ersten Schleife, dass trotz sehr guter Straßenverhältnisse erstaunlich viele Reifenpannen zu beheben waren. Dieses Schicksal blieb mir zum Glück den ganzen Tag erspart.

Die angebotene Verpflegung an den etwa alle 50km vorbereiteten Verpflegungsstellen bestand fast ausschließlich aus diversen Süß- und Kuchenwaren. Dazu hatte man Hektoliterweise Isostar-Suppe angerührt. Zum Glück bereitete diese Kombination aber den ganzen Tag keinerlei Probleme. Die Fahrweise in den sich bildenden Gruppen war auf RTF-Niveau und somit ordentlich zu beherrschen.

Die Strecke verlief leider auf unabgesperrten Strassen mit reichlich Autoverkehr und wenn möglich auf daneben befindlichen Radwegen. An großen Kreuzungsbereichen wurde gern mal ein größeres Gruppetto aufgestaut, bevor die Passage frei gegeben wurde. Auch wenn man somit nicht gänzlich ungestört seine Tour abspulen konnte, war den ganzen Tag über aber eine große Professionalität bei allen Hilfskräften vorhanden und so konnte ich keine Unfälle feststellen oder Notarztwagen herumeilen hören.

Der 2. Teil der langen Strecke führte südlich von Valkenburg bis hinüber zum Drielandenpunt bei km 188. Dieser Streckenabschnitt war nun insgesamt wesentlich anspruchsvoller. Zum einen tummelten sich nunmehr wesentlich mehr Teilnehmer auf der Strecke und zum anderen nahmen die Anzahl und die Steigungsprozente der Anstiege erheblich zu. Insgesamt bildeten sich auch immer öfter größere Gruppettos an schmalen Stellen und an den Anstiegen, die schon mal zum Absteigen zwangen. Spätestens hier zeigt sich, dass gut beraten war, wer nicht unbedingt auf Startsignal auf die Strecke gegangen ist, sondern die möglichen Zeitfenster für einen Start etwas später genutzt hat. Extrem war der Andrang an der letzten Verpfegungsstelle. Aber länger als 15 Minuten dauerte dank vieler fleißiger Helfer auch diese notwendige Trinkflaschenauffüllung letztlich nicht.

altVor und nach dem Drielandenpunt war offensichtlich das Sonnenbudget mit Temperaturen um 15 Grad für diesen Tag ausgeschöpft und es kam zu 2 ordentlichen Schauern. Beim 2. Mal zusätzlich noch mit Hagel versetzt. Hier hieß es Augen zu und durch. Wobei mir durch die von oben in die Augen fließende Salz-Dreckbrühe zusätzlich fast gänzlich die Sicht genommen wurde.

Was auf der 2. Schleife schnell klar wurde, waren die untertriebenen Prozentwertangaben für die Steigungen. So wurde der Keutenberg, als letzte Prüfung vor dem Ziel auf dem Cauberg, auf der Internetseite mit 9,4% angegeben. Tatsächlich waren es dann 22%, wie im Liveticker zum Amstel Gold Race am nächsten Tag auch vermerkt wurde. Insgesamt waren es dann auf der 250er Schleife etwa 3.200 Garmin-Hm. Insgesamt beendete ich dann die 250 km in knapp 10 Stunden mit Schlussspurt auf den Cauberg. Ich war super zufrieden. Da gabs gleich nen fetten Burger zur Belohnung :)
Für mich bestand ja der Reiz des Amstel Gold auch in der Möglichkeit des Vergleichs mit der in den Vorjahren im Muldental gefahrenen Version „Amstel Gold im Muldental“. Das Muldental muss sich hier absolut nicht verstecken. Ich finde persönlich die Landschaft im Muldental wesentlich schöner und abwechslungsreicher. Allerdings hat das Original 2-3 richtig schöne lange Anstiege zu bieten, die im Muldental noch gefunden werden müssen. Und natürlich haben die es geschafft, dass richtig viele Leute jedes Jahr auf diesen Parcour gehen. Klasse!

Abends gab es wieder eine tolle Party am Fuß des Caubergs, so dass man sich so richtig wohl fühlen konnte und in Vorfreude auf das Profirennen am Sonntag schwelgte.
Leider konnten wir nur die erste Durchfahrt der Profis am Cauberg erleben, aber auch so war das eines der schönsten Radsportwochenenden, die ich je erleben durfte.
Diese Tour kann ich also nur allen empfehlen.