Erlebnisberichte

Ötzi 2012 - Das Ding ist gelaufen!

Ich will mal mit einem Geständnis anfangen. Der Kühtai am 26.08.2012 war mein erster Alpenpass ever. Und weil’s so schön war wurde planmäßig gleich noch der Brenner (für nen Flachlandtiroler ist das ein Pass!), der Jaufenpass und zu guter letzt, quasi als Krönung das Timmelsjoch drangehangen. Und so ist mein erster (und hoffentlich nicht letzter) Ötztalmarathon Geschichte und ich bin erstmal happy. Für die weniger ausdauernden Leser die nackten Daten mal vorab: lt. Garmin 229 km, 5233 hm und reine Fahrzeit 10.17h, dazu noch 45 min an diversen Laben macht dann eine Gesamtzeit von 11.02 h, was deutlich flotter ist, als ich für möglich gehalten hatte. Der Puls mit 144 im Schnitt hielt sich dabei genauso in Grenzen, wie die erreichte Maximalgeschwindigkeit von 77 km/h.

Aber von vorn: Erstmals gehört habe ich von diesem Megaevent im Jahre 2009. Da war ich noch blutiger Anfänger auf dem Rad, hatte gerade mein Ausgangsgewicht von ca. 110 kg hinter mir gelassen und voller Ehrfurcht vor derartigen Heldentaten, die man so im Forum der Rennradliste Leipzig lesen konnte. 2010 das gleiche wieder und 2011 keimt dann beim Lesen der Berichte– auch angesichts der inzwischen einigermaßen erlangten Form – doch der Wunsch, sich das selbst mal anzutun. Daher dann im 2012 die Anmeldung für mich (und meine Frau. Sicher ist sicher.) Dann die Auslosung, Frau hatte einen Startplatz, ich nicht. Jetzt war nur die Frage tritt sie den ab, oder…? Egal in der Nachverlosung klärte sich die Frage, ich durfte aus eigener Kraft. Ab da versuchte ich neben den sowieso schon vielen km, die ich ja ganz gerne fahre, möglichst viele Höhenmeter mit einzubauen. Das hieß vor allem im Muldental die Hügel konsequent zu fahren, den Rochlitzer einmal mehr anzusteuern und sich Touren aus der Rennradliste oder dem Hallzig Express Forum mit vielen Höhenmetern möglichst oft anzuschließen. So sind dann August 2012 über 10.000 km und etwas über 60.000 hm zusammengekommen. Die Highlights dabei waren sicher die Touren im Erzgebirge zum und um den Fichtelberg (unvergessen die 300 km Tour mit dem 30er Schnitt), die Runde durchs Schiefergebirge, die Tharandter RTF und die letzte grosse Runde zum Jested über die sächsische Schweiz. Da waren schon mal längere Anstiege dabei, aber über 1200m hoch war ich nie. (Danke an Initiatoren und Begleiter auf diesen Runden.) Auf jeden Fall wurde schnell klar, dass längere Anstiege mit Ruhe anzugehen sind und es sich von selbst verbietet da so hochzusprinten wie die Hügel im Muldental, bei denen oben dann immer die Zunge bei Maximalpuls auf dem Oberrohr klebt.

Technisch aufgerüstet wurde vor den Bergfahrten ein 11-28 Ritzelpaket zur Kompaktkurbel und ein Garmin 500 um an den Anstiegen eine Balance aus Puls, Trittfrequenz und Steigung zu finden. Außerdem legte ich mir noch eine dieser superleichten Windjacken, die auch ein wenig Regen abhielten und ein kleines Kohlenhydrattransporttächlein fürs Oberrohr zu. Zur Vorbereitung wurden außerdem noch unzählige Berichte meist aus dem Netz und einschlägige Threads in diversen Foren gelesen.

Und dann wurde es ernst, der 26.08. rückte näher. Die Nervosität stieg, die letzten Runden waren gedreht und der Wetterbericht rückte in den Fokus. Leider sagte der nichts Gutes voraus, immer deutlicher wurde, dass ausgerechnet am Tag des Marathons das bis dahin schöne Wetter einer Kaltfront mit Regen weichen sollte. Mit meinem Mitfahrer Dirk, der den Startplatz meiner Frau übernommen hatte und zu seiner dritten Ötzirunde mit dem Ziel unter 9h zu bleiben anreiste, war ich mir schnell einig. Bange machen gilt nicht, wir fahren hin und entscheiden ggf. vor Ort. Ebenfalls Mitfahrer und Ötzi-Newbie Carsten vom Hallzig Express sah das auch so.

Also fuhren wir Samstag gegen 5.30 Uhr los und kamen auch flott durch, so dass wir unserer Appartement an der Gaislachkogelbahn gegen 13.00 Uhr beziehen konnten. Schnell Startunterlagen geholt, ans Rad montiert und dann zum Einrollen Richtung Vent. Hier habe ich dann erstmal gemerkt, dass irgendwas an der Schaltung nicht funktionierte, die Kombination 50:11 wollte sich einfach nicht schalten lassen. Auch wenn es bei dem Streckenprofil und meinen Abfahrtskünsten eher auf 34:28 ankommen sollte, wollte ich das nicht hinnehmen und stellte mich beim Radladen an der Gaislachkogelbahn in die Schlange derjenigen, die noch schnell einen Defekt beheben lassen wollten (bzw. doch ein größeres Ritzel orderten). Das war dann gar nicht so einfach, Schaltauge gerichtet, die (neue) Kette gekürzt und zu guter letzt noch einen Zug gewechselt. Dann ging aber endlich alles. Danach ab zur Fahrerbesprechung in die große Halle, welche schon mächtig gefüllt war.

Hier dann noch einige Streckenerklärungen und eine ausführliche Wetterprognose mit vielen Bildchen. Danach sollte es über Nacht bis in den Morgen regnen, sich dann aber aufklären und ab Mittag sollte es ganz schön werden. Mal sehen, zumindest beim Nachhausgehen traf die Prognose schon mal zu, es regnete stark.

Am Renntag früh gegen 5.00 Uhr raus und erstmal ein Blick aus dem Fenster. Trotz Dunkelheit: die Straßen waren zwar noch nass, aber der Regen hatte aufgehört. Kalt wars auch nicht, so was um die 10 Grad. Dann schnell gegessen und angepellt. Bei mir hieß dass Unterhemd, Kurz/Kurze Kombi, Ärmlinge/Knielinge, Weste, Handschuhe lang (und kurze eingesteckt), eine Tuch auf dem Kopf und die leichte Jacke drüber. Sollte reichen, hat es auch. Eingesteckt habe ich außerdem 4 Gels, 3 Riegel und ne kleine Gelflasche.

Da wir direkt am Startbereich auf Höhe „Rodelhütte“ wohnten, reichte ein uns Aufstellen gegen 6.20 Uhr. Damit kamen wir fast als letzte. Die Strasse war zwar in jede Richtung voll, jedoch seitlich konnte man sich ohne weiteres mit dranstellen, störende Gitter gab es jedenfalls nicht. Neben uns standen gleich ein paar Delitzscher Univeganer. Man grüßte sich. schließlich schon unzählige RTF gemeinsam gefahren. Lustig anzusehen waren die Begleitpersonen, welche teilweise rührende Gesten zur Stärkung ihrer Helden zeigten. Da wurde Kopf gestrichen, Schulter umschlungen und Rücken getätschelt. Herrlich, als ginge es in die Schlacht mit dem bösen Drachen.

Und dann ging’s los. Das Feld kam langsam in Bewegung, zunächst erstmal Stopp und go, dann ab Ortsmitte konnte normal gerollt werden. Am Ortsausgang wurde das Tempo höher, blieb jedoch noch einigermaßen vernünftig. Auch wenn ein paar Leute von hinten vorbeisprinteten kein Vergleich zu dem üblichen Gerase am Beginn der GCC Rennen. Dank der abschüssigen Strecke und der zwischenzeitlich trockenen Strecke fuhr es sich dann mit deutlich über 40 recht ordentlich ab. Ich sortierte mich am Ende eines ca. 150 Man starken Feldes ein, was sich so nach 5-10 km herausgebildet hatte und hatte sogar genug Zeit mit dem Univega Kollegen zu quatschen, der es auch ruhig und vor allem sicher angehen lassen wollte. Auffallend waren viele Fahrer, die in dieser Phase bereits einen Platten hatten, das hätte mir ja nach so wenigen Kilometern gefehlt. An einer Stelle nach so 20 km lag dann doch mal ein Rad auf der Strasse, der einzige Sturz, den ich am ganzen Tage sehen sollte.

altIn Ötz am Kreisel bin ich erstmal – wie viele – links ran und habe die Jacke ausgezogen, Handschuhe getauscht und die Knielinge unterm Knie zusammengerödelt. In der Zeit kam ein großes Feld angerauscht, so dass der recht schmale Einstieg in das Kühtai erstmal gefüllt war. Völlig unverständlich, warum ein paar Mitstreiter sich dann ihres Zeugs genau an der engen Stelle mitten in der Steigung entledigen müssen. Die erstem Meter in den Berg gingen gleich ziemlich steil los, wegen der Massen war das Ganze aber eher ein Balanceakt. Nach ein paar km sortierte sich das dann und ich versuchte mein Tempo zu finden. Das bedeutete konkret viele zu überholen. Das irritierte mich, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Trotzdem, der Puls war um 150, alles lief flüssig. Auf der Hälfte habe ich dann schon mal einen kleinen Riegel eingeschoben, man weiß ja nie. Der Pass machte Spaß, wurde nie zu steil und hatte sogar mal nen Flachstück zwischendrin, was auf dem großen Kettenblatt gefahren werden wollte. Auffallend war das große Schweigen um mich herum, alles hatten irgendwie noch mit sich zu tun, so das genug Zeit war, die am Rande stehenden Kühe zu beobachten und dabei auch dem ein oder anderen Haufen den diese auf der Strasse platziert hatten auszuweichen. Irgendwann wurden die Bäume weniger, dafür nahm die Lautstärke zu. Sowohl im Feld wurden erste Gespräche laut, als auch vom Straußenrand kamen erste Anfeuerungsrufe. Ab 300 m vor der Kuppe gab das ordentlich Krach, vor allem die umgehängten Kuhglocken an hüpfenden Menschen lärmten fein. Oben wars diesig und ich musste mich erstmal an der vollen Labe zurechtfinden. Nach einem kurzem Überblick und weghängen des Rades entschied ich mich für heiße Suppe aus dem Becher, Banane und Riegel (davon nahm ich auch noch zwei mit) und Isozeug. Ca. 10 min ließ ich mir Zeit, habe noch die Flaschen gefüllt, die Jacke angezogen und schon gings – nach kurzer Pullerpause etwas abseits – hinein in die wegen der vorausgesagten Geschwindigkeiten respektvoll erwartete Abfahrt, welche jedoch überwiegend trocken war. Sofort kehrte sich das Verhältnis der überholten Fahrer zur Auffahrt um, jetzt schossen bis auf einige wenige zahllose Fahrer an mir vorbei und wurden wenig später auch nicht mehr gesehen. Besonders schön dabei die kreischenden und stinkenden Carbonfelgen im Genick. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Irgendwann – da fuhr ich meist mit nur wenigen anderen um mich herum - gings und ich schwamm so mit. Die Abfahrt selbst war eigentlich nicht schwierig, meist nur leichte Kurven, einige Weideroste und viele zu umkurvende Gullydeckel. Erreichte Geschwindigkeit jedoch nicht im sagenhaften 100er Bereich, sondern irgendwas um 75 km/h. Gegen Ende der Abfahrt wurde die Strasse wieder feuchter und mir wurde klar, dass es besser wäre, jetzt ne Gruppe für das kommende Flachstück und eventl. für den Brenner rauf zu finden. Nach hinten orientieren kann ich ja nicht, also ab nach vorn. Einer auf den ich dabei Auffuhr empfing mich mit den Worten „Hallo Windschatten“ In Innsbruck tröpfelte es und die Straßen war nass. Wie ich später erfuhr, musste gerade ein Wolkenbruch abgegangen sein. Ich blieb jedenfalls trocken. Noch in Innsbruck wieder mal kurzer Stopp, Jacke aus.

In den Brenner rein musste ich immer an das in diversen Berichten gelesene denken: „Gruppe finden und nicht überziehen“. Mit 3-4 Leiten bin ich dann recht flott los, wobei die Gruppe mit der Zeit deutlich größer wurde. Ich habe mich dabei bis auf kurze Stücke tatsächlich meist aus der Führung rausgehalten. Mit der Zeit hatte ich dann ein favorisiertes Hinterrad gefunden, das es aber gerade bei den Überholvorgängen zu halten galt, so dass immer mal ein kleiner Sprint einzulegen war. Alles fühlte sich aber gut an und bummeln wollte ich auch nicht. Gerade auf den relativ flachen Stücken in der Mitte, kam richtig Tempo auf, ich habe einmal beim Blick auf den Tacho gedacht; 43 Berghoch, das glaubt Dir doch keiner….Ein erster Überschlag sagte mir hier, dass ich besser in der Zeit lag als gedacht und eine 11 vorn dran locker zu schaffen sein sollte. Auf der Hälfte noch ein Riegel reingedrückt und zwischendurch auch immer mal mit dem Nachbarn gequatscht. In Matrei standen noch mal richtig viele Leute und machten Stimmung, hat Spaß gemacht. Nervig auf diesem Teil war, dass die Straße nicht voll gesperrt war. Da kamen doch recht viele Fahrzeuge entgegen, was immer dann zum Problem wurde, wenn sich mal wieder ein Auto in Fahrtrichtung eingeschmuggelt hatte und die beiden dann Face to Face standen und nicht oder nur sehr schwer aneinander vorbeikamen. Da gab’s doch einige. Bei Gries meldete sich erstmal der linke Oberschenkel und signalisierte so was wie regelmäßiger fahren, oder ich krampfe mal. Hab ich dann gemacht. Kurz vorm Brenner tauchten dann die ersten privaten Verpflegungsstände auf. Um ehrlich zu sein habe ich angesichts die riesigen gut bestückten Laben nicht verstanden, wozu das gut sein soll. Ich fand’s eher kurios, das Leute in meinem Zeitkorridor sich derart bemuttern lassen mussten. Die Labe war dann auf dem großen Parkplatz am Ende des Örtchens und wieder recht voll. Vom Kühtai wusste ich noch, dass es besser sei bis ans Ende der Labe zu fahren und das Rad dort einzuhängen. Dann wieder Überblick verschaffen, Suppe aus dem Becher, Kuchen und Vollkornhörnchen vertilgt. Irgendein netter Helfer mit flotten Spruch wie „Schnitzel mit Pommes gibst da vorn…“ machte dann noch ein Foto. Noch nen Riegel und ein wenig Cola, die Flasche gefüllt und die Jacke an und nach insgesamt ca. 10 min ab in die Abfahrt. Da war ich erstmal fast allein und ich merkte, auch den Brenner herab kann ne Gruppe sinnvoll sein. An den Ersten der mich überholte hab ich mich drangehangen, dank trockener Abfahrt mit leicht hervorlugender Sonne kein Problem. Da werde ich wohl die maximale Geschwindigkeit auf der Runde so um 77 km/h erreicht haben. In Sterzing merkte man dann schon an der Temperatur; hier ist Südtirol.

Ein kurzes Stück flach und schon kündigte sich der Jaufen an. Auch darüber hatte ich gelesen. Nicht steil aber dafür gleichmäßig um die 7-8 % Steigung ohne jede Flachstelle. Na mal sehen. Erstmal noch nen kurzer Stopp wegen Jacke aus. Unten ist mir dann erstmal ein Jenatec-Trikot aufgefallen. Beim näherkommen habe ich dann gelesen, dass da vor mir ein Arbeitskollege, von dem ich wusste er fährt auch Rad, unterwegs ist. Was für ein Zufall! Wir haben uns kurz ausgetauscht, schnell festgestellt wir fahren unterschiedliche Tempi und dann auch getrennt. Kurios: er fuhr erst vor, was schon nicht locker aussah um dann nach 300-400 m doch zurückzufallen. Geshen haben wir uns an dem Tag nicht noch einmal. Mir ging’s wieder prächtig, der Puls pegelte sich bei 150 ein und ich konnte relativ locker kurbeln. Dabei war genug Zeit für das ein oder andere Schwätzchen. Mit einem Österreicher fuhr ich relativ lange zusammen. dabei wurden doch einige überholt. Ich war wieder überrascht, wie gut das doch ging. In der Mitte wieder einen Riegel und weiter gekurbelt…. Die Baumgrenze war erreicht und damit sah man auch die Labe und die deutlich darüber liegende Passhöhe. Oben war’s trübe und feucht. Man hatte das Gefühl in eine Wolke hinein gefahren zu sein. An der Labe wieder das übliche Spiel: Rad wegstellen, Übersicht verschaffen. Wider einen Becher Suppe; Käseschnitten und Banane. Dazu Isozeug getrunken und die Flasche gefüllt und wieder die Jacke an. Blöderweise musste man ja weiter hoch, was die Motivation weiter zu fahren doch leicht beeinträchtigte. Die paar m haben keinen Spass gemacht. Oben dann noch mal Pullerpause und dann wieder mit viel Respekt in die Abfahrt, vor welcher wegen ihres schlechten Zustandes ja vorher besonders gewarnt wurde. Irgendwie ging’s aber besser als gedacht, so viele haben mich gar nicht überholt und auch die Bremserei hielt sich in Grenzen.

altUnten in St. Leonhardt gleich die Jacke aus und ein Gel vor dem letzten aber sehr langen Berg reingedrückt. Das Wetter hatte sich leicht verändert, es donnerte und blitzte, ohne dass es jedoch regnete. Ein Gewitter auf 2500 m, dass hatte mir gerade noch gefehlt. So fuhr ich die ersten km und überlegte, wie man wohl als Rennleitung mit so was umgeht, bis ich merkte, dass das Gewitter nicht näher kam, sondern Richtung Süden wegzog. Sehr schön. Allerdings merkte ich noch etwas. Es ging plötzlich schwer und zäh, ich wurde öfters überholt als dass ich überholte.. Ich hatte den Eindruck ich klebe und habe erstmal geschaut, ob ich nen Platten habe. Da war alles in Ordnung, also musste das andere Ursachen haben. Gemerkt habe ich zwar nichts, aber offensichtlich war das Gel zu wenig gewesen. Also noch ein Riegel rein. Langsam wurde es dann auch wieder, es ging wieder flüssiger und ich wurde nicht mehr überholt. Wahrscheinlich gerade so rechtzeitig. Kurz vor Schönau dann die einzige kritische Situation auf der ganzen Runden und dass mit 10 km/h. Der Rechts von mir fahrende Fahrer sieht das links einer mit dem Schlauch Wasser anbietet und zieht sofort ohne zu schauen nach links und damit voll in mich rein. Ich kann das gerade noch abstützen und fluche ein wenig; er entschuldigt sich. Wahrscheinlich ist wegen der niedrigen Geschwindigkeit nichts passiert, Glück gehabt. Einen Sturz hätte ich an der Stelle nicht gebraucht. An der Labe Schönau ist dann wieder einiges los. Dafür werde ich nett empfangen: „Wie geht’s Sven, hier kannst Du Dein Rad abhängen“ empfängt mich ein freundlicher Helfer nach kurzem Blick auf die Startnummer. Also wieder ran ans Essen und Schnittchen und Kuchen verspachtelt. Ich merke dabei, das das spezielle Training der Hallziger auf jeder RTF gerade in der Disziplin „regelmäßig und viel Essen“ Früchte trägt, das klappt.. Jetzt trau ich mich auch an das Red Bull Zeuchs und fülle mir davon in die Flaschen gemischt mit tiefrotem Isosaft. Sieht grauenhaft aus, schmeckt in dem Moment aber. So einen richtigen Drang zum weiterfahren habe ich nicht, also werfe ich erstmal einen Blick ins wunderschöne Panorama und vor allem auf die noch zu bezwingende Wand. Sieht toll aus und motiviert mich im Gegensatz zu mach gelesenem Bericht auch. Also rauf auf Rad und los. Alles geht gut und so schiebe ich mich Kehre um Kehre nach oben und genieße dabei den Ausblick. Einzig der jetzt sehr starke Wind stört dabei ein wenig. Gelegentlich hat man den Eindruck, gar nicht mehr voranzukommen. Aber was soll’s, auf 2500 m kann kein Badewetter sein. Langsam nähere ich mich dem Tunnel und so passiere ich die letzten mit zerrissenen Trikots geschmückten Kehren. Wenn sich ein Gefühl dabei breitmacht, dann so was wie Enttäuschung. Was das soll’s jetzt gewesen sein? Dann der Tunnel und durch. Auf der anderen Seite tobt ein Orkan, so dass es nur im Schritttempo vorwärtsgeht. Klar wird, dass ich irgendwie um 11.00 gesamt liege und dass dies knapp wird. Daher kurz der Gedanke nicht noch mal anzuhalten und ohne Jacke und lange Handschuhe in die Abfahrt zu gehen. Aber schon nach wenigen Metern belehrt mich der heftige und eisige Wind, bei Temperaturen um die 4 Grad dass dies keine gute Entscheidung wäre. Also Schutz am Felsen gesucht und noch mal angepellt. Kurz darauf bin ich ziemlich allein in die Abfahrt gegangen, welche ziemlich gerade, jedoch wegen des starken Gegenwindes nicht besonderes schnell war. Dann der Gegenanstiege, den ich nicht gebraucht hätte und ab in die letzten Kehren, welche alle gut zu fahren waren. Hier gab’s dann auch ein Blitzerfoto vom Sportograf. In Zwieselstein wollte ich den kleinen Hang durchdrücken, aber das wurde nix, also runtergeschaltet und rein in den Ort. Hier kamen dann schon die ersten entgegen, schön war’s trotzdem. Der Zieleinlauf war unspektakulär und ich sah schon, die 11.00 hatte ich knapp verfehlt, wobei ich ja eher mit einer Stunde mehr gerechnet hatte. Die Freude es so ordentlich geschafft zu haben war da, wobei die Klarheit, dass noch mal fahren zu wollen im Vordergrund stand.

Im Anschluss ab in Appartement und dann erstmal heiß gebadet. Dabei ging es mir besser als vorher angenommen. Leichte Abgeschlagenheit und da und dort ein kleines Ziehen, jedoch nichts ungewohntes oder nachhaltiges. Dafür aber tiefe Zufriedenheit. Die Nachbereitung mit Dirk, der mit knapp unter 9 h super unterwegs war ergab dann erstmal, dass ich bei weitem mehr Wetterglück hatte als er. Kein Regen, kein Hagel und meist trockene Abfahrten. Also alles richtig gemacht.

Klar das wir dann zügig wieder zurück in die Halle sind, um uns das Finishertrikot zu holen. War auch noch mal ein erhebender Moment, dass drüber zu streifen. Die anschließenden Nudeln taten gut und beruhigten auch. Schön war dann zur Siegerehrung – Wahnsinnszeiten fahren die da vorn – einen total entspannten und uneitlen Jan Ullrich zu erleben.
Irgendwann später hab ich mir dann auch die detaillierten Durchgangszeiten angeschaut, welche ja zwischenzeitlich sogar per SMS aufs Handy übertragen worden waren. Auch da wurde deutlich. Berghoch ganz ordentlich und immer viele Plätze gut gemacht. Aber an den Laben und in der Abfahrt zu langsam und meist genauso viele Plätze verloren. Wenn man das ganze also mal sportlich fahren wöllte, die Reserven sind klar (keine Ahnung ob ich das will). Jetzt mit einigen Tagen Abstand wird das Hochgefühl über das Erlebte sogar noch stärker: Ich habe einen Traum.