Erlebnisberichte

Rad am Ring 2013 - Ralf's Kolumne

Natürlich starten solche Projekte immer etwas früher. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen, mit Anmeldung und so, aber das Einkaufen ist schon eine Erwähnung wert. Vor 6 Wochen trafen sich die Protagonisten des 24h Rennen zum einem Konferenzabendbrot in einer Schönefelder Gaststätte. Dortwurden genaue Pläne geschmiedet wer was und wie viel einkauft und mitbringt. Jeder hat gedacht, dass es nicht reicht und noch etwas mehr besorgt. Und so kam es, dass wir von allem mehr als genug hatten. Lieber so als andersrum. 

Rad am Ring PavillonDie Hinfahrt gestalteten wir getrennt am Freitag. Hightower und André fuhren im von Mike_W gesponsertem Transporter. Ohne diesen hätten wir nicht so viel an Material, ich denke dabei nicht nur ans Essen, sondern die Zelte, Räder und und und, mitnehmen können. Vielen Dank Mike. Lars und Ralf starteten 10 Uhr mit PKW-Kombi und Wohnanhänger, Geschwindigkeitstechnisch durch die StVO ausgebremst kamen wir gegen 16 Uhr an, Marco und André waren schon da, später kamen Volker Blechreder und Marko Friedrich noch aus ihrer festen Behausung, sie gönnten sich eine Pension (waren aber trotzdem die ganze Zeit bei uns J) und halfen beim Aufbau unserer diesmal viel festeren temporären Behausung. Einen Wohnwagen nannten wir diesmal unser Eigen, die Qualität unseres Aufenthaltes stieg zum letzten Jahr sprunghaft an, Danke Lars für Dein Sponsoring. Der Partypavillion, welcher zur Historica seine Feuertaufe erlebte, war unser Vereinszimmer, bzw. Gemeinschaftsraum. Super, wir hatten für alle Platz, die Küche wurde eingerichtet und sogleich in Betrieb genommen. Technisch waren wir auf dem Niveau einer Pension, nur eben draußen. Wir waren also keine Weicheier…

Da saßen wir nun und sinnierten über unser Vorhaben, das Wetter ließ keine Wüsche offen, für Anfang September, 30°C, fast windstill. Aus diesem Grunde hatte ich auch keine Regenklamotten mit … Die Eifel hat nicht nur ein unregelmäßiges Höhenprofil, sondern foppt die Meteorologen mit ihren Vorhersagen. Doch das ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht …

Der Abend verging und wir bekamen noch einen Gast: Katrin aus Dresden gesellte sich zu uns, sie wollte am Folgetag, das 75-km GCC-Rennen fahren und rechnete sich gute Chancen in ihrer Platzierung aus. Ihr Dialekt erinnerte an die Heimat, obwohl man die Sprachen in Sachsen auch regional unterschiedlich betrachten muss …
Nach und nach begaben wir uns zur Ruhe, wohl gebettet in Lars´ Wohnwagen, in Erwartung eines schönen folgenden Tages…

Klack, klack, noch mal klack. Was ist das denn? Die Geräusche kannte ich vom Vortag nicht.

Es regnete! Das war so nicht ausgemacht. Ein sonniges Wochenende wurde uns versprochen. Nichts da. Der Himmel war bewölkt (mitteldunkel) und es regnete (mittelstark). Lars sagte, dass es im Wohnwagen immer schlimmer klingt als es wirklich regnet. Er hatte zwar Recht, aber schön war es nicht. Glücklicherweise war es aber nicht kühler geworden, es war also ein warmer Regen – wenn´s hilft.

Da saßen wir nun unter unserem Superzelt und hofften auf besseres Wetter, die Stimmung war trotzdem gut, aufgebackene Brötchen, Kaffee, Marmelade – es war wie zu Hause, nur dass wir eben nicht zu Hause waren.  Das Frühstück war zu Ende, wir redeten gerade über die Startreihenfolge, als plötzlich eine rief: „André!“. Ihm war schwindelig geworden und er war gerade im Begriff sich zum Boden zu bewegen, als zwei hilfreiche Hände ihn abfingen. Was war los? Wir lagerte erstmal seine Beine hoch und gaben ihm etwas zu trinken – wie man das halt so macht. Da lag er nun und wusste  auch nicht warum das passiert war. Nach einer Weile brachten wir ihn ins Zelt und legten ihn hin.  Immer mal einen Blick auf ihn gerichtet gingen wir unseren Vorbereitungen weiter nach. In den Hinterköpfen dämmerte jedem der Gedanke, dass er als Fahrer ausfallen würde. Sagen wollte es ihm keiner, auch André hatte sich auf das 24h-Rennen vorbereitet und freute sich auf die Teilnahme.

Der Vormittag verging mit den üblichen Verrichtungen, hier und da noch etwas gegessen, ein paar letzte Einstellungen am Rad und noch eine Einführungsrunde, das Wetter hatte sich gebessert und wollte uns sicher nur einen Schreck einjagen. Auch für das Regenwetter war es nur eine Einführungsrunde, doch das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht…. Haha, ich sah auf die Uhr – es war Zwölf. Um 13.15 Uhr war unser Start. Töricht jetzt noch eine Runde zu fahren. Also begnügten wir uns mit ein paar Warmfahrmetern im Start-Zielbereich. 

Da André´s Zustand sich weder verbesserte, allerdings auch nicht verschlechterte, war ich (Ralf) als erster dran. Von unserem Zweierteam war Andy der Startfahrer. 

Rad am Ring StartDie Sonne schien, es war warm und der Pulk setzte sich in Schritten in Bewegung, erst die 25er, sie fahren nur eine Runde, dann die  75er, sie fahren 3 Runden, hier waren Marco R. Hightower und Volker S. Blechreder dabei, dann die 150er, sie fahren die Nordschleife 6x hintereinander – beneidenswert? Und dann kamen wir, die Könige, 24-Stunden werden wir unterwegs sein, zwar mit Unterbrechungen, aber es klingt schon mal gut. Richtig viele Starter waren da auf der Strecke. Andy  und ich ordneten uns hinten im Block ein, damit wir die Abfahrten nicht in einem so großen Pulk hinunter fahren müssen. Die Sicherheit war uns mehr wert  als Platz 571…

Vor zwei Jahren war ich das letzte Mal hier, eigentlich letztes Jahr auch, aber da war ich ja nicht mitgefahren. Erstmal rantasten, dacht ich mir. Wie fühlen sich die Kurven und die Geschwindigkeit an, was kann ich mir zumuten? 

Es rollte zunehmend, 60km/h waren schnell erreicht, was darüber ging interessierte mich nicht mehr, die großen Zahlen hatte ich alle schon gesehen, der Blick auf die Straße war wichtiger. Andy  verlor ich schon bald aus den Augen, aber nach vorn. Er verschwand im Dickicht der bunten Trikots und dass ich ihn an der langen Bergauffahrt zur Hohen Acht wieder erreichen würde, schminkte ich mir ab. Er war in diesem Jahr schon zu viele lange und auch bergige Touren gefahren und einfach besser trainiert. Und obwohl ich mich in diesem Jahr als Gelegenheitsfahrer, bzw. –trainierer sehen muss, ging es bei mir auch ganz gut.

Zur hohen Acht nahm ich mein 25er hinten, um noch Reserven zu haben, wenn es mal ganz schwer wird. Kurz vor der hohen Acht bäumt sich der Anstieg mit 17% noch einmal gegen seine Bezwinger auf. Da ich nicht wusste wie es mir in den nächsten Runden gehen würde, griff ich auf die kleine Steighilfe zurück. Einige Sportler schoben, davon war ich weit entfernt. Oben angekommen, spürte ich, dass ich in den letzten Wochen wenig trainiert hatte. Die Beine brannten schon und der Puls war auch oben. Auf den danach folgenden kleinen Wellen erholte ich mich und genoss  auf den kleineren Abfahrten und Ebenen die selbst erarbeitete Geschwindigkeit. Irgendwann ist auch die Nordschleife zu Ende, ich erreichte das Fahrerlager und übergab meinen Transponder, den wir wieder in einer Flasche untergebracht haben, meinem Nachfolger Lars, alias Der graue Wolf. Wieder drin gleich frisch gemacht, genoss ich erstmal meine kurze Pause. Ja kurz, denn wenn Lars wieder da ist, werde ich schon wieder auf die Strecke gehen. André´s Ausfall hat unsere Startreihenfolge völlig durcheinander gewirbelt. Marco wollte zusätzlich zum 24h-Rennen noch das 75er GCC-Rennen fahren, was er auch tat. Er war noch auf Strecke, André konnte nicht und so fiel die Last auf uns zwei. Lars wird etwas länger als ich unterwegs sein, dachte ich mir. Auf der Hinfahrt zum Nürburgring sagte er im Auto zu mir: „Das Streckenprofil ist wie für mich gemacht: Berg runter habe ich Angst und Berg hoch bin ich zu schwer“.

Und so erholte ich mich erstmal, aß etwas und wartete auf ihn.

Natürlich kam er bald und mit dem Wort „Monsieur“ übergab er mir lächelnd wie immer den Auslöser unserer elektronischen Duftmarke. Nun ging es auf Runde 2 für mich und Runde 3 unseres 24h- Projektes.

Die ersten Kurven in der 9-km langen Abfahrt der Runde nahm ich nun schon etwas motivierter, dennoch immer noch mit dem gebotenen Respekt. Die Anstiege gingen besser als in der ersten Runde und auch in der hohen Acht kam ich besser hoch. Trotzdem nicht überheizen, dachte ich mir, ich muss die Runde öfter fahren als 2011. 6 waren es damals gewesen, wie viele es diesmal werden würden wusste ich noch nicht und auch noch nicht, dass es deutlich weniger werden würden als jemals gedacht…

Marco und Volker hatten bei meiner Ankunft ihr Rennen schon beendet, sie würden uns also zukünftig zu Verfügung stehen.

Vorher war Lars aber noch einmal dran. Lächelnd stand er am Straßenrand und so kam es zur Übergabe, zur zweiten Runde für ihn und zur vierten für unser Projekt. Da fuhr er los und auf seiner Runde fing es nun leicht zu nieseln an. Er empfand den Regen durchaus als angenehme Abkühlung nach den durchaus schwülen vorangegangenen Stunden. Aufpassen musste er auf den Abfahrten, da der Regen die Straßen erstmal schlierig glatt machte. Den Anstieg meisterte er im zweiten Anlauf besser als im ersten, da war er zu optimistisch hineingegangen und hatte etwas überheizt. Es ist immer gut, wenn man weiß was einen erwartet, da kann man sich Kräfte besser einteilen. Als er wieder zurück war, stand der Volker schon bereit um nach seinem 75 km-GCC-Rennen noch auf die 24h-Distanz zu gehen. Er und Marco waren nun im Rhythmus. 

Es ging André immer noch nicht besser und Andy und ich beschlossen nun doch einen Arzt zu holen. Ich fuhr mit dem Rad ins Medical-Center und holte ein paar Rettungssanitäter. Die nahmen ihn für einen Check mit.  Nach ein paar Stunden war André wieder da. Seine Werte waren alle in Ordnung. Erlegte sich wieder hin. Wir sahen immer mal nach ihm, versorgten ihn und von unserem „Zeltabend“ bekam er sicher auch noch etwas mit. 

Zum Start noch 30° warm hatte sich die Sonne schon während der ersten Runden hinter eine dichten Wolkendecke verzogen. Ok, dachte ich wenn es nicht schlimmer wird, ahnend, dass dies nur der Vorspann eines Monumentalfilmes werden würde. Im Ziel hatte ich jetzt etwas Zeit. Nach Lars, der gerade auf die Strecke gegangen war würden Volker und Marco auf Strecke gehen. 3 Stunden um andere Dinge zu tun. Erstmal duschen, etwas essen und schließlich muss ich ja noch schreiben – sozusagen aus der frischesten Erinnerung heraus.

Die Straßen wurden trockener – was für eine Freude. Den Wechsel von Volker zu Marco habe ich nicht mitbekommen – ich war ja im Wohnwagen. Und das war auch gut so, denn das Wetter schlug um. Es war so gegen sieben Uhr abends, als der Himmel das Wasser nun nicht mehr halten konnte. Oh no, dachte ich, das kann ja was werden, hoffentlich kommt der Marco mit dieser Situation zurecht – er kam natürlich damit zurecht, denn es ist ja für ihn nicht das erste Rennen bei solchen Bedingungen. Skeptisch nach oben schauend, zog ich mich um. War ich klamottentechnisch für Regen vorbereitet? Nein! Denn der Wetterbericht ließ anderes verlauten. Als ich in Leipzig meine Klamotten packte, sagte einen kleine Stimme zu mir: „Ralf, nimm für alle Wettereventualitäten Kleidung mit. Wir fahren in die Eifel, die ist 500 m hoch gelegen und wettertechnisch unberechenbar.“ Ich wusste es natürlich besser…

Rad am Ring RegenFür kalte Temperaturen hatte ich natürlich etwas mit. Aber Regen?... Tapfer zog ich mich um. Die Füße so gut es ging vor Wasser schützen. Zur neblig, dunklen Wolkenbrühe gesellte sich nun auch noch die Dämmerung. „Ich steck schon mal die Lampen an.“ versuchte ich mir Mut zu machen und mich gegen das unvermeidliche aufzubäumen. Innerlich hatte ich mit der nächste Runde bereits abgeschlossen: Es wird kalt, nass und rutschig. Es wird kein Vergnügen die Nordschleife unter diesen Umständen zu fahren. Und gefährlich ist es auch. Fertig angezogen outete ich meine Meinung und traf auf ungeteilte Zustimmung. Eine Weichei-diskussion schloss sich kurz an. Klar, wer beugt sich schon gern den Umständen? Aber im Zuge einer gesunden nächste Woche musste man jetzt eine Entscheidung treffen. Hopp oder Topp. Marco, der noch auf seiner Runde gegen die Witterung kämpfte wusste noch nicht, dass er der Schlussfahrer sein würde. Im trockenen Zelt wurde eine Entscheidung gegen die Nässe getroffen. Wir, d.h. das 4er Team, soviel Zeit muss sein, beschlossen, den Abend am künstlichen Lagerfeuer, wir hatten einen Gasheizer dabei, zu verbringen. Marco kam und keiner stand zur Übergabe bereit. Ich wäre es gewesen, fühlte mich etwas komisch, der erste „Nichtfahrer“ zu sein. So eine Entscheidung ist schon etwas besonderes, hatte ich doch schon oft bei meinen Touren den Bedingungen getrotzt und war hinterher stolz drauf. Doch das hier war etwas anderes. Zu viele ungünstige Umstände kamen zusammen und man muss sich ja seinen Ehrgeiz nicht immer beweisen. Klar war Marco sicher etwas enttäuscht, er hatte gekämpft und dann so eine Entscheidung, aber mit zunehmender Zeit verstand er sie und pflichtete uns bei.

Doch so dachten nicht alle von uns. Andy vom 2er-Team, ebenfalls noch auf der Piste betrachtete das Wetter, die ungünstige Position der Erde zur Sonne (die Dunkelheit) und das Streckenprofil als nebensächliche Randerscheinung, in regelmäßigen Abständen tauchte er am Zelt auf  und in der Nacht unter. Er tauschte noch einmal mit Marko, der ebenfalls sein Rennen unterbrach.

Ich betrachtete Andy´s Tun mit einer Mischung aus Anerkennung und Skepsis. Unter solchen Umständen das Rennen weiter zu fahren....war für keinen von uns eine Option mehr. Mit Genuss und Spass hatte das Ganze nichts mehr zu tun. Jeder muss seine Grenzen erkennen und dann auch ziehen und für die meisten von uns war sie das.

Es wurde stiller auf dem Nürburgring, denn den anderen Teams ging es genauso. 

Wir ergaben uns der durchaus guten Stimmung im Zelt, Katrin aus Größröhrsdorf bei Dresden hielt es in ihrem Hotelzimmer nicht mehr aus und gesellte sich zu uns. Es gab sogar etwas zu feiern, wurde sie doch Zweite beim Frauenrennen über 75 km. Eine geöffnete Flasche Sekt sorgte für die festliche Untermalung der Gratulationen. Jenny und Jens kamen noch dazu (Jenny hatte es zum Nürburgring nicht so weit, aber man muss ja wegen einem Rennen nicht gleich hierher ziehen, das ist aber ein anderes Thema). Sie wurde vierte an diesem Tag und festigte ihre Position in der Gesamtwertung des GCC.

Rad am Ring AndyDer Abend war lang, Andy sah in regelmäßigen Abständen ins Zelt und wir wussten nun ist schon wieder eine reichliche Stunde rum. Trotz Dunkelheit und Nässe fuhr er Zeiten um die 1:07h und 1:08h. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass es schon über 0 Uhr hinaus ist. 

Sah er das Ganze nicht so schlimm? Ist das Ganze doch nur eine Kopfsache? Andy hatte genug Klamotten mit, sagte er, und da kann man ja auch länger fahren. Runde um Runde stürzte er sich in die grüne Hölle. Was denkt man da? Am Anfang ist man konzentriert, ob der vielen Kurven und Abfahrten, aber dann? Der Anstieg zur Hohen Acht bietet eine meditative Stille, unterbrochen durch den gleichmäßigen Rhythmus des Atmens. Unser Gehirn, auf Eindrücke geeicht, erzeugt diese nun selber. Andy fing an die Schriftzüge auf der Straße zu lesen. Und wenn er eine Zeile nicht geschafft hat, hatte er die nächste Runde ja Gelegenheit sie zu Ende zu lesen. War das das Motiv, die ganze Nacht durchzufahren? Wohl kaum. War es das maximale Ausnutzen des Startgeldes? Sicher auch nicht. Andy sagte mir in einem Gespräch danach, dass er auf Fahren eingestellt war und das Ganze als nicht so schlimm empfand, wenn man erstmal unterwegs ist. Respekt. Ich habe mich in der Nacht immer mal in seine Situation hinein versetzt und diese Phantasie reichte mir vollkommen... 

Katrin verabschiedete sich in ihre zivilisatorische  Unterkunft und irgendwie war das auch das Zeichen für uns den Abend, bzw. den Morgen ausklingen zu lassen.

Auch Andy verschlug es irgendwann in seinen Sharan, den er zu einem Einzelzimmer umgebaut hatte. Nicht weil er nicht mehr konnte, sondern weil die Veranstalter ob des Wetters einen offiziellen Rennabbruch verkündeten.  Na endlich, wir hatten diese Entscheidung schon viel früher getroffen. Gute Nacht. 

Klack, klack… wieder, nur diesmal viel schneller und stärker als gestern trommelten die Regentropfen auf unser Wohnwagendach. Es war nicht mal an rausgehen zu denken, geschweige denn an rausfahren. Und nach der üblichen kleinen Morgentoilette bereiteten wir unser Frühstück zu. Es war eigentlich ein ganz normaler Sonntagmorgen nur kälter und nässer. Gegen 8:45 Uhr sollte das 24h-Rennen wieder fortgesetzt werden. Schön… 

Aber was wir dann sahen nötigte uns schon einen gewissen Respekt ab. Den Ansagen der Veranstalter folgten durchaus einige hundert! Sportler. Hinter dem Führungsfahrzeug sammelte sich ein bunter Wurm Unverbesserlicher. Natürlich kann man den Umständen trotzen, muss man aber nicht. Andy tat es. Wieder einmal fuhr er seine Runde. Und wir können sagen: Der Hallzig-Express verkörpert das gesamte Spektrum der Entscheidungsfreiheit auf eine unwirtliche Situation. Dann klingt es für jeden nicht so schlimm.

Der Vormittag verging und André ging es besser, er hatte wieder einigermaßen Farbe im Gesicht, sprach und bewegte sich deutlich schneller als gestern. Schön zu hören und zu sehen. Katrin nimmt ihn schon eher mit nach Hause.

Die anderen bauen schon ab, da will ich natürlich in nichts nachstehen. Übrigens Andy fährt noch eine Abschlussrunde mit Marco…Das Rennen ist zwar noch nicht zu Ende, aber die meisten Teams fangen schon damit an. 

Auch das Abbauen braucht seine Zeit, aber die Bewegung hilft gegen die Kälte, die die Eifel nun erreicht hat. Vorgestern hatten wir noch 30° und Sonnenschein und heute sind es 10°, es ist neblig und es regnet. Er wäre fast nicht nur ein 24h-Rennen geworden, sondern auch ein Rennen der 4-Jahreszeiten. 

Es wurde Mittag – ach ja – das 24h-Rennen geht zu Ende und wir wollen als Team gemeinsam über die Ziellinie rollen. Dass ich dabei war, hatte ich schon fast vergessen. Wir warteten noch auf unseren „Langen“, den Hightower. Der ist nämlich noch die letzte Runde gefahren und wir fuhren alle nebeneinander über die Ziellinie – für´s Foto. Eine Medaille bekamen wir auch noch…Was für eine Freude ... 

Rad am RingWir mussten jetzt tatsächlich zu Ende packen, denn der Nürburgring wird gebraucht. Von anderen…Unsere Zelte konnten wir jedenfalls nicht auf dem Gelände stehen lassen. Einen anderen Campingplatz hatten wir uns deswegen schon im Vorfeld gesucht und diesen dann auch angefahren. Dort nächtigten wir dann noch einmal. Nach einem 24h-Rennen noch 500 km nach Hause fahren ist dann doch ein bissel fett. Natürlich konnte keiner wissen, dass wir nicht durch fahren würden, gemacht haben wir den Campingstopp aber trotzdem. Unser Held Andy war mit dabei und so konnte er uns sein Erleben genau schildern. Lars´s Wohnwagen (Hier noch mal einen Super-Dank für diesen Qualitätssprung der Unterbringung) war auch hier wieder die Bleibe der Wahl. Für alle Eventualitäten vorbereitet, hatten wir noch einen schönen Grillabend und ein tiefenentspanntes Frühstück (O-Ton Lars). Nach diesem und einer Fahrt bei schönstem Wetter…kamen wir am Nachmittag wieder in Leipzig an.