Erlebnisberichte

"Die Kyffhäuserausfahrt, oder das Wort zum Samstag" am 01.03.2014 - Ralf's Kolumne

Monatsausfahrt März KyffhäuserLange im Voraus war sie angekündigt, die obligatorische Doodleliste war ausgehängt und so konnte nur noch das Wetter als entscheidungsbeeinflussender Faktor eine Rolle spielen. 
Ja natürlich war das Wetter entscheidend, es zog nicht nur ein Ass aus dem Ärmel, es spielte einen Grand mit Vieren und Schneider angekündigt. Die Skatfreunde wissen was ich meine, es gab keine Chance – wir mussten fahren.
Meinem alten ACL-Kumpel Arno erzählte ich von unserem Vorhaben, Ja brauchte er nicht mehr zu sagen, ich sah es an seinem Gesicht…

Die Doodleliste füllte sich zusehends und der Vollständigkeit halber trug ich mich auch ein.
Auf rund 30 Teilnehmer schwoll sie dann an, ein illustres Grüppchen, freute ich mich.
Ich bot Arno an, ihn mitzunehmen, was wir dann auch so organisierten. Ich hatte die Überlegung in meiner alten blauen Vereinskleidung zu fahren, damit er nicht so alleine ist, verwarf den Gedanken aber wieder. Ein Glück, denn Arno trug seine Rot-Weiß-Schwarze Wilierkleidung, die sehr gut zu seinem Rot-Weiß-Schwarzem Wilier-Rad passte. Erfügte sich also farbtechnisch perfekt ins Peloton. Zufall oder Absicht, gewöhnt er sich schon mal dran?
Gefragt habe ich ihn nicht.

10 Uhr war das Treffen auf einem Gewerbegebietsparkplatz nahe Farnstädt avisiert. Eine recht unromantische Location, aber wir wollten dort ja nicht übernachten, sondern weg. Nach und nach trudelten die Protagonisten ein. Die Vorbereitungen eines jeden liefen, für mich kam kurzzeitig etwas RTF-Vorbereitungsatmosphäre auf. Es war aber keine RTF, sondern nur unsere monatliche Ausfahrt. Einige Sportler rollten aus Leipzig mit dem Rad zum Startpunkt. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt schon 80 km und mehr in den Beinen. Respekt, so zeitig in der Saison. Vom zeitigen Aufstehen ganz zu schweigen.

Los geht´s, der Tross setzte sich in Bewegung und irgendwie landete ich bei André an der Spitze des Feldes und so führten wir den ellenlangen Rattenschwanz Richtung Allstedt. Aus unserer Sicht war es windstill, aber das stimmte nicht, das Feld hinter uns ließ den Rücken- wind nicht zu uns durch und so mühten wir uns nach Kräften…Nach ein paar Kilometern haben wir dann die Führung abgegeben um auch etwas vom Rückenwind zu haben…
Leicht wellig ging es bis km 20 nach Allstedt. Der Winter, der in diesem Jahr ja keiner war, hatte trotzdem seine Spuren hinterlassen. Rein körperlich spürte ich die lange Pause, in die der Körper während der Zeit der langen Nächte geriet. Wie mir ging es sicher den meisten im Feld und so zeigten die ersten topografischen Wellen bereits Wirkung. Munter plaudernd, natürlich im GA-Bereich fuhr die Spitze davon, das Feld zog sich lang und einige Fahrer hinten hatten „den Mut zur Lücke“, manche hatten viel Mut…und so mussten wir die Spitze an das Credo der Ausfahrt erinnern, geklappt hat das gut, das Feld kam wieder zusammen und wir rollten dem eigentlichen Tagesziel, dem Kyffhäusergebirge weiter entgegen.

Die Straßen waren spärlich bevölkert – außer von uns. Deutlich weniger Autos waren unterwegs und die, die an uns vorbei mussten taten dies obwohl Samstag war, mit sonntäglicher Gelassenheit. Vielen Dank an dieser Stelle für dieses Verhalten. So muss es sein.

Unser Lindwurm schlängelte sich nun über Oberöblingen, Edersleben und Rietnordhausen Richtung Hackpfüffel. Von nun an konnten wir das Denkmal, welches 1896 eingeweiht wurde, am Horizont sehen. Die Straßen verliefen größten teils kilometerlang schnurgerade aus. Dass sich diese Eintönigkeit bald ändern würde wussten alle, aber deswegen waren wir ja hier…. Über Tilleda gelangten wir nach Kelbra am nordöstlichen Rand des kleinen Gebirges. Die Auffahrt zum „Gipfel“ war nicht lang. Der Wegweiser zeigte 4 km und 36 Kehren. Die Überquerung des Gebirges nach Bad Frankenhausen an der südlichen Spitze ist auch für Motorradfahrer ein Anziehungspunkt. Einige haben wir auch gesehen, die meisten von ihnen sitzen bestimmt zu Hause und ärgern sich, dass ihr Saisonkennzeichen erst ab April gilt…Doch zurück zum Thema.

Dieser wolkenlose Samstag mit seinen rund 10°C war wie gemacht für unseren Saisoneinstieg. Am Fuße des Anstiegs noch plaudernd und geschlossen, zerbröselte unsere Gemeinschaft in ihre schweigenden Einzelteile. Diesmal aber legal. Jeder sollte nach seinem Gutdünken den Anstieg bewältigen. Oben wurde gewartet. Während des Anstieges habe ich die eine oder andere Belastung gefahren. Für mich sollte es eine Standortbestimmung sein, ich wollte wissen wie der Körper reagiert. Das weiß ich jetzt…Irgendwo im Mittelfeld kam ich oben an und war logischerweise auch mittelmäßig zufrieden.
Nach und nach trudelten alle ein. Es war jetzt Mittag, deutlich wärmer als früh und solarzellengleich saugte, glaube ich, jeder von uns das intensiver werdende Tageslicht auf.
Auf der kleinen Hochebene des Kyffhäuser fuhren wir natürlich zum Denkmal. Diese Idee hatten andere auch. Viele Menschen genossen die Aussicht und die dargebotenen kulinarischen Genüsse. Nach ein paar Fotos, ich aß auch etwas, machten wir uns auf den Rückweg. 55 km zeigte der Tacho, die Hälfte.

Die Abfahrt nach Bad Frankenhausen, welches eine zentrale Rolle im Bauernkrieg von 1524-1526 spielte, gestaltete jeder noch mal individuell. Unten wurde gewartet. In Zweierreihe stichelten wir nun über Espenstedt, Ringleben und Ritteburg auf den obligatorischen langen Geraden Richtung Querfurt. Zwischen km 85 und 90 kam noch einmal ein kleiner Anstieg. Unspektakulär, dachte ich mir, aber ich habe immer ein Auge für das gesamte Feld und sah, dass einige Fahrer abgefallen waren. Einer der letzten war Frank, alias LongHarry. Seine Körpersprache auf dem Rad verriet nichts Gutes. „Was´n los?“ fragte ich ihn. „Ich bin alle, hab zu wenig getrunken.“ sagte er. Ich erinnerte mich, er sprach einige km vorher von einem schönen Weizen. So etwas sagt man nicht grundlos. Bei LongHarry und noch einigen anderen Sportlern gab es aber noch eine kleine Besonderheit: Zum Startpunkt nach Farnstädt sind sie nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad gefahren. Sie hatten also rund 80 km mehr in den Beinen. Ich bot LongHarry etwas Windschatten, den er so gut es ging ausnutzte. Die restliche Truppe bekam mit, dass ein paar fehlten und wartete kurz nach Ziegelroda. Da waren wir alle wieder zusammen. Ich erinnerte mich, dass nach der Tour noch geplant war irgendwo zu essen. Dieser Gedanke machte sich in meinem Kopf breit. Ich kenne mich, wenn das so ist, ist der Unterzucker nicht mehr weit. In Querfurt gab es noch einmal eine kurze Irritation, die „Leipzigfahrer“ mussten anders abbiegen, als die anderen „Zurückfahrer“. Ab Querfurt schaute ich öfter auf den Tacho als sonst. Nicht wegen der Geschwindigkeit, sondern wegen den Kilometern. Auf dem Kyffhäuser hatte ich zwei kleine Schnittchen gegessen. Meine Getränke waren auch aufgebraucht. Natürlich kennt man so was, man hat es schon so oft erlebt, aber man muss es jedes Mal neu aushalten. Mit den Gedanken an die zwei Quarktaschen, die noch in meiner Tasche im Auto waren motivierte ich mich auf den letzten Kilometern. Auf dem Parkplatz angekommen, riss ich die Kofferraumklappe auf – und da waren sie: 2 Quarktaschen. Lange davon geträumt, hatte ihre Existenz mich über die letzten Kilometer gerettet. Nun lagen sie vor mir. Ich biss hinein…und hatte das Gefühl, der Teig verdampfte noch auf meiner Zunge…Bevor ich mich jetzt weiter hineinsteigere: Nach den zwei Quarktaschen erlangte ich das Bewusstsein wieder. Alle waren wir gut angekommen. Und nach den obligatorischen Verabschiedungen leerte sich der Parkplatz. Ein superschöner Tag ging zu Ende.

(erzählt von Ralf a.k.a. izoard)