Erlebnisberichte

Mein erster Triathlon

Aller guten Dinge sind 3 oder: Mein erster Sprint-Triathlon

2009 scheint das Jahr zu sein, in dem ich auf Biegen und Brechen mehr als 36 Jahre versäumte sportliche Erlebnisse nachhole: zuerst der Halbmarathon im Mai, dann die Neuseen Classics vor knapp drei Wochen und gestern eben mal ein Triathlon.

Zugegeben, es handelte sich nur um die Sprintdistanz und somit nur um 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Rad und 5 Kilometer Laufen. Und trotzdem…

Der Anstifter für die Teilnahme - mal wieder muss mein alter Klassenkamerad Gerhard herhalten - hatte vor anderthalb Wochen gesundheitliche Bedenken geäußert und sich ganze zwei Tage vor dem Wettkampf an die Ostsee verabschiedet, um sich von einem Muskelfaserriss in der linken Wade und einer Sehnenscheidenentzündung in der rechten Schulter auszukurieren. Mit anderen Worten: Er glänzte durch Abwesenheit!

War ich vor dem Halbmarathon etwas unsicher und nervös und vor den Neuseen Classics nur nervös, fühlte ich mich gestern bis zum Start wie vor einer äußerst schlecht vorbereiteten Abschlussprüfung. Ihr wisst schon, eine von denen, die eure Zukunft entscheiden… oder anders ausgedrückt: Ich war ein reines Nervenbündel.

Ich konnte zum Glück eine Woche vor diesem “Event” Daniel, den Papa der besten Freundin meiner Tochter, für die Teilnahme begeistern und war entsprechend froh, mich nicht gänzlich ohne Beistand in dieses aberwitzige Vorhaben zu stürzen. Ein Triathlon mit fast 37 Jahren? Größenwahnsinnig! Und wann war ich eigentlich das letzte Mal Schwimmen? Muss wohl im Oktober letzten Jahres gewesen sein. Das waren – gemäß dem Sprichwort “Wer viel übt, kann nichts!“ – ganze zwei Bahnen gewesen, auf denen „Old Gerhard“ meine Technik begutachtet hatte. Seine Einschätzung war ebenso kurz wie vernichtend: “Na, da musst Du aber noch fleißig üben!”

Tipps und Tricks für die Teilnahme, besonders für die Wechselzone, hatte ich genügend und gut aufbereitet im Internet gefunden. Entsprechend hatte ich alle notwendigen Utensilien sortiert in meiner Tasche und mein treuer zweirädriger Gefährte war startklar. Dies war also meine geringste Sorge. Ich hatte schlichtweg keine Ahnung, wie mein Körper auf nacheinander zu absolvierende 3 x 100% regieren würde…

Daniel holte mich und meine Große gegen neun Uhr morgens ab und brachte seine Frau und seine Tochter mit, die sich unbedingt den Wettkampf anschauen wollten. Über Bad Düben, Schköna und Gräfenhainichen ging die Fahrt ganz gemütlich nach Bergwitz.

Auf einer riesigen Wiese am See, die als Parkplatz umfunktioniert worden war, konnten wir einen guten Platz ziemlich weit vorn ergattern. Die Abholung der Startunterlagen lief schnell und problemlos. Hilflos war ich nur ein bisschen, als ein Mitglied des Orga-Teams mit einem fetten schwarzem Folienstift vor mir stand und mich abwartend ansah. Erst als er mit dem Stift auf meinen Oberarm deutete und “Darf ich?” fragte, rutschte bei mir der Groschen. Schnell krempelte ich den Ärmel hoch und machte noch schnell die frisch rasierte Wade frei. Nach zehn Sekunden prangte eine große “48” auf beiden Körperteilen.

In dieser Art lecker “tätowiert” schlenderten wir in Richtung Wechselzone und kamen erstmals in den „Genuss“, echten Athleten bei der Arbeit zuzusehen. Die Teilnehmer der Landesmeisterschaft und Landesliga im Sprint-Triathlon sowie die Teilnehmer am Staffeltriathlon waren eben gestartet. Auf dem See zogen die Schwimmer mit konstantem und für mich unglaublichem Speed durch die Wellen. Deren Bewegungen waren fließend und schön anzusehen: aus dem Wasser, den kurzen Steilhang hinauf und noch im vollem Lauf die Neoprenanzüge öffnend.

Als das Hauptfeld durch war und nur noch mit „Versprengten“ gerechnet werde musste, suchten wir uns einen für uns guten Platz in der Wechselzone und fanden diesen auch. Schnell waren die Räder aufgehangen und die Sachen sorgfältig platziert. Zum Glück deckten Daniel und ich alles ab, denn der Blick in den Himmel verhieß nichts Gutes. Von Westen zogen dunkle Wolken heran und der stetig blasende Wind sorgte für genug Wellen auf dem See. So regnete es kurze Zeit später ziemlich heftig und sorgte für entsprechende Stimmung unter den Startern.

Bei der Einweisung der Jedermänner 15 Minuten vor dem Start, es hatte mittlerweile wieder aufgehört zu regnen, traf ich dann noch Thomas, einen ehemaligen Schulkameraden aus Delitzsch. Auch er nahm zum ersten Mal an einem Triathlon teil.

Die Einweisung war kurz und die wichtigsten Dinge schnell erklärt. Das Neoprenverbot sei aufgrund der Wassertemperatur aufgehoben. (Konnte uns schnuppe sein, wir hatten ja gar keinen solchen Anzug.) Gestartet würde im Wasser in zwei Wellen. Die Teilnehmer mit den schwarzen Nummern Welle 1 um 12.30 Uhr, die mit den roten Nummern Welle 2 fünf Minuten später. Es gelte Windschattenverbot beim Radfahren und es würden bei Missachtung rigoros Strafzeiten vergeben oder sogar disqualifiziert. (Waren wir etwa Lutscher? Ts, ts, ts). Von den restlichen Erklärungen bekam ich nicht mehr all zu viel mit…

Mit Witzen und dummen Sprüchen versuchten wir uns auf dem gemeinsamen Weg von der Wechselzone zum Start abzulenken. Das klappte nur leidlich…

Daniel war aufgrund seiner Nachmeldung in die „2. Welle“ sortiert worden. Pfhh, den hätte ich nach dem Start im Wasser eh nicht mehr gesehen, sondern erst wieder im Ziel. Der letzte gemeinsame Lauf mit ihm rief noch jetzt Erinnerungen an zwei Tage elendigen Muskelkaters in mir wach…

Draußen auf dem bleigrauen Wasser des Sees dümpelten die drei Tonnen vor sich hin, die es zu umschwimmen galt. Und jetzt wurde mir schlagartig bewusst, dass ich noch nie eine solche Strecke am Stück im freien Wasser geschwommen war. Im Schwimmbad, jaaa, da! Aber hier? Der Wind hatte gerade mal wieder ein kleinen bisschen zugelegt als ich mich mit dem neben mir stehenden Thomas von fünf rückwärts zählen hörte.

Was dann genau passierte und wie ich ins Wasser kam weiß ich nicht mehr so genau. Der Untergrund, das fiel mir aber noch auf, war mir kleinen und großen Kieseln durchsetzt und es war fast eine Wohltat, endlich die Füße vom Boden zu nehmen.

Schwimm!

Ich begann zu kraulen und es klappte ganze fünf Sekunden recht gut…, bis ich zum ersten Mal den Kopf nach links drehte, um Luft zu holen. Platsch! Da klatschte eine Welle ins Gesicht und statt Luft hatte ich nur Wasser im Mund. Zum Glück verschluckte ich mich nicht, spukte das Wasser aus und jappste einmal ein und aus. Was hatte Gerhard mir noch auf den Weg gegeben? „Wenn Du Panik bekommst oder denkst, es klappt nichts mehr, dann wechsle den Schwimmstil!“ Gut, da versuchte ich es mit dem guten alten Brustschwimmen. Nun bekam ich zwar etwas besser Luft, sah aber voller Panik, dass die erste Tonne noch ewig weit weg war und sich das Feld vor mir schon abgesetzt hatte. „Schwimm zu und komm bloß nicht als Letzter aus dem Wasser!“, sagte das Teufelchen. „Schwimm ruhig und gleichmäßig. Die Zeit ist egal, der Spaßfaktor zählt!“ sagte das Engelchen. Aus einer Mischung von beiden paddelte ich weiter. Ich schaffte es tatsächlich, an der ersten und zweiten Tonne nicht als Letzter vorbei zu schwimmen. Nach der dritten und letzten Tonne ging es dann irgendwie kurz mal drunter und drüber. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich wurde von den ersten Schwimmern der 2. Welle „überschwommen“. Ich registrierte noch, dass ich plötzlich unter Wasser war und ich einen Fuß ins Kreuz bekam. „Aua!“ konnte ich nicht rufen, nur nach Luft schnappen, als ich wieder oben war. Klar, was hatte ich auch die Stirn, hier so herum zu dümpeln.

Noch zehn Meter bis zum Ufer und der unmittelbar folgende Steilhang, den man (ich!) noch hinauf zur Wechselzone musste, lauerte schon.

Kurz bevor sich den Wellen des malerischen Bergwitzsees am nicht allzu feinen Sandstrand brachen, spürte ich endlich groben Kies unter den Fußsohlen. Taumelig verließ ich das Wasser und kämpfte mich den sandigen Hang hinauf. Mein benebeltes Unterbewusstsein registrierte noch die anfeuernden Rufe aus zwei mir gut bekannten Kinderkehlen: „Papa! Papa! Papa!“

Auf dem Rad oder „Wie man seinen Tacho loswird“

Mit etwas wackligen Beinen rannte ich in die Wechselzone und zu meinen Sachen. Das Shirt überzuziehen stellte sich als erste Gemeinheit heraus. Wer mal versucht hat, über einen nassen Leib ein hautenges Kunstfasergewebe im Rekordtempo überzuziehen, weiß, wovon ich rede. Das bekam ich dann mit einem Gewusel von sich windenden Händen und Armen auch hin. Die Triathlonhose ging da schon schneller drüber. Nur noch kurz mal mit dem Handtuch über die Füße, Socken an, in die Radschuhe rein und Helm auf! Das einhändige Schieben des Rades beim schnellen Laufen ging sehr gut. Bis mir auffiel, dass ich ohne Startnummer war. Mist! Die lag mit dem extra dafür angeschafften Startnummernband noch unter den Laufschuhen. Schnell stellte ich das Rad an die äußere Begrenzung der Wechselzone, an der einige Zuschauer standen und hastete zurück. Das Umschnallen im Laufen ging gut, Rad schnappen, Transponder an die Magnetwand halten, noch 10 Meter gelaufen und ab auf die 20 Kilometer lange Radstrecke!

Jetzt auf dem Rad und somit auf mir gut bekannten Gefilden unterwegs fühlte ich mich wieder wohl. Ein prüfender Blick auf den Tacho ging ins Leere. Weg! Geklaut! So eine Gemeinheit! Die Trauer über meinen verlorenen treuen, wenn auch sehr preiswerten, Begleiter währte nur kurz. Kurven auf dem noch feuchten Kopsteinpflaster in Bergwitz verlangten wieder etwas Konzentration. Die Strecke über Selbitz zum Wendepunkt nach Schleesen ist nicht sehr anspruchsvoll und die zu überquerende Brücke empfinde ich sogar als kleine Abwechslung. So gelingt es mir sogar, einen guten Teil der vor mir aus dem Wasser Gekommenen wieder zu überholen. Ich bin schon auf dem Rückweg nach Bergwitz, als mir Daniel mit seinem Mountainbike und einem breiten Grinsen entgegen kommt. Er strampelt ganz schön kraftvoll und konstant, hat aber leider gegen die Triathlonräder und Zeitfahraufsätze kaum eine Chance. Fünf Kilometer vor Bergwitz überholte ich noch Thomas, der ebenfalls auf einem Mountainbike unterwegs ist. Er trieb mich noch von hinten an und ich rief über die Schulter zurück, dass wir uns gleich beim Laufen sehen würden.

Der Rest und kleine Nachlese

Noch auf der Zielgeraden „donnerte“ ich an drei bereits bremsenden Fahrern vorbei, klickte aus und sprang vom Rad. Da ich zum Glück keine großen Pedalplatten unter den Schuhen hatte, konnte ich noch an ein paar weiteren Teilnehmern auf dem Weg zur Wechselzone vorbeihasten. Rad am Sattel aufgehangen, Helm ab und Wechseln der Schuhe. Und schon ging es auf die zwei Runden der insgesamt 5 Kilometer langen Strecke. Das Laufen klappte erstaunlich gut und ich fand meinen Rhythmus schnell. Zweimal kam mir unterwegs Daniel entgegen, der Handschlag dabei war obligatorisch. Ich freute mich dabei jedes Mal diebisch, dass ich bisher durchgehalten hatte.

Der Zieleinlauf war dann, von den links und rechts stehenden Zuschauern mal abgesehen, recht unspektakulär. Ich war nur froh, endlich da zu sein. Thomas schien es ähnlich zu gehen, wir lagen uns kurz in den Armen und werteten das eben Geschaffte aus. Kurze Zeit später kam auch Daniel ins Ziel. Er sah es alles etwas gelassener und meinte nur lapidar mit einem Grinsen: „Ja, hat Spaß gemacht.“

Und das hat es auch – im Nachhinein. Die Wertungslisten hingen bald darauf aus und etwas ungläubig las ich meinen Namen hinter dem 83. Platz. Bei 164 gefinishten Teilnehmern also – mal wieder – Mittelfeld. Das Dümpeln beim Schwimmen (00:15:59) konnte ich beim Radfahren (00:36:45) und Laufen (00:24:08) wieder etwas wettmachen. Die Gesamtzeit meines ersten Volkstriathlons finde ich mit 01:16:52 fantastisch.

Ob ich mir das nochmal antun werde? Ich denke schon…