Erlebnisberichte

Der Meister hinterm Deister

Vorab: Eine tolle Runde. Schnelle Passagen und (für meinen Fall) auch fordernde Anstiege. Irgendwo zwischen der großen NSC-Runde und der kleinen Schleiz-Runde angesiedelt. Der Start mitten in Hannover sowie die Zielankunft bietet natürlich auch seinen speziellen Reiz. Darüber hinaus waren in einigen Ortschaften sehr viele Mitbürger zum Jubeln und Anfeuern auf der Straße.

Bedingt durch die gute Versorgung und des Umzuges des Hauses Floeri ging ich mit einem kleinen Handicap an den Start, welches sich gerne zu meinem etwas schlechten Trainings-Zustand gesellte.

Aber nun zum Rennen:
Leider ein wenig spät am Start-Block eintreffend konnte ich die gute Gelegenheit nutzen, einem durch das Starterfeld fahrenden Krankenwagen zu folgen, um an die Position zu gelangen, wo ich eigentlich hin wollte. Also so ungefähr bei den ersten 50. Nach ca. 20 Minuten ging es dann auch los. Da ich ja ein absoluter Klick-Pedalen-Profi bin, rauschte die zuvor eroberte Position rechts und links in Form von Mitstreitern flugs wieder an mir vorbei. Nach gefühlten 30 Sekunden hatte ich meine Beine jedoch am Sportgerät befestigt und konnte die eilige Hatz an Hannovers Stadtgrenzen aufnehmen. Teilweise hatte man das Gefühl, dass da schon der Endspurt angesetzt wurde. 45 km/h war die absolute Untergrenze.
Irgendwann setzte eine gewisse Beruhigung ein und mit normaler Renngeschwindigkeit kurbelte sich ein dichtes Feld durch das Vorland von Hannover. Schätzungsweise nach 30 km fingen die vorne fahrenden Teams ihre taktischen Spielchen an, was zur Folge hatte, dass das große folgende Feld teilweise übel eingebremst wurde. In dieser Phase flogen rechts von mir gleich ein paar ziemlich heftig ab, ansonsten gab es jedoch nur ordentliche Bremsspuren auf dem Asphalt.

Zu dieser Zeit war schon der erste „Hügel“ erklommen, was jedoch nicht zu einer Teilung des Feldes geführt hat.
So plätscherte das Feld weiter durch die Gegend. Die vor mir fahrende Spitze war meistens mit einem Abstand von 100 Metern noch gut im Blickfeld. Jedoch waren da noch sehr viele Radler dazwischen. Ich wollte doch ein wenig weiter vorne fahren. Es gab nur so gut wie keine Gelegenheit, in dieser Phase des Rennens Boden gut zu machen. Das Feld breitete sich über die komplette Straßenbreite aus. Keine Ahnung, was man in so einer Situation macht. Ich nutzte einfach die Gelegenheit, als alle links fuhren um nicht im Wind zu stehen. Im Unterlenker hängend spurtete ich rechts im Wind an einem guten Teil des Feldes vorbei und sortierte mich dann wieder ein (wahrscheinlich unter den ersten 50-100).
Nun hatte ich meine Position, die ich gerne bis 15-20 km vor dem Ziel halten wollte. Aber leider kam es anders. Irgendwo, ich schätze km 65 – 70, kam es in diesem Feld ein paar Meter vor mir zu einem üblen Crash mit mindestens 10 Radlern, der die komplette Straße blockierte. Es war (für mein Empfinden) wirklich eine Katastrophe. Ich versuche generell, Risiken klein zu halten und fahre mit einem relativ großen Abstand. Das hat zur Folge, dass dauernd irgendwelche anderen Radler in diese Lücke stoßen, aber auch die Möglichkeit besteht, bei solch einer Komplett-Sperrung noch irgendwie reagieren zu können. Bei mir gelang das mit einem Hopser auf den Gehweg. Diesem 50 Meter folgend war ich wieder auf der Strecke und es konnte weiter gehen. Jedoch war das erste Feld da schon uneinholbar weg.

Eigentlich war hier mein Rennen bereits vorbei, da sich zu dem Abstand kleine lustige Krämpfe gesellten…
Nun erfolgten neue Sortierungen. Ich bin dann irgendwie von einer Gruppe aufgesaugt worden, die leider nur ca. 34 – 36 km/h fahren wollte oder konnte. Allerdings kann ich nicht meckern, ich durfte in dieser Gruppe hinten fahren. Aufgrund von übelsten Krämpfen in den Waden und Oberschenkeln hatte ich in den folgenden Renn-Minuten schon Angst, überhaupt noch ins Ziel geraten zu können. Irgendwie hat es dann ja doch noch geklappt. Schätzungsweise 10 Kilometer vor dem Ziel wurde unsere kleine 10er-Gruppe von einer folgenden Groß-Gruppe eingeholt.
Mir war es recht, ich wollte mit diesen Krampf-Beinen nur noch irgendwie ins Ziel. Den Fight um Platz 50 oder ähnlich bin ich dann auch nicht mehr gegangen. Ich wollte nur noch ankommen, um dann möglichst schnell diese ekelhaften Krämpfe los zu werden. Für Platz 113 hat es dann erfreulicherweise noch gereicht, AK Platz 48. Schnitt 38,01 km/h.

Fazit: Tolles Rennen, hätte mit ordentlicher Vorbereitung und mehr Enthaltsamkeit am Vorabend durchaus zu einem besseren Ergebnis geführt. Aber so war es auch schön. Ich komme wieder…